Die jüngsten Terrorangriffe in Nigeria erschüttern Papst Leo XIV.: „Mit Schmerz und Sorge habe ich von den jüngsten Angriffen auf verschiedene Gemeinden in Nigeria erfahren, die schwere Verluste an Menschenleben verursacht haben“, erklärte er bei seinem sonntäglichen Mittagsgebet und sagte weiter:.„Ich versichere alle Opfer von Gewalt und Terrorismus meiner Verbundenheit im Gebet. Ich hoffe, dass die zuständigen Behörden sich weiterhin entschlossen dafür einsetzen, die Sicherheit und den Schutz des Lebens jedes Bürgers zu gewährleisten“, unterstrich der Pontifex mit Blick auf die jüngsten Nachrichten von Entführungen und Massakern in Nigeria. An diesem Wochenende wurde gemeldet, dass im Norden Nigerias bei verschiedenen Attacken erneut mindestens 51 Menschen entführt und sechs Menschen ermordet wurden. Schauplatz der Gewalttaten war der Bundesstaate Kaduna im Norden des Landes mit christlicher Bevölkerungsmehrheit, in der bereits im Januar mehr als 180 Menschen entführt worden waren. Am 3. Februar 2026 hatten hunderte islamistische Extremisten zwei Dörfer im Kwara-Bundesstaat überfallen und etwa 170 Bewohner wahllos dahingemetzelt. Der Angriff folgte auf die Weigerung der Dorfgemeinschaft, die islamische Scharia-Gesetzgebung einzuführen.
„Das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen. Von diesem übergeordneten Grundsatz hängt letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates ab.“
FSSPX. Aktuell: Hochwürdigster
Herr Generaloberer, Sie haben soeben öffentlich Ihre Absicht angekündigt, am
kommenden 1. Juli Bischofsweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X.
vornehmen zu lassen. Warum haben Sie diese Ankündigung heute, am 2. Februar,
gemacht?
Don Davide
Pagliarani: Das Fest der Reinigung der allerseligsten Jungfrau Maria besitzt in
der Bruderschaft eine große Bedeutung. Es ist der Tag, an dem die Kandidaten
für das Priestertum die Soutane empfangen. Die Darstellung unseres Herrn im
Tempel, die wir heute feiern, erinnert sie daran, dass der Schlüssel ihrer
Ausbildung und ihrer Vorbereitung auf die Weihen in ihrer Selbsthingabe liegt,
die durch die Hände Mariens geht. Es ist ein außerordentlich wichtiges
Marienfest, denn indem Simeon der Gottesmutter ein Schwert des Schmerzes
ankündigt, zeigt er deutlich ihre Rolle als Miterlöserin an der Seite ihres
göttlichen Sohnes. Man sieht sie mit unserem Herrn vereint, vom Beginn seines
irdischen Lebens an bis zur Vollendung seines Opfers auf Golgotha. Ebenso
begleitet die Gottesmutter den zukünftigen Priester in seiner Ausbildung und
während seines ganzen Lebens: Sie ist es, die weiterhin unseren Herrn in seiner
Seele formt.
FSSPX. Aktuell: Diese
Ankündigung war in den vergangenen Monaten ein hartnäckiges Gerücht,
insbesondere seit dem Tod von Bischof Tissier de Mallerais im Oktober 2024.
Warum haben Sie bis jetzt gewartet?
Wie
Erzbischof Lefebvre seinerzeit ist auch die Bruderschaft stets darum bemüht,
der Vorsehung nicht zuvorzukommen, sondern ihr zu folgen, indem sie sich von
ihren Hinweisen leiten lässt. Eine so bedeutende Entscheidung kann nicht
leichtfertig oder überstürzt getroffen werden. Es handelt sich um ein äußerstes
Mittel, das einer Notwendigkeit entsprechen muss, die ihrerseits real und
ebenfalls von äußerster Natur ist. Die bloße Existenz einer Notwendigkeit zum
Wohl der Seelen bedeutet noch nicht, dass jede beliebige Initiative zu ihrer
Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre.
Insbesondere,
da es sich um eine Angelegenheit handelt, die offensichtlich die höchste
Autorität der Kirche betrifft, war es notwendig, zunächst einen Schritt an den
Heiligen Stuhl zu unternehmen – was wir getan haben – und eine angemessene
Frist abzuwarten, um ihm eine Antwort zu ermöglichen. Es handelt sich um eine
Entscheidung, die wir nicht hätten treffen können, ohne konkret unsere
Anerkennung der Autorität des Heiligen Vaters zum Ausdruck zu bringen.
FSSPX. Aktuell: In
Ihrer Predigt sagten Sie, Sie hätten tatsächlich an den Papst geschrieben.
Können Sie uns dazu Näheres sagen?
Im
vergangenen Sommer habe ich dem Heiligen Vater geschrieben, um eine Audienz zu
erbitten. Da ich keine Antwort erhielt, schrieb ich ihm einige Monate später
einen weiteren Brief – in einfacher und kindlicher Weise, ohne ihm irgendetwas
von unseren Bedürfnissen zu verbergen. Ich schilderte unsere lehrmäßigen
Divergenzen, aber auch unseren aufrichtigen Wunsch, der katholischen Kirche
unermüdlich zu dienen, denn wir sind Diener der Kirche trotz unseres nicht
anerkannten kirchenrechtlichen Status.
Auf dieses
zweite Schreiben erhielten wir vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom, von
Kardinal Fernández. Leider berücksichtigt diese in keiner Weise den von uns
unterbreiteten Vorschlag und bietet keine Lösung an, die unseren Anliegen
entspricht.
Dieser
Vorschlag besteht angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die
Bruderschaft befindet, konkret in der Bitte an den Heiligen Stuhl, uns
vorübergehend den Verbleib in unserer Ausnahmesituation zu gestatten – zum Wohl
der Seelen, die sich an uns wenden. Wir haben dem Papst versprochen, all unsere
Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu
wahren Söhnen der Kirche zu machen. Mir scheint, dass ein solcher Vorschlag
sowohl realistisch als auch vernünftig ist und an sich die Zustimmung des
Heiligen Vaters finden könnte.
FSSPX. Aktuell: Wenn
Sie diese Zustimmung also noch nicht erhalten haben, warum halten Sie es
dennoch für notwendig, zu Bischofsweihen zu schreiten?
Es handelt
sich um ein äußerstes Mittel, das einer realen und ebenso äußersten
Notwendigkeit entspricht. Gewiss bedeutet das bloße Bestehen einer
Notwendigkeit zum Wohl der Seelen nicht, dass jede Initiative zu ihrer Behebung
von vornherein gerechtfertigt wäre. Doch in unserem Fall glauben wir nach einer
langen Zeit des Wartens, der Beobachtung und des Gebetes heute sagen zu können,
dass der objektive Zustand schwerer Not, in dem sich die Seelen, die
Bruderschaft und die Kirche befinden, eine solche Entscheidung erfordert.
Mit dem
Erbe, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat, bestehen die grundsätzlichen
Erwägungen, die bereits die Weihen von 1988 gerechtfertigt haben, weiterhin in
vollem Umfang fort und treten in vielerlei Hinsicht sogar mit erneuerter
Dringlichkeit hervor. Das Zweite Vatikanische Konzil bleibt mehr denn je der
Kompass, gemäß dem sich die Kirchenmänner orientieren, und es ist kaum zu
erwarten, dass sie in absehbarer Zeit eine andere Richtung einschlagen. Die
großen Leitlinien, die sich bereits für das neue Pontifikat abzeichnen,
insbesondere durch das letzte Konsistorium, bestätigen dies nur: Man erkennt
darin den ausdrücklichen Willen, die Linie von Papst Franziskus als einen
unumkehrbaren Weg für die ganze Kirche beizubehalten.
„Wir haben
dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition
einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen.“
Es ist
traurig, dies feststellen zu müssen, aber es ist eine Tatsache: In einer
gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um
ihr ewiges Heil zu sichern. Dies betrifft insbesondere die vollständige
Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der
Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand.
In diesem kritischen Kontext werden unsere Bischöfe älter und angesichts des
stetigen Wachstums des Apostolates reichen sie nicht mehr aus, um den
Bedürfnissen der Gläubigen in der ganzen Welt gerecht zu werden.
FSSPX. Aktuell: Inwiefern,
meinen Sie, bestätigt das Konsistorium des vergangenen Monats die von Papst
Franziskus eingeschlagene Richtung?
Kardinal
Fernández hat im Namen von Papst Leo die Kirche dazu eingeladen, zur
grundlegenden Intuition von Franziskus zurückzukehren, wie sie in Evangelii
gaudium, seiner Schlüssel-Enzyklika, zum Ausdruck kommt: Ein wenig vereinfacht
geht es darum, die Verkündigung des Evangeliums auf ihren ursprünglichen,
wesentlichen Kern zu reduzieren – in sehr knappen und prägnanten Formeln, dem
„Kerygma“. Dies geschieht im Hinblick auf eine „Erfahrung“, eine unmittelbare
Begegnung mit Christus, wobei alles Übrige, so kostbar es auch sein mag,
beiseitegelassen wird – konkret die Gesamtheit der Elemente der Tradition, die
als nebensächlich und sekundär eingestuft werden.
Gerade diese
Methode der Neuevangelisierung hat die für das Pontifikat von Franziskus
charakteristische lehrmäßige Leere hervorgebracht, die ein ganzer Teil der
Kirche stark empfunden hat. Gewiss muss man sich in dieser Perspektive stets
bemühen, neue und angemessene Antworten auf aufkommende Fragen zu geben; diese
Aufgabe soll jedoch durch die synodale Reform verwirklicht werden und nicht
durch die Wiederentdeckung der klassischen und immer gültigen Antworten der
Tradition der Kirche. Auf diese Weise, im angeblichen „Wehen des Geistes“
dieser synodalen Reform, konnte Franziskus der ganzen Kirche katastrophale
Entscheidungen auferlegen, wie etwa die Zulassung der Kommunion für
wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare.
Zusammengefasst:
Durch das „Kerygma“ wird die Verkündigung des Evangeliums vom gesamten Korpus
der traditionellen Lehre und Moral abgekapselt. Durch die Synodalität werden
die traditionellen Antworten durch willkürliche Entscheidungen ersetzt, die
leicht absurd und lehrmäßig nicht zu rechtfertigen sind. Kardinal Zen selbst
hält diese Methode für manipulativ und die Zuschreibung an den Heiligen Geist
für blasphemisch. Ich fürchte leider, dass er recht hat.
FSSPX. Aktuell: Sie
sprechen vom Dienst an der Kirche, doch in der Praxis kann die Bruderschaft den
Eindruck erwecken, die Kirche herauszufordern, insbesondere wenn Bischofsweihen
in Betracht gezogen werden. Wie erklären Sie dies dem Papst?
Wir dienen
der Kirche zunächst dadurch, dass wir den Seelen dienen. Dies ist eine
objektive Tatsache, unabhängig von jeder anderen Erwägung. Die Kirche existiert
ihrem Wesen nach für die Seelen: Ihr Ziel ist ihre Heiligung und ihre Rettung.
Alle schönen Reden, die verschiedenartigen Debatten, die großen Themen, über
die man diskutiert oder diskutieren könnte, haben keinen Sinn, wenn sie nicht
auf das Heil der Seelen ausgerichtet sind. Es ist wichtig, daran zu erinnern,
denn heute besteht die Gefahr, dass sich die Kirche mit allem Möglichen
beschäftigt und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert. Die Sorge um die
Ökologie etwa oder das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, von Frauen
oder von Migranten laufen Gefahr, die wesentliche Sendung der Kirche aus dem
Auge zu verlieren. Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung
der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein
deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind,
und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des
Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.
„In einer
gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um
ihr ewiges Heil zu sichern. Darin besteht der Notstand.“
Indem wir so
handeln, stellen wir das, was wir bewahren, in den Dienst der Kirche selbst.
