Interview mit dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X.

Don Davide Pagliarani FSSPX (Screenshot)

„Suprema lex, salus animarum“

„Das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen. Von diesem übergeordneten Grundsatz hängt letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates ab.“

FSSPX. Aktuell: Hochwürdigster Herr Generaloberer, Sie haben soeben öffentlich Ihre Absicht angekündigt, am kommenden 1. Juli Bischofsweihen für die Priesterbruderschaft St. Pius X. vornehmen zu lassen. Warum haben Sie diese Ankündigung heute, am 2. Februar, gemacht?

Don Davide Pagliarani: Das Fest der Reinigung der allerseligsten Jungfrau Maria besitzt in der Bruderschaft eine große Bedeutung. Es ist der Tag, an dem die Kandidaten für das Priestertum die Soutane empfangen. Die Darstellung unseres Herrn im Tempel, die wir heute feiern, erinnert sie daran, dass der Schlüssel ihrer Ausbildung und ihrer Vorbereitung auf die Weihen in ihrer Selbsthingabe liegt, die durch die Hände Mariens geht. Es ist ein außerordentlich wichtiges Marienfest, denn indem Simeon der Gottesmutter ein Schwert des Schmerzes ankündigt, zeigt er deutlich ihre Rolle als Miterlöserin an der Seite ihres göttlichen Sohnes. Man sieht sie mit unserem Herrn vereint, vom Beginn seines irdischen Lebens an bis zur Vollendung seines Opfers auf Golgotha. Ebenso begleitet die Gottesmutter den zukünftigen Priester in seiner Ausbildung und während seines ganzen Lebens: Sie ist es, die weiterhin unseren Herrn in seiner Seele formt. 

FSSPX. Aktuell: Diese Ankündigung war in den vergangenen Monaten ein hartnäckiges Gerücht, insbesondere seit dem Tod von Bischof Tissier de Mallerais im Oktober 2024. Warum haben Sie bis jetzt gewartet?

Wie Erzbischof Lefebvre seinerzeit ist auch die Bruderschaft stets darum bemüht, der Vorsehung nicht zuvorzukommen, sondern ihr zu folgen, indem sie sich von ihren Hinweisen leiten lässt. Eine so bedeutende Entscheidung kann nicht leichtfertig oder überstürzt getroffen werden. Es handelt sich um ein äußerstes Mittel, das einer Notwendigkeit entsprechen muss, die ihrerseits real und ebenfalls von äußerster Natur ist. Die bloße Existenz einer Notwendigkeit zum Wohl der Seelen bedeutet noch nicht, dass jede beliebige Initiative zu ihrer Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre.

Insbesondere, da es sich um eine Angelegenheit handelt, die offensichtlich die höchste Autorität der Kirche betrifft, war es notwendig, zunächst einen Schritt an den Heiligen Stuhl zu unternehmen – was wir getan haben – und eine angemessene Frist abzuwarten, um ihm eine Antwort zu ermöglichen. Es handelt sich um eine Entscheidung, die wir nicht hätten treffen können, ohne konkret unsere Anerkennung der Autorität des Heiligen Vaters zum Ausdruck zu bringen.

FSSPX. Aktuell: In Ihrer Predigt sagten Sie, Sie hätten tatsächlich an den Papst geschrieben. Können Sie uns dazu Näheres sagen?

Im vergangenen Sommer habe ich dem Heiligen Vater geschrieben, um eine Audienz zu erbitten. Da ich keine Antwort erhielt, schrieb ich ihm einige Monate später einen weiteren Brief – in einfacher und kindlicher Weise, ohne ihm irgendetwas von unseren Bedürfnissen zu verbergen. Ich schilderte unsere lehrmäßigen Divergenzen, aber auch unseren aufrichtigen Wunsch, der katholischen Kirche unermüdlich zu dienen, denn wir sind Diener der Kirche trotz unseres nicht anerkannten kirchenrechtlichen Status.

Auf dieses zweite Schreiben erhielten wir vor einigen Tagen eine Antwort aus Rom, von Kardinal Fernández. Leider berücksichtigt diese in keiner Weise den von uns unterbreiteten Vorschlag und bietet keine Lösung an, die unseren Anliegen entspricht.