Wir bieten der Kirche nicht ein Museum alter und verstaubter Dinge dar, sondern
die Tradition in ihrer Fülle und Fruchtbarkeit, die Tradition, welche die
Seelen heiligt und verwandelt, Berufungen und wahrhaft katholische Familien
hervorbringt. Anders gesagt: Gerade für den Papst als solchen bewahren wir
diesen Schatz bis zu dem Tag, an dem man seinen Wert wieder verstehen wird und
an dem ein Papst sich seiner zum Wohl der ganzen Kirche bedienen will. Denn die
Tradition gehört der Kirche.
FSSPX. Aktuell: Sie
sprechen vom Wohl der Seelen, doch die Bruderschaft hat keine Sendung für die
Seelen. Im Gegenteil, sie wurde vor über fünfzig Jahren kanonisch aufgehoben.
Auf welcher Grundlage lässt sich eine Mission der Bruderschaft gegenüber den
Seelen rechtfertigen?
Es handelt
sich schlicht und einfach um eine Frage der Nächstenliebe. Wir wollen uns keine
Sendung anmaßen, die wir nicht haben. Zugleich können wir uns aber nicht
weigern, auf die geistliche Not der Seelen zu antworten, die sich zunehmend
verwirrt, orientierungslos und verloren fühlen. Sie rufen um Hilfe. Und nachdem
sie lange gesucht haben, finden sie ganz natürlich in den Reichtümern der
vollständig gelebten Tradition der Kirche mit tiefer Freude Licht und Trost.
Gegenüber diesen Seelen tragen wir eine wirkliche Verantwortung, auch wenn wir
keine offizielle Sendung haben: Wenn jemand auf der Straße eine Person in
Gefahr sieht, ist er verpflichtet, ihr nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen,
auch wenn er weder Feuerwehrmann noch Polizist ist.
Die Zahl der
Seelen, die sich auf diese Weise an uns gewandt haben, ist im Laufe der Jahre
stetig gewachsen und hat in den letzten zehn Jahren sogar erheblich zugenommen.
Ihre Bedürfnisse zu ignorieren und sie im Stich zu lassen, würde bedeuten, sie
zu verraten und damit auch die Kirche selbst zu verraten; denn noch einmal: Die
Kirche existiert für die Seelen und nicht, um eitle und fruchtlose Diskussionen
zu nähren.
Diese
Nächstenliebe ist eine Pflicht, die alle anderen überragt. Das Recht der Kirche
selbst sieht dies so vor. Im Geist des Kirchenrechts, das der juristische
Ausdruck dieser Nächstenliebe ist, steht das Wohl der Seelen über allem. Es
stellt wahrhaft das Gesetz der Gesetze dar, dem alle anderen untergeordnet sind
und dem keine kirchliche Gesetzgebung entgegenstehen kann. Das Axiom suprema
lex, salus animarum – das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen – ist
eine klassische Maxime der kanonischen Tradition, die ausdrücklich im letzten
Kanon des Kodex von 1983 aufgegriffen wird. Im gegenwärtigen Notstand hängt von
diesem übergeordneten Grundsatz letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres
Apostolates und unserer Sendung gegenüber den Seelen ab, die sich an uns
wenden. Für uns handelt es sich um eine stellvertretende Rolle im Namen eben
dieser Nächstenliebe.
FSSPX. Aktuell: Sind
Sie sich bewusst, dass die Erwägung von Bischofsweihen die Gläubigen, die sich
an die Bruderschaft wenden, vor ein Dilemma stellen könnte: entweder die Wahl
der integralen Tradition mit allem, was sie bedeutet, oder die „volle“
Gemeinschaft mit der Hierarchie der Kirche?
Dieses
Dilemma ist in Wirklichkeit nur scheinbar. Es ist offensichtlich, dass ein
Katholik zugleich die integrale Tradition und die Gemeinschaft mit der
Hierarchie bewahren muss. Er kann nicht zwischen diesen beiden Gütern wählen,
die beide notwendig sind.
Allzu oft
wird jedoch vergessen, dass die Gemeinschaft wesentlich auf dem katholischen
Glauben gründet, mit allem, was dies einschließt: angefangen bei einem
wirklichen sakramentalen Leben und der Ausübung einer Leitungsgewalt, die
denselben Glauben verkündet und zu seiner Verwirklichung anhält, indem sie ihre
Autorität nicht willkürlich, sondern wirklich im Hinblick auf das geistliche
Wohl der ihr anvertrauten Seelen ausübt.
Gerade um
diese Grundlagen, diese für das Bestehen der Gemeinschaft in der Kirche
notwendigen Bedingungen zu gewährleisten, kann die Bruderschaft nicht
akzeptieren, was dieser Gemeinschaft entgegensteht und sie verfälscht, selbst
wenn dies – paradoxerweise – von jenen ausgeht, die in der Kirche die Autorität
ausüben.
FSSPX. Aktuell: Können
Sie ein konkretes Beispiel dessen nennen, was die Bruderschaft nicht
akzeptieren kann?
Das erste
Beispiel, das mir in den Sinn kommt, stammt aus dem Jahr 2019, als Papst
Franziskus anlässlich seines Besuches auf der Arabischen Halbinsel gemeinsam
mit einem Imam die bekannte Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnete. Darin
erklärte er zusammen mit dem muslimischen Würdenträger, die Vielfalt der
Religionen sei als solche von der göttlichen Weisheit gewollt.
Es ist
offensichtlich, dass eine Gemeinschaft, die sich auf die Annahme einer solchen
Aussage gründen oder sie einschließen würde, schlichtweg nicht katholisch wäre,
denn sie würde eine Sünde gegen das erste Gebot und die Leugnung des ersten
Artikels des Glaubensbekenntnisses beinhalten. Ich halte eine solche Aussage
für mehr als einen bloßen Irrtum. Sie ist schlicht unvorstellbar. Sie kann
nicht das Fundament einer katholischen Gemeinschaft sein, sondern vielmehr die
Ursache für deren Auflösung. Ich denke, ein Katholik sollte eher das Martyrium
vorziehen, als eine solche Aussage zu akzeptieren.
FSSPX. Aktuell: Weltweit
nimmt das Bewusstsein für die von der Bruderschaft seit Langem angeprangerten
Irrtümer zu, insbesondere im Internet. Wäre es nicht angebracht, dieses Wirken
im Vertrauen auf die Vorsehung sich entfalten zu lassen, anstatt durch einen
starken öffentlichen Akt wie Bischofsweihen einzugreifen?
Dieses
Wirken ist sicherlich positiv, und man kann sich darüber nur freuen. Es
veranschaulicht zweifellos die Berechtigung dessen, was die Bruderschaft
verteidigt, und es ist angezeigt, diese Verbreitung der Wahrheit mit allen
verfügbaren Mitteln zu fördern. Gleichwohl ist es ein Wirken mit Grenzen, denn
der Glaubenskampf kann sich nicht auf Diskussionen und Stellungnahmen
beschränken oder in ihnen erschöpfen, deren Schauplatz das Internet oder die
sozialen Netzwerke sind.
Die
Heiligung einer Seele hängt gewiss vom Bekenntnis des authentischen Glaubens
ab, dieses muss jedoch in ein wirklich christliches Leben münden. Am Sonntag
brauchen die Seelen keine Internetplattform. Sie brauchen einen Priester, der
ihnen die Beichte abnimmt und sie unterweist, der für sie die heilige Messe
feiert, der sie wahrhaft heiligt und zu Gott führt. Die Seelen brauchen
Priester. Und um Priester zu haben, braucht es Bischöfe. Keine „Influencer“.
Anders gesagt: Man muss zur Wirklichkeit zurückkehren, das heißt zur
Wirklichkeit der Seelen und ihrer konkreten objektiven Not. Die Bischofsweihen
haben keinen anderen Zweck: für die an der Tradition festhaltenden Gläubigen
die Spendung des Sakramentes der Firmung, der Weihe und alles dessen, was
daraus folgt, zu gewährleisten.
FSSPX. Aktuell: Besteht
nicht die Gefahr, dass die Bruderschaft trotz guter Absichten in gewisser Weise
dazu kommt, sich selbst mit der Kirche gleichzusetzen oder sich eine
unersetzliche Rolle zuzuschreiben?
In keiner
Weise beansprucht die Bruderschaft, sich an die Stelle der Kirche zu setzen
oder ihre Sendung zu übernehmen; vielmehr bewahrt sie das tiefe Bewusstsein,
nur zu bestehen, um der Kirche zu dienen. Dabei stützt sie sich ausschließlich
auf das, was die Kirche selbst immer und überall gelehrt, geglaubt und getan
hat.
Die
Bruderschaft ist sich ebenso zutiefst bewusst, dass nicht sie es ist, die die
Kirche rettet, denn allein unser Herr bewahrt und rettet seine Braut – Er, der
niemals aufhört, über sie zu wachen.
Die
Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht selbst
gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben. Aufmerksam
gegenüber der Sendung ihrer Mutter, die während zwanzig Jahrhunderten ihre
Kinder durch die Lehre und die Sakramente genährt hat, widmet sich die
Bruderschaft kindlich der Bewahrung und Verteidigung der integralen Tradition,
indem sie die Mittel ergreift für eine unvergleichliche Freiheit, um diesem
Erbe treu zu bleiben. Nach dem Wort von Erzbischof Lefebvre ist die
Bruderschaft lediglich ein Werk „der katholischen Kirche, die weiterhin die
Lehre überliefert“; ihre Rolle ist die eines „Briefträgers, der einen Brief
überbringt“. Und sie wünscht nichts mehr, als alle katholischen Hirten vereint
in der Erfüllung dieser Pflicht zu sehen.
FSSPX. Aktuell: Kommen
wir auf den Papst zurück. Halten Sie es für realistisch, dass der Heilige Vater
akzeptieren oder zumindest dulden könnte, dass die Bruderschaft Bischöfe ohne
päpstliches Mandat weiht?
Ein Papst
ist vor allem ein Vater. Als solcher ist er fähig, eine aufrechte Absicht,
einen ehrlichen Willen, der Kirche zu dienen, und vor allem einen echten
Gewissenskonflikt in einer außergewöhnlichen Situation zu erkennen. Diese
Elemente sind objektiv, und alle, die die Bruderschaft kennen, können dies
anerkennen, selbst ohne notwendigerweise ihre Positionen zu teilen.
FSSPX. Aktuell: Das
ist in der Theorie verständlich. Glauben Sie aber, dass Rom konkret eine solche
Entscheidung der Bruderschaft dulden könnte?
Die Zukunft
liegt in den Händen des Heiligen Vaters und selbstverständlich der Vorsehung.
Dennoch ist anzuerkennen, dass der Heilige Stuhl mitunter zu einem gewissen
Pragmatismus, ja sogar zu einer überraschenden Flexibilität fähig ist, wenn er
überzeugt ist, zum Wohl der Seelen zu handeln.
Man nehme
den sehr aktuellen Fall der Beziehungen zur chinesischen Regierung. Trotz eines
wirklichen Schismas der chinesischen patriotischen Kirche; trotz einer
ununterbrochenen Verfolgung der sogenannten Untergrundkirche, die Rom treu
geblieben ist; trotz regelmäßig erneuerter und vom chinesischen Staat
gebrochener Abkommen – im Jahr 2023 hat Papst Franziskus nachträglich die
Ernennung des Bischofs von Shanghai durch die chinesischen Behörden gebilligt.
In jüngerer Zeit hat auch Papst Leo XIV. nachträglich die Ernennung des
Bischofs von Xinxiang akzeptiert, der während der Vakanz des Apostolischen
Stuhles in gleicher Weise ernannt worden war, obwohl der Rom treu gebliebene
Bischof, der mehrfach inhaftiert worden war, noch im Amt war. In beiden Fällen
handelt es sich offenkundig um regierungsfreundliche Prälaten, die von Peking
einseitig eingesetzt wurden, um die katholische Kirche in China zu
kontrollieren. Man beachte, dass es sich hierbei nicht um bloße Weihbischöfe
handelt, sondern um Ortsbischöfe, das heißt um ordentliche Hirten ihrer
jeweiligen Diözese (oder Präfektur) mit Jurisdiktion über die örtlichen
Priester und Gläubigen. In Rom weiß man sehr genau, zu welchem Zweck diese
Hirten ausgewählt und einseitig eingesetzt worden sind.
„Die
Priesterbruderschaft St. Pius X. erstrebt nichts anderes als dies: das Wohl der
Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.“
Der Fall der
Bruderschaft ist grundverschieden: Es geht für uns keineswegs darum, eine
kommunistische oder antichristliche Macht zu begünstigen, sondern einzig darum,
in einer Zeit allgemeiner Krise und Verwirrung die Rechte des Christkönigs und
die Tradition der Kirche zu bewahren, die schwer beeinträchtigt sind. Die
Absichten und Zielsetzungen sind offensichtlich nicht dieselben. Der Papst weiß
das. Zudem weiß der Heilige Vater sehr wohl, dass die Bruderschaft in keiner
Weise beabsichtigt, ihren Bischöfen irgendeine Jurisdiktion zu verleihen, was
der Errichtung einer Parallelkirche gleichkäme.
Ehrlich
gesagt sehe ich nicht, wie der Papst von Seiten der Bruderschaft eine größere
Gefahr für die Seelen befürchten könnte als von Seiten der Regierung von
Peking.
FSSPX. Aktuell: Halten
Sie es für möglich, dass hinsichtlich der traditionellen Messe die
Notwendigkeit für die Seelen heute ebenso schwerwiegend ist wie 1988? Nach dem
bekannten Auf und Ab des Ritus des heiligen Papstes Pius V. – seiner Freigabe
durch Benedikt XVI. im Jahr 2007 und den von Franziskus im Jahr 2021 verhängten
Einschränkungen – in welche Richtung geht es mit dem neuen Papst?
Soweit mir
bekannt ist, hat Papst Leo XIV. in dieser Frage eine gewisse Zurückhaltung
bewahrt, die in der konservativen Welt große Erwartungen geweckt hat. Vor
Kurzem jedoch wurde ein Text von Kardinal Roche zur Liturgie veröffentlicht,
der ursprünglich für die Kardinäle bestimmt war, die am Konsistorium des
vergangenen Monats teilgenommen haben. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln,
dass dieser Text in seinen Grundlinien der vom Papst gewünschten Ausrichtung
entspricht. Es handelt sich um einen sehr klaren und vor allem logischen und
kohärenten Text. Leider stützt er sich auf eine falsche Prämisse.
Konkret
verurteilt dieser Text in vollkommener Kontinuität mit Traditionis
custodes das liturgische Projekt von Papst Benedikt XVI. Nach dessen
Auffassung sollten der alte und der neue Ritus zwei ungefähr gleichwertige
Formen sein, die jedenfalls denselben Glauben und dieselbe Ekklesiologie zum
Ausdruck bringen und sich folglich gegenseitig bereichern könnten. Um die
Einheit der Kirche besorgt, lag es Benedikt XVI. daher am Herzen, das
Nebeneinanderbestehen beider Riten zu fördern, und er veröffentlichte 2007 Summorum
Pontificum. Für viele erwies sich dies providentiell als eine Wiederentdeckung
der Messe aller Zeiten; auf längere Sicht jedoch rief es auch eine Bewegung
hervor, die den neuen Ritus in Frage stellte – eine Bewegung, die als
problematisch erachtet wurde und die Traditionis custodes im Jahr
2021 einzudämmen suchte.
Papst
Franziskus treu verbunden, tritt Kardinal Roche seinerseits für die Einheit der
Kirche ein, jedoch nach einer Vorstellung und mit Mitteln, die denen Benedikts
XVI. diametral entgegengesetzt sind: Während er an der Behauptung einer
Kontinuität von einem Ritus zum anderen durch die Reform festhält, lehnt er
deren Koexistenz entschieden ab. Er sieht darin eine Quelle der Spaltung, eine
Bedrohung für die Einheit, die durch eine Rückkehr zu einer authentischen
liturgischen Gemeinschaft überwunden werden müsse: „Das vorrangige Gut der
Einheit der Kirche wird nicht durch das Einfrieren von Spaltungen erreicht,
sondern indem wir uns im Teilen dessen wiederfinden, was nur geteilt werden
kann.“ In der Kirche, so fügt er hinzu, „soll es nur einen einzigen Ritus
geben“, in voller Übereinstimmung mit dem wahren Sinn der Tradition.
Dies ist ein
gerechter und kohärenter Grundsatz, denn da die Kirche nur einen Glauben und
nur eine Ekklesiologie besitzt, kann sie auch nur eine Liturgie haben, die
diese angemessen zum Ausdruck bringt… Doch es ist ein falsch angewandter
Grundsatz. Denn in Übereinstimmung mit der neuen nachkonziliaren Ekklesiologie
begreift Kardinal Roche die Tradition als etwas Evolutives und den neuen Ritus
als ihre einzige lebendige Ausdrucksform für unsere Zeit. Der Wert des
tridentinischen Ritus kann daher nur als überholt angesehen werden, und seine
Verwendung ist höchstens ein „Zugeständnis“, „keineswegs eine Förderung“.
Dass es also
eine „Spaltung“ und eine gegenwärtige Unvereinbarkeit zwischen den beiden Riten
gibt, das wird damit immer deutlicher. Doch man täusche sich nicht: Die einzige
Liturgie, welche die traditionelle Auffassung von Kirche, christlichem Leben
und katholischem Priestertum in angemessener, unveränderlicher und nicht
evolutiver Weise zum Ausdruck bringt, ist die Liturgie aller Zeiten. In diesem
Punkt erscheint der Widerstand des Heiligen Stuhles mehr denn je endgültig.
FSSPX. Aktuell: Kardinal
Roche räumt immerhin ein, dass es bei der Umsetzung der Liturgiereform noch
gewisse Probleme gibt. Glauben Sie, dass dies zu einem Bewusstsein für die
Grenzen dieser Reform führen könnte?
Es ist
bemerkenswert, dass man nach sechzig Jahren noch immer eine wirkliche
Schwierigkeit bei der Umsetzung der Liturgiereform eingesteht, deren Reichtum
es erst noch zu entdecken gelte. Dies ist ein Refrain, den man seit jeher hört,
sobald dieses Thema zur Sprache kommt, und den auch der Text von Kardinal Roche
nicht ausspart. Doch anstatt sich ehrlich über die inneren Mängel der neuen
Messe und damit über das generelle Scheitern dieser Reform Gedanken zu machen;
anstatt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass sich die Kirchen leeren und die
Berufungen zurückgehen; anstatt sich zu fragen, warum der tridentinische Ritus
weiterhin so viele Seelen anzieht, sieht Kardinal Roche als einzige Lösung
lediglich eine dringende vorherige Ausbildung der Gläubigen und der
Seminaristen.
Ohne es zu
bemerken, gerät er damit in einen Teufelskreis: Denn die Liturgie selbst ist
dazu bestimmt, die Seelen zu formen. Fast zwei Jahrtausende lang sind die
Seelen, oft Analphabeten, durch die Liturgie selbst erbaut und geheiligt
worden, ohne dass es irgendeiner vorherigen Ausbildung bedurft hätte. Die
intrinsische Unfähigkeit des Novus Ordo, die Seelen zu erbauen, nicht
anzuerkennen und stattdessen eine noch bessere Ausbildung zu fordern, erscheint
mir als Zeichen einer unheilbaren Blindheit. So gelangt man zu erschütternden
Paradoxien: Die Reform wurde gewollt, um die Teilnahme der Gläubigen zu
fördern, nun aber haben diese die Kirche in Scharen verlassen, weil diese fade
Liturgie sie nicht zu nähren vermochte. Und das soll nichts mit der Reform selbst
zu tun haben!
FSSPX. Aktuell: Heute
profitieren in vielen Ländern Gruppen außerhalb der Bruderschaft weiterhin vom
Gebrauch des Messbuches von 1962. Solche Möglichkeiten bestanden 1988 kaum.
Wäre dies nicht vorerst eine ausreichende Alternative, die neue Bischofsweihen
verfrüht erscheinen ließe?
Die Frage,
die wir uns stellen müssen, lautet: Entsprechen diese Möglichkeiten dem, was
die Kirche und die Seelen brauchen? Sind sie eine ausreichende Antwort auf die
Not der Seelen?
Es ist
unbestreitbar, dass überall dort, wo die traditionelle Messe gefeiert wird, der
wahre Ritus der Kirche ausstrahlt – mit jenem tiefen Sinn für das Sakrale, der
im neuen Ritus nicht zu finden ist. Doch man kann von dem Rahmen, in dem diese
Messfeiern stattfinden, nicht abstrahieren. Unabhängig vom guten Willen der
einen oder der anderen scheint der Rahmen klar zu sein, insbesondere seit Traditionis
custodes, bestätigt durch Kardinal Roche: Es handelt sich um den Rahmen einer
Kirche, in der der einzige offizielle „normale“ Ritus derjenige Pauls VI. ist.
Die Feier des Ritus aller Zeiten unterliegt folglich einer Ausnahmeregelung:
Den Anhängern dieses Ritus werden aus reinem Wohlwollen Ausnahmegenehmigungen
gewährt, die ihnen seine Feier erlauben. Diese fügen sich jedoch in eine Logik
ein, die der neuen Ekklesiologie entspricht. Sie setzen daher voraus, dass die
neue Liturgie weiterhin das Kriterium der Frömmigkeit der Gläubigen und der
authentische Ausdruck des kirchlichen Lebens bleibt.
FSSPX. Aktuell: Warum
sagen Sie, dass man von diesem Ausnahmerahmen nicht abstrahieren kann? Wird
nicht dennoch Gutes gewirkt? Welche konkreten Folgen wären zu beklagen?
Aus dieser
Situation ergeben sich mindestens drei unheilvolle Konsequenzen. Die
unmittelbarste ist eine tiefe strukturelle Instabilität. Priester und Gläubige,
denen durch gewisse Privilegien der Gebrauch der tridentinischen Liturgie
erlaubt ist, leben in der Angst vor dem folgenden Tag: Ein Privileg ist kein
Recht. Solange die Autorität sie duldet, können sie ihre religiöse Praxis ohne
Behelligung ausüben. Sobald jedoch die Autorität bestimmte Anforderungen
stellt, Bedingungen auferlegt oder aus dem einen oder anderen Grund plötzlich
die erteilten Erlaubnisse widerruft, finden sich Priester und Gläubige in einer
Konfliktsituation wieder, ohne irgendein Mittel, sich zu verteidigen, um
wirksam die traditionellen Heilsmittel sicherzustellen, auf die die Seelen ein
Recht haben. Wie lassen sich solche Gewissenskonflikte auf Dauer vermeiden,
wenn von zwei unvereinbaren Auffassungen vom kirchlichen Leben, verkörpert in
zwei unvereinbaren Liturgien, die eine volle Anerkennung genießt, während die
andere lediglich geduldet wird?
Zweitens –
und das ist zweifellos schwerwiegender – wird der eigentliche Grund für die
Verbundenheit dieser Gruppen mit der tridentinischen Liturgie nicht mehr
verstanden, was die öffentlichen Rechte der Tradition der Kirche und damit das
Wohl der Seelen ernsthaft gefährdet. Wenn nämlich die Messe aller Zeiten
akzeptieren kann, dass die moderne Messe in der ganzen Kirche gefeiert wird,
und wenn sie für sich selbst lediglich ein besonderes Privileg beansprucht, das
an eine Vorliebe oder an ein eigenes Charisma gebunden ist – wie soll man dann
noch verstehen, dass die Messe aller Zeiten der neuen Messe unversöhnlich
gegenübersteht, dass sie die einzige wahre Liturgie der ganzen Kirche bleibt
und dass niemand daran gehindert werden darf, sie zu feiern? Wie kann man
erkennen, dass die Messe Pauls VI. nicht angenommen werden kann, weil sie eine
erhebliche Abweichung von der katholischen Theologie der heiligen Messe
darstellt, und dass niemand gezwungen werden kann, sie zu feiern? Und wie
sollen die Seelen wirksam von dieser vergifteten Liturgie weggeführt werden, um
aus den reinen Quellen der katholischen Liturgie zu schöpfen?