Dieser Vorschlag besteht angesichts der ganz besonderen Umstände, in denen sich die Bruderschaft befindet, konkret in der Bitte an den Heiligen Stuhl, uns vorübergehend den Verbleib in unserer Ausnahmesituation zu gestatten – zum Wohl der Seelen, die sich an uns wenden. Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen. Mir scheint, dass ein solcher Vorschlag sowohl realistisch als auch vernünftig ist und an sich die Zustimmung des Heiligen Vaters finden könnte.

FSSPX. Aktuell: Wenn Sie diese Zustimmung also noch nicht erhalten haben, warum halten Sie es dennoch für notwendig, zu Bischofsweihen zu schreiten?

Es handelt sich um ein äußerstes Mittel, das einer realen und ebenso äußersten Notwendigkeit entspricht. Gewiss bedeutet das bloße Bestehen einer Notwendigkeit zum Wohl der Seelen nicht, dass jede Initiative zu ihrer Behebung von vornherein gerechtfertigt wäre. Doch in unserem Fall glauben wir nach einer langen Zeit des Wartens, der Beobachtung und des Gebetes heute sagen zu können, dass der objektive Zustand schwerer Not, in dem sich die Seelen, die Bruderschaft und die Kirche befinden, eine solche Entscheidung erfordert.

Mit dem Erbe, das uns Papst Franziskus hinterlassen hat, bestehen die grundsätzlichen Erwägungen, die bereits die Weihen von 1988 gerechtfertigt haben, weiterhin in vollem Umfang fort und treten in vielerlei Hinsicht sogar mit erneuerter Dringlichkeit hervor. Das Zweite Vatikanische Konzil bleibt mehr denn je der Kompass, gemäß dem sich die Kirchenmänner orientieren, und es ist kaum zu erwarten, dass sie in absehbarer Zeit eine andere Richtung einschlagen. Die großen Leitlinien, die sich bereits für das neue Pontifikat abzeichnen, insbesondere durch das letzte Konsistorium, bestätigen dies nur: Man erkennt darin den ausdrücklichen Willen, die Linie von Papst Franziskus als einen unumkehrbaren Weg für die ganze Kirche beizubehalten.

„Wir haben dem Papst versprochen, all unsere Kräfte für die Bewahrung der Tradition einzusetzen und unsere Gläubigen zu wahren Söhnen der Kirche zu machen.“

Es ist traurig, dies feststellen zu müssen, aber es ist eine Tatsache: In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern. Dies betrifft insbesondere die vollständige Verkündigung der katholischen Wahrheit und Moral sowie die Spendung der Sakramente, wie die Kirche sie immer vollzogen hat. Darin besteht der Notstand. In diesem kritischen Kontext werden unsere Bischöfe älter und angesichts des stetigen Wachstums des Apostolates reichen sie nicht mehr aus, um den Bedürfnissen der Gläubigen in der ganzen Welt gerecht zu werden.

FSSPX. Aktuell: Inwiefern, meinen Sie, bestätigt das Konsistorium des vergangenen Monats die von Papst Franziskus eingeschlagene Richtung?

Kardinal Fernández hat im Namen von Papst Leo die Kirche dazu eingeladen, zur grundlegenden Intuition von Franziskus zurückzukehren, wie sie in Evangelii gaudium, seiner Schlüssel-Enzyklika, zum Ausdruck kommt: Ein wenig vereinfacht geht es darum, die Verkündigung des Evangeliums auf ihren ursprünglichen, wesentlichen Kern zu reduzieren – in sehr knappen und prägnanten Formeln, dem „Kerygma“. Dies geschieht im Hinblick auf eine „Erfahrung“, eine unmittelbare Begegnung mit Christus, wobei alles Übrige, so kostbar es auch sein mag, beiseitegelassen wird – konkret die Gesamtheit der Elemente der Tradition, die als nebensächlich und sekundär eingestuft werden.