„Die
Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht gewählt
hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben.“
Schließlich
ergibt sich als weitergehende Folge aus den beiden vorhergehenden die
Notwendigkeit, eine fragile Stabilität nicht durch als störend empfundenes
Verhalten zu gefährden, was viele Hirten zu einem erzwungenen Schweigen
verurteilt, wenn sie eigentlich gegen diese oder jene skandalöse Lehre
aufstehen müssten, die Glauben oder Moral verdirbt. Die notwendige Anprangerung
der die Kirche zerstörenden Irrtümer – sie ist zum Wohl der von dieser
vergifteten Nahrung bedrohten Seelen geboten – wird so gelähmt. Man klärt den
einen oder anderen im Privaten auf, sofern man die Schädlichkeit dieses oder
jenes Irrtums überhaupt noch zu erkennen vermag, doch es bleibt ein zaghaftes
Flüstern, in dem die Wahrheit kaum noch mit der erforderlichen Freiheit zum
Ausdruck kommt – vor allem, wenn es den Kampf gegen Prinzipien geht, die man
stillschweigend akzeptiert hat. Auch hier sind es wieder die Seelen, die nicht
mehr erleuchtet werden und denen das Brot der Lehre entzogen wird, nach dem sie
doch hungern. Mit der Zeit verändert dies allmählich die Mentalität und führt
nach und nach zur allgemeinen und unbewussten Annahme der verschiedenen
Reformen, die das kirchliche Leben betreffen. Auch gegenüber diesen Seelen
empfindet die Bruderschaft die Verantwortung, sie zu erleuchten und nicht im
Stich zu lassen.
Es geht
nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen oder über irgendwen zu urteilen,
sondern darum, die Augen zu öffnen und die Tatsachen festzustellen. Nun aber
müssen wir anerkennen, dass die Gruppen, die in den Genuss der traditionellen
Liturgie kommen, keine angemessene Antwort auf die tiefgreifenden Nöte der
Kirche und der Seelen darstellen können, solange deren Gebrauch an die
zumindest implizite Akzeptanz der Konzilsreformen gebunden bleibt. Umgekehrt
muss man – um einen bereits geäußerten Gedanken aufzugreifen – den Katholiken
unserer Zeit eine Wahrheit ohne Abstriche anbieten können, dargeboten ohne
Vorbehalte und mit den Mitteln, sie vollständig zu leben, zum Heil der Seelen
und zum Dienst an der ganzen Kirche.
FSSPX. Aktuell: Glauben
Sie dennoch, dass Rom sich in Zukunft gegenüber der traditionellen Messe
großzügiger zeigen könnte?
Es ist nicht
ausgeschlossen, dass Rom in Zukunft eine offenere Haltung einnehmen könnte, wie
dies bereits 1988 unter ähnlichen Umständen geschah, als das alte Messbuch
bestimmten Gruppen gewährt wurde, um die Gläubigen von der Bruderschaft
abzuziehen. Sollte dies erneut geschehen, wäre es sehr politisch und sehr wenig
der Lehre entsprechend: Das tridentinische Messbuch ist ausschließlich dazu
bestimmt, die göttliche Majestät anzubeten und den Glauben zu nähren; es darf
nicht als Instrument pastoraler Feinjustierung oder als Ventil zur
Beschwichtigung instrumentalisiert werden.
Doch ein
größeres oder geringeres Entgegenkommen würde nichts an der Schädlichkeit des
oben beschriebenen Rahmens ändern und somit die Situation nicht wesentlich
verändern.
Darüber
hinaus ist das Szenario in Wirklichkeit komplexer: In Rom haben Papst
Franziskus und Kardinal Roche sehr wohl erkannt, dass eine Ausweitung des
Gebrauchs des Messbuches des heiligen Pius V. zwangsläufig eine Infragestellung
der Liturgiereform und des Konzils auslöst, und zwar in einem unerquicklichen
und vor allem unkontrollierbaren Ausmaß. Es ist daher schwer vorherzusehen, was
geschehen wird, doch die Gefahr einer Verstrickung in Logiken, die eher
politisch als lehrmäßig sind, ist real.
FSSPX. Aktuell: Was
möchten Sie den Gläubigen und den Mitgliedern der Bruderschaft besonders sagen?
Ich möchte
ihnen sagen, dass die gegenwärtige Stunde vor allem eine Zeit des Gebetes ist,
der Vorbereitung der Herzen, der Seelen und auch der Geister, um uns der Gnade
zu öffnen, die diese Weihen für die ganze Kirche darstellen. Dies alles in
Sammlung, in Frieden und im Vertrauen auf die Vorsehung, die die Bruderschaft
niemals verlassen hat und sie auch jetzt nicht verlassen wird.
FSSPX. Aktuell: Hoffen
Sie weiterhin, dem Papst begegnen zu können?
Ja, gewiss.
Es erscheint mir äußerst wichtig, mich mit dem Heiligen Vater unterhalten zu
können, und es gibt vieles, was ich ihm gern mitteilen würde, ihm aber nicht
schreiben konnte. Leider sieht die von Kardinal Fernández erhaltene
Antwort keine Audienz beim Papst vor. Stattdessen stellt sie die Androhung
neuer Sanktionen in den Raum.
FSSPX. Aktuell: Was
wird die Bruderschaft tun, wenn der Heilige Stuhl beschließt, sie zu
verurteilen?
Zunächst sei
daran erinnert, dass etwaige kanonische Strafen unter solchen Umständen
keinerlei reale Wirkung hätten.
Sollten sie
dennoch verhängt werden, ist es gewiss, dass die Bruderschaft dieses neue
Leiden ohne Bitterkeit annehmen würde, wie sie die vergangenen Leiden
angenommen hat, und es aufrichtig für das Wohl der Kirche aufopfern würde. Die
Bruderschaft arbeitet für die Kirche. Und sie zweifelt nicht daran, dass eine
solche Situation, sollte sie eintreten, nur vorübergehend sein kann; denn die
Kirche ist göttlich und unser Herr verlässt sie nicht.
Die
Bruderschaft wird daher weiterhin nach Kräften in Treue zur katholischen
Tradition wirken und der Kirche demütig dienen, indem sie auf die Not der
Seelen antwortet. Und sie wird weiterhin kindlich für den Papst beten, wie sie
es immer getan hat – in der Erwartung, eines Tages von diesen möglichen
ungerechten Sanktionen befreit zu werden, wie dies 2009 der Fall war. Wir sind
überzeugt, dass die römischen Autoritäten eines Tages dankbar anerkennen
werden, dass diese Bischofsweihen providentiell dazu beigetragen haben werden,
den Glauben zu bewahren, zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.
Interview, gegeben in Flavigny-sur-Ozerain am 2. Februar 2026, dem Fest Mariä Lichtmess
Am Hauptsitz des Pontifex im Vatikan, in unmittelbarer Nähe zum Apostolischen Palast, befindet sich das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR), gemeinhin bekannt als Vatikanbank. Das „Institut für religiöse Werke“ ist die einzige Einrichtung des Vatikans, die zur Erbringung professioneller Finanzdienstleistungen befugt ist. Nach Eigenangaben verwaltet sie Vermögenswerte im Einklang mit der katholischen Lehre und betreut mehr als 12.000 Kunden aus über 110 Ländern. Zuletzt erwirtschaftete die Vatikanbank einen jährlichen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, der an den Heiligen Stuhl ausgeschüttet wird.
Bis diese Woche leitete der österreichische Kardinal Christoph Schönborn die Kardinalskommission, das oberste Aufsichtsgremium der IOR, das den Aufsichtsrat bestellt und den Generaldirektor der Bank bestätigen muss. Zwölf Jahre lang prägte Schönborn damit die Geschicke des vatikanischen Geldinstituts maßgeblich mit.
Skandalbank
Schönborns Bestellung in die Kardinalskommission kam nicht von ungefähr – er sollte Reformen vorantreiben. Denn seit Jahrzehnten sieht sich der Vatikan mit Skandalen rund um seine Bank konfrontiert, die oft für Schlagzeilen sorgten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bezeichnete das Institut einst als vatikanisches „Offshoreparadies für dunkle Finanzgeschäfte“.
In den 1980er Jahren war die IOR in ein mutmaßliches Mafiageschäft mit dem Mailänder Bankier Roberto Calvi verwickelt. Nachdem dessen Banco Ambrosiano Pleite ging, wurde Calvi unter einer Londoner Brücke an einem Strick hängend aufgefunden.
2009 veröffentlichte der italienische Investigativjournalist Gianluigi Nuzzi Recherchen, die scheinheilige Geschäfte der Vatikanbank belegen sollten: intransparente Bilanzen, anonyme Nummernkonten sowie mutmaßliche Verbindungen zur Geldwäsche für die Mafia.
Die Vatikanbank bemühte sich zeitgleich um Reformen, trotzdem rissen die Vorwürfe nicht ab. 2010 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei 23 Millionen Euro und leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen ranghohe Funktionäre der Einrichtung ein. „Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen“, sagte Schönborn gegenüber der Nachrichtenagentur „Kathpress“ am Dienstag. Bereits Papst Benedikt XVI. habe laut Kirchenbeobachtern versucht, das Institut zu reformieren, letztlich aber nicht die innerkirchliche Unterstützung dafür aufgebracht.
Reformbank
Die Bilanz des scheidenden Präsidenten fällt entsprechend positiv aus. Als Schönborn 2014 von Papst Franziskus in die Kardinalskommission berufen wurde, stand der vatikanische Zahlungsverkehr vor erheblichen Problemen. Die italienische Zentralbank hatte ein Jahr zuvor begonnen, Kartenzahlungen und Bargeldbehebungen in Vatikanstadt zeitweise auszusetzen, da geltende Anti-Geldwäsche-Vorschriften nicht ausreichend umgesetzt wurden. Keine einzige italienische Bank habe damals mit der IOR zusammenarbeiten wollen, schildert Schönborn rückblickend die damalige Lage.
Ob der Vatikan überhaupt eine eigene Bank benötigt, habe sich auch Papst Franziskus zu Beginn seiner Amtszeit gefragt, so Schönborn. Letztlich sei man jedoch zu der Einsicht gelangt, dass ein eigenes Finanzinstitut für die vielfältigen Aufgaben des Vatikans sinnvoll sei. Die Vatikanbank sei zwar klein, „aber sie liegt halt im Vatikan – und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß“.
Auf Christoph Schönborn folgt der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi als neuer Präsident der Kommission. Als neues Mitglied des Gremiums berief Papst Leo XIV. zu Jahresanfang den spanischen Kardinal Ángel Fernández Artime.
Papst Leo XIV. forderte ein Ende des Krieges, den die Menschheit gegen sich selbst führe. Nur wer sich um die Kleinsten kümmere, könne wirklich Großes leisten.
Papst Leo XIV. hat Abtreibung als „größten Zerstörer des Friedens“ bezeichnet. Bei einer Audienz am Samstag im Vatikan zitierte das Oberhaupt der katholischen Kirche diese Worte der heiliggesprochenen Mutter Teresa (1910 – 1997) vor jungen Politikern.