Gerade diese Methode der Neuevangelisierung hat die für das Pontifikat von Franziskus charakteristische lehrmäßige Leere hervorgebracht, die ein ganzer Teil der Kirche stark empfunden hat. Gewiss muss man sich in dieser Perspektive stets bemühen, neue und angemessene Antworten auf aufkommende Fragen zu geben; diese Aufgabe soll jedoch durch die synodale Reform verwirklicht werden und nicht durch die Wiederentdeckung der klassischen und immer gültigen Antworten der Tradition der Kirche. Auf diese Weise, im angeblichen „Wehen des Geistes“ dieser synodalen Reform, konnte Franziskus der ganzen Kirche katastrophale Entscheidungen auferlegen, wie etwa die Zulassung der Kommunion für wiederverheiratete Geschiedene oder die Segnung gleich­geschlechtlicher Paare.

Zusammengefasst: Durch das „Kerygma“ wird die Verkündigung des Evangeliums vom gesamten Korpus der traditionellen Lehre und Moral abgekapselt. Durch die Synodalität werden die traditionellen Antworten durch willkürliche Entscheidungen ersetzt, die leicht absurd und lehrmäßig nicht zu rechtfertigen sind. Kardinal Zen selbst hält diese Methode für manipulativ und die Zuschreibung an den Heiligen Geist für blasphemisch. Ich fürchte leider, dass er recht hat.

FSSPX. Aktuell: Sie sprechen vom Dienst an der Kirche, doch in der Praxis kann die Bruderschaft den Eindruck erwecken, die Kirche herauszufordern, insbesondere wenn Bischofsweihen in Betracht gezogen werden. Wie erklären Sie dies dem Papst?

Wir dienen der Kirche zunächst dadurch, dass wir den Seelen dienen. Dies ist eine objektive Tatsache, unabhängig von jeder anderen Erwägung. Die Kirche existiert ihrem Wesen nach für die Seelen: Ihr Ziel ist ihre Heiligung und ihre Rettung. Alle schönen Reden, die verschiedenartigen Debatten, die großen Themen, über die man diskutiert oder diskutieren könnte, haben keinen Sinn, wenn sie nicht auf das Heil der Seelen ausgerichtet sind. Es ist wichtig, daran zu erinnern, denn heute besteht die Gefahr, dass sich die Kirche mit allem Möglichen beschäftigt und dabei das Wesentliche aus dem Blick verliert. Die Sorge um die Ökologie etwa oder das Eintreten für die Rechte von Minderheiten, von Frauen oder von Migranten laufen Gefahr, die wesentliche Sendung der Kirche aus dem Auge zu verlieren. Wenn die Priesterbruderschaft St. Pius X. für die Bewahrung der Tradition kämpft, mit allem, was dies einschließt, dann einzig und allein deshalb, weil diese Schätze für das Heil der Seelen absolut unerlässlich sind, und weil sie nichts anderes anstrebt als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.

„In einer gewöhnlichen Pfarrei finden die Gläubigen nicht mehr die notwendigen Mittel, um ihr ewiges Heil zu sichern. Darin besteht der Notstand.“

Indem wir so handeln, stellen wir das, was wir bewahren, in den Dienst der Kirche selbst. Wir bieten der Kirche nicht ein Museum alter und verstaubter Dinge dar, sondern die Tradition in ihrer Fülle und Fruchtbarkeit, die Tradition, welche die Seelen heiligt und verwandelt, Berufungen und wahrhaft katholische Familien hervorbringt. Anders gesagt: Gerade für den Papst als solchen bewahren wir diesen Schatz bis zu dem Tag, an dem man seinen Wert wieder verstehen wird und an dem ein Papst sich seiner zum Wohl der ganzen Kirche bedienen will. Denn die Tradition gehört der Kirche.

FSSPX. Aktuell: Sie sprechen vom Wohl der Seelen, doch die Bruderschaft hat keine Sendung für die Seelen. Im Gegenteil, sie wurde vor über fünfzig Jahren kanonisch aufgehoben. Auf welcher Grundlage lässt sich eine Mission der Bruderschaft gegenüber den Seelen rechtfertigen?

Es handelt sich schlicht und einfach um eine Frage der Nächstenliebe. Wir wollen uns keine Sendung anmaßen, die wir nicht haben. Zugleich können wir uns aber nicht weigern, auf die geistliche Not der Seelen zu antworten, die sich zunehmend verwirrt, orientierungslos und verloren fühlen. Sie rufen um Hilfe. Und nachdem sie lange gesucht haben, finden sie ganz natürlich in den Reichtümern der vollständig gelebten Tradition der Kirche mit tiefer Freude Licht und Trost. Gegenüber diesen Seelen tragen wir eine wirkliche Verantwortung, auch wenn wir keine offizielle Sendung haben: Wenn jemand auf der Straße eine Person in Gefahr sieht, ist er verpflichtet, ihr nach Möglichkeit zu Hilfe zu kommen, auch wenn er weder Feuerwehrmann noch Polizist ist. 

Die Zahl der Seelen, die sich auf diese Weise an uns gewandt haben, ist im Laufe der Jahre stetig gewachsen und hat in den letzten zehn Jahren sogar erheblich zugenommen. Ihre Bedürfnisse zu ignorieren und sie im Stich zu lassen, würde bedeuten, sie zu verraten und damit auch die Kirche selbst zu verraten; denn noch einmal: Die Kirche existiert für die Seelen und nicht, um eitle und fruchtlose Diskussionen zu nähren.

Diese Nächstenliebe ist eine Pflicht, die alle anderen überragt. Das Recht der Kirche selbst sieht dies so vor. Im Geist des Kirchenrechts, das der juristische Ausdruck dieser Nächstenliebe ist, steht das Wohl der Seelen über allem. Es stellt wahrhaft das Gesetz der Gesetze dar, dem alle anderen untergeordnet sind und dem keine kirchliche Gesetzgebung entgegenstehen kann. Das Axiom suprema lex, salus animarum – das oberste Gesetz ist das Heil der Seelen – ist eine klassische Maxime der kanonischen Tradition, die ausdrücklich im letzten Kanon des Kodex von 1983 aufgegriffen wird. Im gegenwärtigen Notstand hängt von diesem übergeordneten Grundsatz letztlich die gesamte Rechtmäßigkeit unseres Apostolates und unserer Sendung gegenüber den Seelen ab, die sich an uns wenden. Für uns handelt es sich um eine stellvertretende Rolle im Namen eben dieser Nächstenliebe.

FSSPX. Aktuell: Sind Sie sich bewusst, dass die Erwägung von Bischofsweihen die Gläubigen, die sich an die Bruderschaft wenden, vor ein Dilemma stellen könnte: entweder die Wahl der integralen Tradition mit allem, was sie bedeutet, oder die „volle“ Gemeinschaft mit der Hierarchie der Kirche?

Dieses Dilemma ist in Wirklichkeit nur scheinbar. Es ist offensichtlich, dass ein Katholik zugleich die integrale Tradition und die Gemeinschaft mit der Hierarchie bewahren muss. Er kann nicht zwischen diesen beiden Gütern wählen, die beide notwendig sind.

Allzu oft wird jedoch vergessen, dass die Gemeinschaft wesentlich auf dem katholischen Glauben gründet, mit allem, was dies einschließt: angefangen bei einem wirklichen sakramentalen Leben und der Ausübung einer Leitungsgewalt, die denselben Glauben verkündet und zu seiner Verwirklichung anhält, indem sie ihre Autorität nicht willkürlich, sondern wirklich im Hinblick auf das geistliche Wohl der ihr anvertrauten Seelen ausübt.

Gerade um diese Grundlagen, diese für das Bestehen der Gemeinschaft in der Kirche notwendigen Bedingungen zu gewährleisten, kann die Bruderschaft nicht akzeptieren, was dieser Gemeinschaft entgegensteht und sie verfälscht, selbst wenn dies – paradoxerweise – von jenen ausgeht, die in der Kirche die Autorität ausüben.

FSSPX. Aktuell: Können Sie ein konkretes Beispiel dessen nennen, was die Bruderschaft nicht akzeptieren kann?

Das erste Beispiel, das mir in den Sinn kommt, stammt aus dem Jahr 2019, als Papst Franziskus anlässlich seines Besuches auf der Arabischen Halbinsel gemeinsam mit einem Imam die bekannte Erklärung von Abu Dhabi unterzeichnete. Darin erklärte er zusammen mit dem muslimischen Würdenträger, die Vielfalt der Religionen sei als solche von der göttlichen Weisheit gewollt.