Die Stimme der Friedensnobelpreisträgerin sei heute noch prophetisch, so der Papst. „Keine Politik kann sich in den Dienst der Völker stellen, wenn sie diejenigen, die zur Welt kommen wollen, vom Leben ausschließt, wenn sie denen nicht hilft, die in materieller und spiritueller Not sind.“
Predigt von Pater Davide Pagliarani, dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., vom 2. Februar 2026 im Seminar St.-Curé-d’Ars
Liebe Mitbrüder, liebe Seminaristen, liebe Schwestern und liebe Gläubige,
was für eine Freude, die Soutanen von zweiundzwanzig neuen Seminaristen segnen zu dürfen – an diesem gesegneten Tag, an dem unser Herr zum ersten Mal zum Tempel, zu seinem Altar geht, um äußerlich die Hingabe seiner selbst, seines Lebens zu bekunden: „Hier bin ich, um deinen Willen zu tun. Das ist der Grund, warum ich Mensch geworden bin und heute offenbare ich mich.“
So weit wie möglich müssen diese vollkommenen Gesinnungen Unseres Herrn auch die Gesinnungen eines jungen Mannes sein, der sein Leben Unserem Herrn weihen möchte, um eines Tages zum Altar emporzusteigen.
Welch schönes Beispiel! Es ist das Vorbild, dem wir unser ganzes Leben lang folgen sollen. Und dies geschieht in Einheit: in Einheit mit Unserer Lieben Frau und in Einheit mit Unserem Herrn. Unsere Liebe Frau, die Unbefleckte, die allzeit reine Jungfrau, unterwirft sich dem Ritus der Reinigung gemäß dem Gesetz des Moses. Niemals war oder wird ein Geschöpf so rein sein wie die allerseligste Jungfrau, doch aus Demut unterwirft sie sich diesem Ritus. Und man bringt zwei Tauben als Opfergabe, eine für das Brandopfer und eine für das Sündopfer; und sie wird gereinigt. Dies war die Opfergabe der Armen.
Unser Herr selbst wird losgekauft, weil er als Erstgeborener Gott gehörte, und er wird durch die Zahlung einer kleinen Summe von fünf Schekel, fünf Münzen, losgekauft. Er, der selbst der Erlöser und der Preis für unsere Erlösung war, akzeptiert es, durch einige Münzen losgekauft zu werden. Welche Demut! Er war streng genommen nicht verpflichtet, für diesen Ritus nach Jerusalem zu gehen. Juden, die weit entfernt wohnten, konnten dies durch einen Bevollmächtigten tun lassen. Aber die Heilige Familie will das Gesetz aus Gehorsam erfüllen.
Was für ein großartiges Beispiel! Schon jetzt zeigt sich Unser Herr als gehorsam; gehorsam bis zum Tode. Wir kennen die Vollkommenheit seiner inneren Haltung. Er ist schon bereit, alles für unsere Erlösung hinzugeben um den Gehorsam gegenüber seinem Vater zu erfüllen, um dessen Willen zu erfüllen. In diesem Kontext der bereits vollkommenen Aufopferung haben wir ein Vorspiel des Kreuzes, des Leidens.
Unser Herr kann uns nicht gleichgültig lassen
In dieser Szene, die so einfach und scheinbar so gewöhnlich ist, aber in den Augen Gottes so einzigartig, weil dort die Erlösung bereits begonnen hat – in dieser Szene erscheint Simeon. Der alte Mann ergreift das Wort und seine Rede besteht aus zwei gegensätzlichen Teilen. Zunächst die Freude – die Freude, Unseren Herrn zu sehen, ihn in die Arme zu schließen. Eine Freude, die dem Verlangen entspricht, das er bis zu diesem Tag gehabt hat. „Ich habe ihn gesehen, endlich habe ich den Retter gesehen, die Erlösung Israels, ich habe ihn gesehen!“
In der Ewigkeit werden wir nichts anderes tun, als das zu betrachten, was Simeon während diesen Augenblicken in seinen Armen betrachtete: das Heil, den Erlöser, der seit jeher von der göttlichen Vorsehung bereitet war. Die Menschwerdung war, wenn man so sagen darf, im Geiste Gottes für alle Völker bestimmt – ante faciem omnium populorum, lumen ad revelationem gentium:
Er ist der einzige Retter
Er ist der einzige Retter, der allen Völkern und allen Rassen ohne Unterschied geschenkt und angeboten wird. Welche Freude! Welche Freude in den Augen und Worten dieses Greises: dieses Licht, um die Wahrheit zu lehren, den einzigen Weg des Heils.
Nun, diese Freude Simeons, dieses Licht, wird plötzlich unterbrochen durch eine Ankündigung an die Muttergottes und den Heiligen Josef. Er wendet sich ihnen zu, segnet sie und sagt ihnen in ganz anderem Tonfall etwas, das natürlich mit dem Vorhergehenden zusammenhängt. Was sagt er ihnen konkret? Er sagt ihnen, dass die Erlösung der Menschheit durch dieses Kind geschehen wird – unter Leiden, am Kreuz und durch die Passion. Dieses Kind wird ein Zeichen des Widerspruchs sein. Das ist eine sehr schöne Definition Unseres Herrn. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs.
Was bedeutet das in einer etwas moderneren Sprache? Es bedeutet, dass Unser Herr nichts verbirgt. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs. Unser Herr bekräftigt die Wahrheit. Er offenbart sie durch sein Wort und bestätigt sie durch seine Wunder. Er bietet sie an und sagt klar und deutlich, dass dies der einzige Weg zum Heil ist. Es gibt keinen anderen. Warum sagt er das? Weil er die Seelen nicht täuschen kann. Er ist nicht in diese Welt gekommen, um die Seelen zu täuschen. Er ist gekommen, um sie zu retten. Er offenbart die Wahrheit. Er wird verfolgt werden. Und auch diejenigen, die ihm folgen, werden ein Zeichen des Widerspruchs sein. Man muss sich entscheiden. Man kann Unserem Herrn gegenüber nicht gleichgültig bleiben. Man kann der Erlösung gegenüber nicht gleichgültig bleiben.
Wer gleichgültig bleibt, hat Unseren Herrn abgelehnt
Wer gleichgültig bleibt, hat sich bereits für eine Seite entschieden.
Simeon sagt das ganz klar. Was sagt er in seiner Prophezeiung? Er sagt: All dies, diese Offenbarungen Unseres Herrn in seiner Erlösung, all dies wird geschehen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Was bedeutet das? In welchem Sinne werden die Gedanken der Herzen der Menschen offenbar werden? – In dem Sinne, dass niemand gegenüber Unserem Herrn wirklich gleichgültig bleiben kann. Man muss sich entscheiden. Das ist ein Zeichen des Widerspruchs. Und Unser Herr selbst wird eines Tages sagen: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“
Und diese Offenbarung des Geheimnisses der Erlösung, die durch die Leiden Unseres Herrn erfolgen wird, wird von einem weiteren Leiden begleitet sein. Gott wollte, dass die Muttergottes an diesem Werk beteiligt ist. Und dass die Rolle der Muttergottes an der Seite Unseres Herrn gleichzeitig mit der Rolle Unseres Herrn den Menschen offenbart wird. Simon wendet sich Maria mit den Worten zu: „Ein Schwert des Schmerzes wird dein Herz durchbohren. Deine Seele wird von einem Schwert durchdrungen werden.“ Welch ein Geheimnis verbirgt sich hinter diesen Worten! Ein Geheimnis, das wir ergründen können, ein Geheimnis, das der Kirche sehr am Herzen liegt. Es ist das Geheimnis der Miterlösung, der Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk Unseres Herrn.
Die Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk der Erlösung
Hier versteht man gut, warum der Engel die Zustimmung der allerseligsten Jungfrau, ihr „Fiat“, erbeten hat. Maria verstand sehr wohl, dass Mutter Gottes zu werden bedeutet, Mutter eines leidenden Gottes, eines erlösenden Gottes, eines leidenden Messias zu werden, wie er im Alten Testament beschrieben worden war. Und sie sagte: „Ja, ich nehme es an. Wenn es Gottes Wille ist, stimme ich zu.“ Gott wird zu einem ganz bestimmten Zweck Mensch. Und Unsere Liebe Frau wusste das. Vor allem dies akzeptiert sie. Aber warum? Warum wollte Gott in seiner göttlichen Weisheit Unsere Liebe Frau auf diese Weise mit dem Leiden Unseres Herrn verbinden? Warum?
Weil Unser Herr die Seelen rettet, aber von jeder Seele ihre eigene Mitarbeit verlangt. Er verlangt von jedem seine Zustimmung zum Glauben, seinen Anteil am Leiden. Und Unsere Liebe Frau, die schon vor ihrer Empfängnis vor der Erbsünde bewahrt worden war, war in gewisser Weise die am vollkommensten Erlöste – einzigartig, niemals von der Sünde berührt. Und folgerichtig hat Gott von Unserer Lieben Frau eine Mitwirkung am Werk der Erlösung verlangt, die ihrer Heiligkeit entsprach. Was für ein Geheimnis! Das ist eine zutiefst christliche, zutiefst katholische Sichtweise der allerseligsten Jungfrau Maria. Gott will die Mitwirkung seines Geschöpfes und hat Unsere Liebe Frau zum Prototyp dieser Mitwirkung gemacht.
Davon sieht man nichts im Protestantismus, der jede Mitwirkung verneint: Es ist allein Gott, der die Vorherbestimmten rettet. Das ist die Theologie Luthers. Und was suchen die Protestanten folglich? Da diese Mitwirkung nicht notwendig ist, was suchen die Protestanten logischerweise? Sie lehnen das religiöse Leben, die Kasteiungen, die Messe ab, weil die Heilige Messe nach protestantischer Auffassung eine Anstrengung, eine menschliche Mitarbeit an einem Werk ist, das nur göttlich ist. Sie lehnen die Verehrung der Heiligen ab, weil man keinen Fürsprecher, keinen Vermittler braucht. Und vor allem lehnen sie die Verehrung der Muttergottes ab. Das ist schrecklich. Das bedeutet, in gewisser Weise die Erlösung zu zerstören, wie Gott sie gewollt hat. Aber es ist logisch.
Und man muss sagen: Der Modernismus hat auf einer anderen Ebene, auf eine andere Weise dasselbe getan. Ohne es zu leugnen, entstellt der Modernismus all dies. Hinter dem unangebrachten Schutzschild eines falsch verstandenen Christozentrismus, d. h. der falschen Angst, Unserem Herrn seine zentrale Stellung zu nehmen, schmälert auch der Modernismus all dies, schmälert die menschliche Mitwirkung, die Anstrengungen, die Abtötungen. Das religiöse Leben wird nicht mehr verstanden, die Messe wird ganz anders verstanden, und Unsere Liebe Frau auch. Sie wird gewissermaßen beiseitegeschoben, mitsamt dieser Rolle, die sie beim Erlösungswerk innehat, dieser zentralen Rolle. Das ist erschütternd!
Wenn man ein wunderschönes Gemälde hat: Was tut man, um es zur Geltung zu bringen? – Man versucht, einen Rahmen zu finden, der diesem Gemälde würdig ist. Und genau das hat Gott mit der allerseligsten Jungfrau gemacht. Das wunderschöne Gemälde der Erlösung wird von der Miterlösung, von der Muttergottes selbst eingerahmt. Was für eine Weisheit! Und jetzt sagt man uns, man müsse diesen Rahmen entfernen, um die Schönheit des Gemäldes nicht zu verlieren, sondern besser würdigen zu können.
Die Muttergottes begleitet Unseren Herrn in seinem Leiden
Dreimal begleitet die allerseligste Jungfrau Unseren Herrn nach Jerusalem. Heute, am Fest der Darstellung im Tempel, der Reinigung Mariens, wird die erste Reise der Jungfrau mit Jesus nach Jerusalem begangen. Bei zwei weiteren Gelegenheiten begleitet die Muttergottes ihn, und diese drei Episoden sind miteinander verbunden, sie liegen auf derselben Achse. Sie haben einen gemeinsamen Nenner.