Es ist offensichtlich, dass eine Gemeinschaft, die sich auf die Annahme einer solchen Aussage gründen oder sie einschließen würde, schlichtweg nicht katholisch wäre, denn sie würde eine Sünde gegen das erste Gebot und die Leugnung des ersten Artikels des Glaubensbekenntnisses beinhalten. Ich halte eine solche Aussage für mehr als einen bloßen Irrtum. Sie ist schlicht unvorstellbar. Sie kann nicht das Fundament einer katholischen Gemeinschaft sein, sondern vielmehr die Ursache für deren Auflösung. Ich denke, ein Katholik sollte eher das Martyrium vorziehen, als eine solche Aussage zu akzeptieren.

FSSPX. Aktuell: Weltweit nimmt das Bewusstsein für die von der Bruderschaft seit Langem angeprangerten Irrtümer zu, insbesondere im Internet. Wäre es nicht angebracht, dieses Wirken im Vertrauen auf die Vorsehung sich entfalten zu lassen, anstatt durch einen starken öffentlichen Akt wie Bischofsweihen einzugreifen?

Dieses Wirken ist sicherlich positiv, und man kann sich darüber nur freuen. Es veranschaulicht zweifellos die Berechtigung dessen, was die Bruderschaft verteidigt, und es ist angezeigt, diese Verbreitung der Wahrheit mit allen verfügbaren Mitteln zu fördern. Gleichwohl ist es ein Wirken mit Grenzen, denn der Glaubenskampf kann sich nicht auf Diskussionen und Stellungnahmen beschränken oder in ihnen erschöpfen, deren Schauplatz das Internet oder die sozialen Netzwerke sind. 

Die Heiligung einer Seele hängt gewiss vom Bekenntnis des authentischen Glaubens ab, dieses muss jedoch in ein wirklich christliches Leben münden. Am Sonntag brauchen die Seelen keine Internetplattform. Sie brauchen einen Priester, der ihnen die Beichte abnimmt und sie unterweist, der für sie die heilige Messe feiert, der sie wahrhaft heiligt und zu Gott führt. Die Seelen brauchen Priester. Und um Priester zu haben, braucht es Bischöfe. Keine „Influencer“. Anders gesagt: Man muss zur Wirklichkeit zurückkehren, das heißt zur Wirklichkeit der Seelen und ihrer konkreten objektiven Not. Die Bischofsweihen haben keinen anderen Zweck: für die an der Tradition festhaltenden Gläubigen die Spendung des Sakramentes der Firmung, der Weihe und alles dessen, was daraus folgt, zu gewährleisten.

FSSPX. Aktuell: Besteht nicht die Gefahr, dass die Bruderschaft trotz guter Absichten in gewisser Weise dazu kommt, sich selbst mit der Kirche gleichzusetzen oder sich eine unersetzliche Rolle zuzuschreiben?

In keiner Weise beansprucht die Bruderschaft, sich an die Stelle der Kirche zu setzen oder ihre Sendung zu übernehmen; vielmehr bewahrt sie das tiefe Bewusstsein, nur zu bestehen, um der Kirche zu dienen. Dabei stützt sie sich ausschließlich auf das, was die Kirche selbst immer und überall gelehrt, geglaubt und getan hat.

Die Bruderschaft ist sich ebenso zutiefst bewusst, dass nicht sie es ist, die die Kirche rettet, denn allein unser Herr bewahrt und rettet seine Braut – Er, der niemals aufhört, über sie zu wachen.

Die Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht selbst gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben. Aufmerksam gegenüber der Sendung ihrer Mutter, die während zwanzig Jahrhunderten ihre Kinder durch die Lehre und die Sakramente genährt hat, widmet sich die Bruderschaft kindlich der Bewahrung und Verteidigung der integralen Tradition, indem sie die Mittel ergreift für eine unvergleichliche Freiheit, um diesem Erbe treu zu bleiben. Nach dem Wort von Erzbischof Lefebvre ist die Bruderschaft lediglich ein Werk „der katholischen Kirche, die weiterhin die Lehre überliefert“; ihre Rolle ist die eines „Briefträgers, der einen Brief überbringt“. Und sie wünscht nichts mehr, als alle katholischen Hirten vereint in der Erfüllung dieser Pflicht zu sehen.