Heute, bei seiner Darstellung im Tempel, bietet Jesus dem Vater seine ganze Existenz an. Mit zwölf Jahren wird er, erneut begleitet von der allerseligsten Jungfrau, dem Vater seine Weisheit anbieten. Das dritte Mal wird auf Golgatha sein: Jesus wird dann von seiner Mutter begleitet, um dem Vater erneut sein eigenes Leben, seinen Leib und sein Blut darzubringen.
Was haben diese drei so unterschiedlichen Episoden gemeinsam und warum ist die allerseligste Jungfrau immer dabei? Sie begleitet Unseren Herrn dreimal in Schmerz und Leid.
Das erste Mal am heutigen 2. Februar: Die Ankündigung Simeons: „Ein Schwert wird dein Herz durchdringen.“ Mit zwölf Jahren begleitet sie ihn erneut zum Tempel. Und wieder ein tiefer Schmerz: den Herrn verloren zu haben; das ist die unvorstellbarste Prüfung für Maria. Das dritte Mal begleitet sie ihn erneut in seinen Schmerzen; im Leiden auf Golgatha.
Aber warum muss sie es jedes Mal in Schmerzen tun, wenn sie ihn begleitet? – Weil sie Miterlöserin ist, weil sie systematisch an der Passion Unseres Herrn teilnimmt. Sie bereitet diese mit Unserem Herrn vor: Die Passion Unseres Herrn ist auch ihre Passion. Das ist offensichtlich.
Und was ist die Folge dieser Wahrheit, die im Evangelium steht (es ist keine Erfindung)? Was ist die Konsequenz daraus?
Es ist diese: Genauso wie Maria während des gesamten Lebens Unseres Herrn gegenwärtig ist und ihm in seinem Leiden folgt – in allem, was sein Leiden vorbereitete und sich darauf bezog –, so ist Maria konsequenterweise auch weiterhin die Gefährtin Unseres Herrn. Sie spendet die Gnaden, die die Frucht der Passion sind, die auch die ihre war und an der sie seit heute, seit der Verkündigung Simeons, teilhat.
Welch großes Geheimnis verbirgt sich in diesem Schwert!
Eine letzte Überlegung. Wie konnte Unsere Liebe Frau ihren Sohn – und einen solchen Sohn – opfern? Man kann verstehen, dass sie sich selbst, ihre Existenz, ihre Jungfräulichkeit Gott darbrachte. Aber einen solchen Sohn? Wie konnte sie ihn opfern? Diesen Sohn, jungfräulich empfangen, jungfräulich geboren, dessen einzige Mutter sie war? Die menschliche Natur Unseres Herrn stammt vollständig von Maria. Aus ihrem unbefleckten Fleisch und Blut wurde die Menschheit Unseres Herrn gebildet. Logischerweise ist er der vollkommene Sohn, den sie anbetet. Wie konnte sie ihn opfern? Wie konnte sie „Ja” sagen? Nicht nur „Ich sage Ja und bleibe in Nazareth“, sondern „Ich sage Ja und begleite ihn, ich sage Ja aus Überzeugung.“ Wie konnte sie das tun? Wie lässt sich das erklären?
Die Antwort ist ganz einfach: Maria tat es aus Liebe zu uns
Das ist keine Fabelei! Das ist das Evangelium. Werden wir diese Lehre aufgeben? Werden wir dieses Schwert vergessen, welches das Herz Unserer Lieben Frau durchbohrt? Werden wir vergessen, was es bedeutet? Werden wir vergessen, was Unsere Liebe Frau am Fuße des Kreuzes getan hat? Werden wir die Miterlösung vergessen?
Auf keinen Fall – das ist unser Glaube. Das ist der Kern unseres Glaubens. Das ist das Kostbarste, was wir haben.
Am Tag des Gerichts wird Unser Herr uns seine Wunden zeigen und jeden Menschen fragen:
„Was hast du mit meinen Wunden gemacht, was hast du mit meinem Leiden gemacht? Hast du Zuflucht in meiner Seite gesucht oder hast du die Welt vorgezogen? Was hast du mit meinem am Kreuz vergossenen Blut gemacht? Was hast du mit der heiligen Eucharistie gemacht? Was hast du mit meiner Gnade gemacht?“
Und Er wird uns auch eine letzte Frage stellen:
„Was hast du mit meiner Mutter gemacht?
Ich hatte nichts mehr, ich war aller Dinge beraubt, von allen verlassen, ich hatte keinen Tropfen Blut mehr in meinem Leib. Ich hatte nur noch meine Mutter bei mir – und nicht irgendeine Mutter, sondern eine Mutter, die ich vorbereitet hatte, eine unbefleckte Mutter, eine Mutter voller Gnade, die Mutter Gottes. Ich hatte sie für mich vorbereitet, um Mensch zu werden, um in diese Welt zu kommen. Eine Mutter, die mich von der Darstellung im Tempel bis zum Kreuz begleitet hat. In meinem Handeln hat sie mich nie verlassen. Ich hatte nur noch sie. Und ich habe sie dir geschenkt, damit sie in deiner Seele weiterhin etwas von meinen Zügen formen kann, etwas, was mir auf die eine oder andere Weise ähnlich ist. Ich habe dir meine Mutter geschenkt. Was hast du mit meiner Mutter gemacht? Sie hat dich in mir in der Krippe ohne Schmerzen geboren, umgeben von himmlischen Gesängen, in Armut, aber ohne Schmerzen; sie hat dich am Fuße des Kreuzes geboren. Was hast du mit ihr gemacht? Wann hast du sie gefeiert und geehrt? Hast du sie wirklich wie eine Mutter behandelt?“
Wir können uns dem nicht entziehen. Das ist die Frage, die unser Herr uns stellen wird. Können wir auf diese so schöne und tiefgründige Lehre verzichten, die uns die Liebe Unseres Herrn in überreichem Maße offenbart?
Haben wir etwa Angst, dass die Muttergottes, wenn wir sie als Miterlöserin behandeln, wie sie es verdient, uns vom Geheimnis der Erlösung entfernt, in das sie selbst ganz und gar eingetaucht ist?
Kann ein Christ diese Angst haben? Nein, das ist unzulässig! Kann man die Seelen auf diese Weise täuschen? Das ist unzulässig!
Kann man die Seelen von der Muttergottes entfernen, obwohl ihre Rolle nicht nur darin besteht, uns zu Unserem Herrn zu führen, sondern darüber hinaus Unseren Herrn in unseren Seelen zu formen? Das ist unzulässig!
Bischofsweihen aus Treue zur Kirche und zu den Seelen
Wir glauben, dass es an der Zeit ist, über die Zukunft der Priesterbruderschaft St. Pius X. nachzudenken, über die Zukunft aller Seelen, die wir nicht vergessen dürfen, die wir nicht verlassen dürfen, und vor allem über das Gute, das wir für die Kirche tun können. Und das wirft eine Frage auf, die wir uns schon seit langem stellen und auf die wir heute vielleicht eine Antwort geben müssen.
Sollen wir noch warten, bevor wir daran denken, Bischöfe zu weihen? Wir haben gewartet, gebetet, die Entwicklung der Dinge in der Kirche beobachtet, wir haben um Rat gefragt. Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben, um ihm in aller Einfachheit die Situation der Bruderschaft darzulegen, ihre Bedürfnisse zu erklären und gleichzeitig dem Heiligen Vater unseren einzigen Daseinsgrund zu bestätigen: das Wohl der Seelen.
Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben: Heiliger Vater, wir haben nur eine einzige Absicht, nämlich alle Seelen, die sich an uns wenden, zu wahren Söhnen der römisch-katholischen Kirche zu machen. Wir werden niemals eine andere Absicht haben und wir werden immer an dieser Absicht festhalten. Und das Wohl der Seelen entspricht dem Wohl der Kirche.
Die Kirche existiert nicht in den Wolken – Die Kirche existiert in den Seelen
Es sind die Seelen, welche die Kirche bilden. Und wenn man die Kirche liebt, dann liebt man die Seelen; man will ihr Heil und man will alles tun, um ihnen die Mittel zu ihrem Heil anzubieten. Deshalb haben wir den Heiligen Vater gebeten, diese ganz besondere Situation der Priesterbruderschaft zu verstehen und ihr die Mittel zu geben, dieses Werk in einer Situation fortzusetzen, die außergewöhnlich ist – das erkennen wir an.
Aber dieses Werk hat – noch einmal – kein anderes Ziel, als die Tradition zum Wohl der Seelen zu bewahren.
Nun, diese Gründe scheinen leider nicht zu interessieren, nicht überzeugend zu sein. Sagen wir es so: Diese Gründe haben beim Heiligen Stuhl momentan keine offene Tür gefunden. Wir bedauern das sehr. Aber was sollen wir nun tun? Sollen wir die Seelen im Stich lassen? Sollen wir ihnen sagen, es sei letztlich nicht notwendig, dass die Bruderschaft ihr Werk fortsetzt? Es sei letztendlich alles mehr oder weniger in Ordnung – mit anderen Worten: es gebe in der Kirche keinen Notstand mehr, der unser Apostolat, unsere Existenz rechtfertigen würde, um der Kirche zu helfen (nicht um sie herauszufordern, niemals!)?
Wir sind hier, um der Kirche zu dienen. Und wir dienen der Kirche, indem wir den Glauben verkünden und den Seelen die Wahrheit sagen – und nicht, indem wir den Seelen Fabeleien erzählen.
Können wir den Seelen sagen, dass trotz allem alles gut ist? Nein! Das würde bedeuten, die Seelen zu verraten. Und die Seelen zu verraten, hieße, die Kirche zu verraten. Das können wir nicht tun.
Der 1. Juli, das Fest des Kostbaren Blutes Unseres Herrn
Wir denken, dass der 1. Juli ein gutes, ja ideales Datum sein könnte, denn es ist das Fest der Erlösung. Nichts anderes interessiert uns. Das Kostbarste, was wir haben, ist das Blut Unseres Herrn, das am Kreuz, am Kreuzesholz aus seinen Füßen fließt. Es wurde zuerst von der Muttergottes zu Füßen des Kreuzes angebetet, und wir beten es weiterhin zu Füßen des Altars an. Das ist das Einzige, was uns interessiert, das Einzige, was wir den Seelen geben wollen.
Die Seelen haben ein Recht darauf, es ist kein Privileg, die Seelen haben ein Recht darauf. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.
In den nächsten Tagen werden wir Ihnen natürlich weitere Informationen und Erklärungen zukommen lassen. Man muss gut verstehen, warum. Man muss die Tragweite gut verstehen, das ist von entscheidender Bedeutung. Aber gleichzeitig muss man dies im Gebet verstehen. Es reicht nicht aus, den Verstand vorzubereiten. Ich würde sagen, ein bloß apologetischer Ansatz reicht dafür nicht aus. Wir müssen unsere Herzen vorbereiten, das ist eine Gnade. Es ist eine Gnade, und wir müssen an dieser Gnade festhalten. Wir müssen dem Lieben Gott danken, wir müssen uns vorbereiten. Bischofsweihen, ja! Bischofskonsekrationen – noch einmal! Nicht um der Kirche zu trotzen, es ist kein Trotz.
Ich füge noch eine letzte Überlegung hinzu:
Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Entscheidung. Ich übernehme sie zunächst vor Gott, ich übernehme sie vor der allerseligsten Jungfrau, vor dem Heiligen Pius X., ich übernehme sie vor dem Papst. Ich würde gerne vor dem 1. Juli den Papst treffen. Ich würde ihm gerne unsere wahren, tiefen Absichten erklären, unsere Verbundenheit mit der Kirche, damit er es weiß, damit er es versteht. Und ich übernehme diese Verantwortung natürlich vor der Kirche. Und vor der Bruderschaft, allen Mitgliedern der Bruderschaft und – ich wiederhole es noch einmal – vor allen Seelen, die sich auf die eine oder andere Weise an uns wenden, uns jetzt oder in Zukunft um Hilfe bitten – all diesen Seelen, all diesen Berufungen, die uns die Vorsehung gesandt hat und weiterhin sendet. Ich übernehme diese Verantwortung auch vor diesen Seelen – vor jeder einzelnen, denn eine Seele hat einen unendlichen Wert.