FSSPX. Aktuell: Kommen wir auf den Papst zurück. Halten Sie es für realistisch, dass der Heilige Vater akzeptieren oder zumindest dulden könnte, dass die Bruderschaft Bischöfe ohne päpstliches Mandat weiht?

Ein Papst ist vor allem ein Vater. Als solcher ist er fähig, eine aufrechte Absicht, einen ehrlichen Willen, der Kirche zu dienen, und vor allem einen echten Gewissenskonflikt in einer außergewöhnlichen Situation zu erkennen. Diese Elemente sind objektiv, und alle, die die Bruderschaft kennen, können dies anerkennen, selbst ohne notwendigerweise ihre Positionen zu teilen.

FSSPX. Aktuell: Das ist in der Theorie verständlich. Glauben Sie aber, dass Rom konkret eine solche Entscheidung der Bruderschaft dulden könnte?

Die Zukunft liegt in den Händen des Heiligen Vaters und selbstverständlich der Vorsehung. Dennoch ist anzuerkennen, dass der Heilige Stuhl mitunter zu einem gewissen Pragmatismus, ja sogar zu einer überraschenden Flexibilität fähig ist, wenn er überzeugt ist, zum Wohl der Seelen zu handeln.

Man nehme den sehr aktuellen Fall der Beziehungen zur chinesischen Regierung. Trotz eines wirklichen Schismas der chinesischen patriotischen Kirche; trotz einer ununterbrochenen Verfolgung der sogenannten Untergrundkirche, die Rom treu geblieben ist; trotz regelmäßig erneuerter und vom chinesischen Staat gebrochener Abkommen – im Jahr 2023 hat Papst Franziskus nachträglich die Ernennung des Bischofs von Shanghai durch die chinesischen Behörden gebilligt. In jüngerer Zeit hat auch Papst Leo XIV. nachträglich die Ernennung des Bischofs von Xinxiang akzeptiert, der während der Vakanz des Apostolischen Stuhles in gleicher Weise ernannt worden war, obwohl der Rom treu gebliebene Bischof, der mehrfach inhaftiert worden war, noch im Amt war. In beiden Fällen handelt es sich offenkundig um regierungsfreundliche Prälaten, die von Peking einseitig eingesetzt wurden, um die katholische Kirche in China zu kontrollieren. Man beachte, dass es sich hierbei nicht um bloße Weihbischöfe handelt, sondern um Ortsbischöfe, das heißt um ordentliche Hirten ihrer jeweiligen Diözese (oder Präfektur) mit Jurisdiktion über die örtlichen Priester und Gläubigen. In Rom weiß man sehr genau, zu welchem Zweck diese Hirten ausgewählt und einseitig eingesetzt worden sind.

„Die Priesterbruderschaft St. Pius X. erstrebt nichts anderes als dies: das Wohl der Seelen und das des Priestertums, das auf ihre Heiligung hingeordnet ist.“

Der Fall der Bruderschaft ist grundverschieden: Es geht für uns keineswegs darum, eine kommunistische oder antichristliche Macht zu begünstigen, sondern einzig darum, in einer Zeit allgemeiner Krise und Verwirrung die Rechte des Christkönigs und die Tradition der Kirche zu bewahren, die schwer beeinträchtigt sind. Die Absichten und Zielsetzungen sind offensichtlich nicht dieselben. Der Papst weiß das. Zudem weiß der Heilige Vater sehr wohl, dass die Bruderschaft in keiner Weise beabsichtigt, ihren Bischöfen irgendeine Jurisdiktion zu verleihen, was der Errichtung einer Parallelkirche gleichkäme.

Ehrlich gesagt sehe ich nicht, wie der Papst von Seiten der Bruderschaft eine größere Gefahr für die Seelen befürchten könnte als von Seiten der Regierung von Peking.

FSSPX. Aktuell: Halten Sie es für möglich, dass hinsichtlich der traditionellen Messe die Notwendigkeit für die Seelen heute ebenso schwerwiegend ist wie 1988? Nach dem bekannten Auf und Ab des Ritus des heiligen Papstes Pius V. – seiner Freigabe durch Benedikt XVI. im Jahr 2007 und den von Franziskus im Jahr 2021 verhängten Einschränkungen – in welche Richtung geht es mit dem neuen Papst?