In der Kirche ist das Heil der Seelen
Und in der Kirche ist – vergessen Sie das niemals – das Heil der Seelen, das Gesetz der Gesetze, das Gesetz, das über allen anderen steht.
Nicht das Geschwätz ist das Gesetz, nicht die Synode, nicht die Ökumene, nicht die liturgischen Experimente, nicht die neuen Ideen, nicht die neuen Evangelisierungen, sondern das Heil der Seelen. Das ist das Gesetz aller Gesetze. Und wir haben – jeder an seinem Platz – die Pflicht, dieses Gesetz zu befolgen und uns ganz dafür einzusetzen.
Warum? Und damit komme ich zum Schluss: Heute lehren uns nämlich Unsere Liebe Frau und Unser Herr, dass sie während ihres Erdendaseins keine andere Idee, kein anderes Ziel hatten, als die Seelen zu retten.
Und wie gesagt, auf die eine oder andere Weise muss jeder von uns entsprechend seinen Talenten und seiner Stellung alles tun, was er kann, muss seinen Beitrag leisten, um seine eigene Seele und die der anderen zu retten. Amen.
Pater Louis-Marie de Blignières hat den Kardinälen am Vorabend des Konsistoriums vom 7. und 8. Januar 2026 einen Brief geschickt, in dem er ihnen einen „Weg“ für den traditionellen Ritus vorschlägt.
Erzbischof Marcel Lefebvre brachte eine grundlegende Überzeugung zum Ausdruck: Der Schutz der Liturgie ist untrennbar mit der Wahrheit des Glaubens verbunden. Dreißig Jahre später zeigt sich die Frucht dieser kompromisslosen Haltung in der anhaltenden Vitalität der traditionellen hl. Messe, in einem lebendigen und wachsendem Glaubensleben der Gemeinden dort, wo sie treu bewahrt wurde.
Ein Kompromiss bleibt stets ein Kompromiss: Er mag kurzfristig scheinbaren Schutz bieten, kann aber auf Dauer nicht bestehen. Die katholische überlieferte hl. Messe bedarf keiner „Sonderregelung“, sondern der uneingeschränkten Anerkennung dessen, was sie ist.
Angst ist kein guter Ratgeber
Hinter den höflichen Formulierungen über „Dialog“ und „stabilen pastoralen Rahmen“ verbirgt sich eine viel härtere Realität. Es geht darum, Rom um die Einrichtung einer Sondergerichtsbarkeit für die sogenannte tridentinische Messe zu bitten, die sich am Modell der Militärordinariate orientiert. Mit anderen Worten: eine persönliche, nicht territoriale Struktur unter der direkten Autorität des Heiligen Stuhls, in der Priester und Gläubige, die dem alten Ritus verbunden sind, zusammengefasst würden.
Der Werdegang von Pater de Blignières, dem Gründer der Bruderschaft Saint-Vincent-Ferrier, verdeutlicht diesen Ansatz. Nach den Weihen von Écône durch Marcel Lefebvre gehörte er 1988 zu denen, die den Dialog mit Rom suchten und zur Einrichtung der Kommission Ecclesia Dei beitrugen. Ziel und Prinzip waren klar. Ein vermeintliches „Schisma“ sollte vermieden werden, im Gegenzug für eine vorläufige Erlaubnis, weiterhin nach den vor der Reform Pauls VI. geltenden liturgischen Büchern zu feiern. Dies jedoch unter der Bedingung, die Legitimität des neuen liturgischen Ordo und des Zweiten Vatikanischen Konzils uneingeschränkt anzuerkennen. Diese Forderung nach der Erlaubnis beruhte auf der Angst vor einem Schisma und dem Streben nach institutioneller Anerkennung.
Ein Modell nach dem Vorbild der Militärordinariate
Der aktuelle Vorschlag steht genau in dieser Kontinuität. Pater Matthieu Raffray (Institut du Bon Pasteur), der mit der Erläuterung seiner Tragweite beauftragt ist, betont in einem Interview mit Diane Montagna, dass es sich weder um eine an Papst Leo XIV. gerichtete Bitte noch um eine Forderung handelt, sondern lediglich um eine den Kardinälen vorgelegte „Arbeitshypothese“.
Das herangezogene Modell ist das der Militärordinariate. Ein Ordinariat ist eine persönliche Gerichtsbarkeit, die dazu dient, einem spezifischen und besonderen pastoralen Bedarf gerecht zu werden.
Die Anwendung dieses Modells auf die traditionelle Liturgie läuft implizit darauf hinaus, sie als besonderen, marginalen Bedarf und nicht als katholische Norm zu qualifizieren. Die vorgeschlagene Gerichtsbarkeit würde sich den Diözesen überlagern, ohne sie zu ersetzen, und „in Abstimmung“ mit den örtlichen Bischöfen arbeiten. Im Klartext: Der traditionelle Ritus würde in einen parallelen Raum verbannt und toleriert, solange er die bestehende Ordnung nicht stört.
Man kann nicht zwei Herren dienen
Die Berufung auf den liturgischen Pluralismus
Dieses Konstrukt beruht auf einer sorgfältig gepflegten doktrinären Verwirrung. Pater de Blignières und seine Anhänger schlagen vor, dass die Lösung in der Anerkennung „zweier unterschiedlicher lateinischer Riten“ bestehen würde: eines alten und eines reformierten Ritus. Diese Idee ist jedoch sowohl Summorum pontificum als auch Traditionis custodes fremd. Benedikt XVI. hat nie zwei römische Riten anerkannt, sondern „zwei Gebräuche eines einzigen römischen Ritus“ (duo usus unici ritus romani). Diese Unterscheidung ist von entscheidender Bedeutung. Es handelte sich keineswegs um einen Pluralismus der Riten, wie er legitimerweise zwischen dem römischen Ritus, dem ambrosianischen Ritus oder dem dominikanischen Ritus besteht, sondern um eine außergewöhnliche pastorale Toleranz, die gewährt wurde, um die „kirchliche Gemeinschaft“ der Gläubigen, die durch die Reform Pauls VI. beunruhigt waren, zu erleichtern.
Diese Kontinuität erklärt übrigens, warum Franziskus diesen außerordentlichen Brauch ohne innere Inkohärenz des Systems einschränken und dann marginalisieren konnte. Sobald man zugesteht, dass das Messbuch von Paul VI. der normale, gewöhnliche und normative Ausdruck des einzigen römischen Ritus ist, kann das traditionelle Messbuch nur noch als Zugeständnis bestehen bleiben, das von Natur aus widerrufbar ist. Die Institute Ecclesia Dei haben diesen Grundsatz von Anfang an akzeptiert: Um die Erlaubnis zu behalten, mussten sie jede grundlegende Kritik am Novus Ordo Missae zurückweisen und leugnen, dass dieser einen anderen Ritus oder eine andere Theologie der Messe zum Ausdruck bringe. Daraus ergibt sich eine konstitutive Unsicherheit, die weder durch Indulte noch durch Summorum pontificum noch heute durch eine besondere Jurisdiktion wirklich gelöst werden kann.
Es brauchte zu allen Zeiten Mut um Glauben und Seelen zu retten
Genau hier unterscheidet sich die Position der Bruderschaft St. Pius X. radikal. Die Bruderschaft betrachtet das sogenannte Messbuch des heiligen Pius V. – in seiner letzten Ausgabe von 1962 – als den einzigen legitimen Ausdruck des römisch-katholischen Ritus. Sie sieht im Messbuch von Paul VI. keine homogene Reform, sondern einen schwerwiegenden Bruch, der durch eine Protestantisierung der lex orandi gekennzeichnet ist und im Widerspruch zur dogmatischen Definition des Messopfers durch das Konzil von Trient steht. Daher ist die Verweigerung des Gehorsams keine disziplinäre Laune, sondern ein angemessener Widerstand gegen eine große Gefahr für den Glauben und das Seelenheil.
Die Notwendigkeit einer Entscheidung
Der von Pater de Blignières erträumte liturgische Pluralismus stellt also niemanden zufrieden. Für das heutige konziliare Rom ist er unmöglich, da die Verwendung des tridentinischen Messbuchs niemals zum gewöhnlichen Gebrauch eines eigenständigen Ritus werden kann. Es wird bestenfalls immer ein tolerierter außerordentlicher Gebrauch bleiben. Für die Bruderschaft St. Pius X. ist er unzureichend und inakzeptabel, da er darauf hinausläuft, eine mangelhafte Liturgie als normativ anzuerkennen und gleichzeitig die wahrhaft katholische Liturgie in einen Ausnahmezustand zu verbannen. Zwischen dem juristischen „Notbehelf“ und der „Überlebensoperation“ der Tradition ist die Wahl klar.
Der Sommer 1988 war ein entscheidender Moment. Erzbischof Marcel Lefebvre entschied sich damals, die Messe zu retten, um den Glauben zu retten, auch wenn dies eine institutionelle Marginalisierung bedeutete. Dreißig Jahre später zeigt die traditionelle Messe eine schöne Vitalität, sicherlich auch in der Bewegung Ecclesia Dei, aber vor allem dank eines Episkopats, das von der modernistischen Ansteckung verschont geblieben ist und in der Lage ist, die Dauerhaftigkeit, Kohärenz und vollständige Weitergabe des Glaubens zu gewährleisten.
Fazit: Treue kennt keine Kompromisse
Die von Rom abhängigen Gemeinschaften hingegen sind derzeit vom guten Willen der konziliaren Autoritäten abhängig, gezwungen, ständig ihre Existenz zu rechtfertigen und zu akzeptieren, dass die Messe als tolerierte Option behandelt wird.
Daher ist die Frage nicht nur strategischer, sondern auch moralischer Natur. Wie weit kann man institutionelle Kompromisse akzeptieren, ohne die Wahrheit zu verraten? Eine liturgische „Reserve“, so wohlwollend sie auch präsentiert werden mag, bleibt eine Reserve: ein Ort, an dem man das, was eigentlich stört, ablegt. Die katholische Messe braucht keinen Sonderstatus, um zu überleben – sie muss als das anerkannt werden, was sie ist.
Zwischen einem bedingten Überleben und einer kompromisslosen Treue hat das nun abgeschlossene Konsistorium – durch seine Ausgrenzung der traditionellen Messe – deutlich gezeigt, welcher Weg für die Kirche wirklich fruchtbar und realistisch ist und welcher nicht.
Quellen: FSSPX Distrikt Deutschland / InfoVaticana / Catholic Herald / Diane Montagna / Courrier de Rome/FSSPX Actualités) Illustration: Paris – Louis-Marie de Blignières — Photo par Peter Potrowl, via Wikimedia Commons, licence Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).
Papst Franziskus fügte der Kirche – laut eigenem Anspruch – „irreversiblen“ Schaden zu. Der personifizierte Ausdruck dieses Erbes ist Glaubenspräfekt Victor Manuel „Tucho“ Fernández.
Da im Advent in den USA alljährlich The Sound of Music ausgestrahlt wird, erinnert sich Charles Collins, ehemaliger Mitarbeiter von Radio Vatikan und heute verantwortlicher Redakteur des US-amerikanischen katholischen Nachrichtenportals Crux, daran, wie die Nonnen dort ratlos über Maria singen: „How do you solve a problem like Maria?“ Gemeint ist eine junge Novizin namens Maria. Genau diese Zeile fällt Collins ein in Bezug auf Kardinal Víctor Manuel Fernández, jenen argentinischen Intimus nun schon zweier Pontifikate, der seit seiner Ernennung 2023 an die Spitze des Dikasteriums für die Glaubenslehre mehr Unruhe stiftet, als dieses Amt verträgt. Und tatsächlich wirkt der Präfekt für viele wie eine Figur, die stets „verwirrt und unberechenbar“ erscheint – nur geht es in diesem Fall nicht um eine Musical-Komödie, sondern um die Schaltzentrale des kirchlichen Lehramtes.
Ein Präfekt im Dauerstolpern
Victor Manuel Fernández, genannt „Tucho“, seit Jahrzehnten eng mit Jorge Mario Bergoglio verbunden, genoß unter Papst Franziskus eine auffällige Immunität gegenüber Kritik und eine bemerkenswerte Freiheit, Theologisches in eine eigenwillige Pastoralprosa umzugießen. Diese bergoglianische Protektion, die zumindest bis in das Jahr 1997 zurückreichte und sich nicht wirklich erklärt, schwemmte Fernández von hohen zu immer höheren Positionen – jede um einige Schuhnummern zu groß für ihn, wie Kritiker meinten, die ihn näher kennen.
Seine früheren Publikationen, darunter die notorisch zitierten Büchlein über „Küssen“ und „Orgasmus“ wären als jugendliche Unbedarftheiten zu entschuldigen, wäre er zum Zeitpunkt ihrer Abfassung nicht schon gegen 40 und seit vielen Jahren zum Priester geweiht gewesen. Aber selbst da hätte man wohl noch zwei Augen zudrücken können, hätte er später als Ghostwriter und Souffleur Bergoglios spätestens nach dessen Wahl zum Papst eine klare Linie, intellektuelle Tiefe oder wenigstens kirchenpolitisches Fingerspitzengefühl gezeigt. Doch von alldem ist erstaunlich wenig zu sehen. Stattdessen reiht sich seit seinem Amtsantritt in Rom Zwischenfall an Zwischenfall wie Perlen an einer Kette – nur daß diese Perlen jedes Mal die Fassade Roms ein Stück weiter zerkratzen.
War das gar die Absicht, der letzte bergoglianische „Streich“, um das in manchen Kreisen zutiefst verhaßte Heilige Offizium, die Glaubenskongregation (von Franziskus nicht zufällig in Glaubensdikasterium umbenannt), restlos zu demontieren?
Der Eklat um Fiducia supplicans war ein Paradebeispiel für diese destruktive Dramaturgie. Mit der Zulassung zu Segnungen für Paare in irregulären Verbindungen, explizit auch für Homo-Paare, trieb Fernández einen Keil in die Weltkirche, wie ihn kein päpstliches Dokument der jüngeren Zeit hervorgerufen hat. Am 11. September 2023 trat Fernández sein römisches Amt als Glaubenspräfekt an, bereits am 18. Dezember legte er Franziskus Fiducia supplicans zur Unterschrift vor, die dieser ohne Zögern leistete. Das Tempo ist zu schnell, als daß nicht angenommen werden müßte, daß Protegé und Mentor nicht schon längst Vorarbeit geleistet hatten.
Afrikanische Bischofskonferenzen verweigerten die Umsetzung, die ukrainische griechisch-katholische Kirche, die Bischöfe Ungarns, der Niederlande, von Astana und andere mehr erklärten öffentlich, man werde das Papier ignorieren, und die koptisch-orthodoxe Kirche brach den Dialog mit Rom ab.
Wochenlang mußten vatikanische Stellen beschwichtigend nacharbeiten, Tucho selbst tat es mit der ihm offenbar eigenen Peinlichkeit (die Homo-Segnungen dürften nur maximal 15 Sekunden dauern); bis schließlich Papst Franziskus selbst zur Beruhigung intervenieren mußte und im Duo mit Fernández akrobatische „Einschränkungen“ improvisierte. Was Franziskus nicht ohne die für ihn typischen Seitenhiebe tat und Kritiker als Heuchler und Ideologen beschimpfte.
Auf die eigentliche Kritik, daß Fiducia supplicans die Wahrheit verdunkelt, gingen die Bergoglianer nicht ein. Insgesamt ist Fiducia supplicans nur im Kontext jener von Franziskus betriebenen Kapitulation in Sachen Homosexualität zu verstehen. Selbst wer Bergoglio gewogen ist, konnte sich dem Eindruck nicht entziehen, daß mit Tucho Fernández an der Spitze des Glaubensdikasteriums diese zentrale kirchliche Autorität in Brand gesetzt wurde, die er eigentlich schützen sollte.
Zu dieser Linie paßt neben weiteren Pannen und Pleiten auch die Episode um die lehrmäßige Note Mater populi fidelis, jenes Dokument, das den seit Jahrzehnten gebräuchlichen Begriff Corredemptrix, auf deutsch Miterlöserin, für Maria praktisch untersagt – und das alles, ohne eine auch nur annähernd überzeugende theologische Begründung vorzulegen. Daß Fernández anschließend in einem Interview erneut nachlegte und erklärte, privat könne man den Titel schon verwenden, nur eben nicht offiziell, und die Entscheidung sei keine Verurteilung früherer Verwendungen durch viele Heilige und Päpste, sondern gelte „immer“, aber im Sinne von „ab jetzt“, war kaum geeignet, die Verwirrung zu mildern. Auch Collins fragt sich, warum ein Glaubenspräfekt Themen aufwärmt, die kein Konfliktfeld sind, und sie dann mit der denkbar geringsten Sensibilität für kirchliche Tradition und Frömmigkeit abräumt.
Ähnlich unglücklich wirkt die jüngste lehrmäßige Note Una caro, die angeblich die Problematik der Polygamie in Afrika im Blick hat, faktisch aber fast ausschließlich auf europäische Sexualtheologen der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückgreift. Keine anthropologischen Realitäten, keine konkreten sozialen Verwerfungen, kein Blick auf die Kinder und Frauen, die unter polygamen Verhältnissen leiden. Man gewinnt den Eindruck, daß Porno-Präfekt Fernández, Spezialist für das Küssen, an dem Thema Sexualität hängt und weniger die Kirche adressiert als irgendein akademisches (?) Auditorium, das nur zufällig in Rom sitzt.
Ein System der Protektion und seine Folgen
Jorge Mario Bergoglio, Tuchos Entdecker und großer Mentor, ist am 21. April 2025 verstorben. Daß sich Fernández und seine Linie trotz fortgesetzter Fehlleistungen über dessen Tod hinaus auch im neuen Pontifikat halten können, hat weniger mit theologischer Brillanz als mit einem Geflecht persönlicher Loyalitäten zu tun, das über Jahre in Argentinien gewachsen ist und sich im Vatikan als erstaunlich widerstandsfähig erweist.
Die Beförderungen im Umfeld ehemaliger argentinischer Mitarbeiter sind dafür ein sprechendes Indiz. Ein Beispiel ist Daniel Pellizzon, an den Caminante Wanderer erinnert. Pellizzon ordnete 2011/2012 das persönliche Archiv Bergoglios, arbeitete dann mit Tucho Fernández an der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien, wurde 2018 zum Priester geweiht, stieg 2023 zum persönlichen Sekretär von Papst Franziskus auf und wurde nach dessen Tod wieder nach Buenos Aires zurückgeschickt: Wenn jemand, der einst aus dem Seminar entfernt wurde und später „aus Barmherzigkeit“ (und Intervention) gerade noch zur Priesterweihe gelangte, heute eine der attraktivsten Pfarreien von Buenos Aires übernehmen darf, dann ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das nicht fachliche Eignung belohnt, sondern Zugehörigkeit zu einem Kreis.
Wer dazugehört, wird befördert und auch geschützt; wer nicht dazugehört, verschwindet aus den Sichtachsen und wird trotz aller Fähigkeiten nichts. Und in diesem System, aufgebaut und gefördert von Jorge Mario Bergoglio, bewegt sich Fernández wie ein Fisch im Wasser.
All dies führt zurück zu jener Leitfrage, die Collins etwas humorvoll verpackt, aber nicht zufällig und durchaus ernst aufwirft: Wie löst man ein Problem wie Tucho Fernández? Während im Film die rebellische Novizin namens Maria einfach in ein neues Umfeld versetzt wird und dort aufblüht, verfügt der Vatikan über keine vergleichbare Option. Wohin sollte ein Präfekt der Glaubenslehre „wegbefördert“ werden, ohne daß das Amt selbst Schaden nimmt? Das ist jedoch die falsche Frage. Und wenn in entscheidenden Momenten falsche Fragen gestellt werden, sollte man sich auch fragen, warum dies geschieht.
Der Schaden ist bereits angerichtet. Und man muß hinzufügen, daß dieser von Franziskus, der eine sehr akzentuierte und zielgerichtete Personalpolitik betrieb, auch genau so gewollt war. Schwerwiegender erscheint, warum Leo XIV. seine Unterschrift unter die bergoglianischen Tucho-Dokumente setzt. Nichts und niemand kann ihn dazu zwingen. Überhaupt erstaunt das leoninische Pontifikat durch die ungewöhnliche Vielzahl von Dokumenten, die von Franziskus gewollt und unter diesem vorbereitet wurden, aber jetzt erst veröffentlicht werden. Warum sieht sich Leo XIV. in lehramtlichen Fragen an seinen Vorgänger gebunden, während er in verwaltungstechnischen Angelegenheiten keine Probleme hat, Franziskus-Entscheidungen aufzuheben, zurückzunehmen und abzuschaffen. Über Hintergründe mag man spekulieren, Fakt ist jedoch, daß ein Papst, der ein Dokument unterzeichnet, dafür die Verantwortung trägt und zwangläufig angenommen werden muß, daß es genau seine Überzeugung widerspiegelt.
Dieser Makel lastet auf dem aktuellen Pontifikat und Tucho Fernández ist die Bleikugel am Bein des neuen Papstes.
Sie zieht durch widersprüchliche Dokumente, schlecht abgewogene Interventionen und ideologische Experimente im Kurzschlußmodus nicht nur Leo XIV. in die Tiefe, sondern die Autorität der Glaubenskongregation (Glaubensdikasterium) und der kirchlichen Lehrautorität überhaupt.
Wie lange kann sich dieses Pontifikat, wie lange kann sich die Kirche einen Glaubenspräfekten Tucho Fernández und das bergoglianische Protektionssystem noch leisten? Der hochbetagte Kardinal Joseph Zen gab bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Fiducia supplicans die Antwort: Kardinal Victor Manuel Fernández sollte zurücktreten.
Quelle: katholisches / G. Nardi, Bild: 0221 (Screenshot)
Islamistischer Terror – Katholische Kirche niedergebrannt
Mindestens 25 Menschen wurden in Nord-Kivu im östlichen Kongo bei einer Reihe von Angriffen ermordet, die den dschihadistschen Rebellen der ADF zugeschrieben werden.
Wie Oberst Alain Kiwewa, Militärverwalter des Gebiets Lubero, mitteilte, „haben die ADF seit der Nacht des 24. Januar die Bevölkerung des Dorfes Musenge im Gebiet Lubero in Angst und Schrecken versetzt, wo sie mehrere Häuser (fast das gesamte Dorf), ein Gesundheitszentrum und eine katholische Kirche niedergebrannt haben“.
Er erklärt weiter: „Ein Großteil der lokalen Bevölkerung ist auf der Flucht in die mindestens 30 Kilometer entfernte Stadt Butembo. Die aktuelle Opferzahl ist nur vorläufig. Wir warten auf weitere Informationen der Sicherheitskräfte, die in der Region im Einsatz sind, um eine vollständige Bilanz zu erhalten.“
Das Dorf Musenge gehört zur Region Mwenye, wo die ständigen Angriffe der ADF-Islamisten zu einer Situation großer Unsicherheit geführt haben. Frühere Angriffe in diesem Gebiet bereits über 25 Todesopfer gefordert und 63 Häuser in Brand gesetzt.
Die ADF greift auch weiter in der benachbarten Provinz Ituri an, wo in der Nacht vom 24. Januar mindestens drei Zivilisten bei einem doppelten Angriff auf die Dörfer Ahombo und Mangwalo im Gebiet Irumu ermordet wurden. Laut lokalen Quellen wird auch das Verschwinden einer unbekannten Anzahl von Einwohnern der beiden angegriffenen Dörfer gemeldet.