Soweit mir bekannt ist, hat Papst Leo XIV. in dieser Frage eine gewisse Zurückhaltung bewahrt, die in der konservativen Welt große Erwartungen geweckt hat. Vor Kurzem jedoch wurde ein Text von Kardinal Roche zur Liturgie veröffentlicht, der ursprünglich für die Kardinäle bestimmt war, die am Konsistorium des vergangenen Monats teilgenommen haben. Es gibt keinen Grund, daran zu zweifeln, dass dieser Text in seinen Grundlinien der vom Papst gewünschten Ausrichtung entspricht. Es handelt sich um einen sehr klaren und vor allem logischen und kohärenten Text. Leider stützt er sich auf eine falsche Prämisse.

Konkret verurteilt dieser Text in vollkommener Kontinuität mit Traditionis custodes das liturgische Projekt von Papst Benedikt XVI. Nach dessen Auffassung sollten der alte und der neue Ritus zwei ungefähr gleichwertige Formen sein, die jedenfalls denselben Glauben und dieselbe Ekklesiologie zum Ausdruck bringen und sich folglich gegenseitig bereichern könnten. Um die Einheit der Kirche besorgt, lag es Benedikt XVI. daher am Herzen, das Nebeneinanderbestehen beider Riten zu fördern, und er veröffentlichte 2007 Summorum Pontificum. Für viele erwies sich dies providentiell als eine Wiederentdeckung der Messe aller Zeiten; auf längere Sicht jedoch rief es auch eine Bewegung hervor, die den neuen Ritus in Frage stellte – eine Bewegung, die als problematisch erachtet wurde und die Traditionis custodes im Jahr 2021 einzudämmen suchte.

Papst Franziskus treu verbunden, tritt Kardinal Roche seinerseits für die Einheit der Kirche ein, jedoch nach einer Vorstellung und mit Mitteln, die denen Benedikts XVI. diametral entgegengesetzt sind: Während er an der Behauptung einer Kontinuität von einem Ritus zum anderen durch die Reform festhält, lehnt er deren Koexistenz entschieden ab. Er sieht darin eine Quelle der Spaltung, eine Bedrohung für die Einheit, die durch eine Rückkehr zu einer authentischen liturgischen Gemeinschaft überwunden werden müsse: „Das vorrangige Gut der Einheit der Kirche wird nicht durch das Einfrieren von Spaltungen erreicht, sondern indem wir uns im Teilen dessen wiederfinden, was nur geteilt werden kann.“ In der Kirche, so fügt er hinzu, „soll es nur einen einzigen Ritus geben“, in voller Übereinstimmung mit dem wahren Sinn der Tradition.

Dies ist ein gerechter und kohärenter Grundsatz, denn da die Kirche nur einen Glauben und nur eine Ekklesiologie besitzt, kann sie auch nur eine Liturgie haben, die diese angemessen zum Ausdruck bringt… Doch es ist ein falsch angewandter Grundsatz. Denn in Übereinstimmung mit der neuen nachkonziliaren Ekklesiologie begreift Kardinal Roche die Tradition als etwas Evolutives und den neuen Ritus als ihre einzige lebendige Ausdrucksform für unsere Zeit. Der Wert des tridentinischen Ritus kann daher nur als überholt angesehen werden, und seine Verwendung ist höchstens ein „Zugeständnis“, „keineswegs eine Förderung“.

Dass es also eine „Spaltung“ und eine gegenwärtige Unvereinbarkeit zwischen den beiden Riten gibt, das wird damit immer deutlicher. Doch man täusche sich nicht: Die einzige Liturgie, welche die traditionelle Auffassung von Kirche, christlichem Leben und katholischem Priestertum in angemessener, unveränderlicher und nicht evolutiver Weise zum Ausdruck bringt, ist die Liturgie aller Zeiten. In diesem Punkt erscheint der Widerstand des Heiligen Stuhles mehr denn je endgültig.

FSSPX. Aktuell: Kardinal Roche räumt immerhin ein, dass es bei der Umsetzung der Liturgiereform noch gewisse Probleme gibt. Glauben Sie, dass dies zu einem Bewusstsein für die Grenzen dieser Reform führen könnte?

Es ist bemerkenswert, dass man nach sechzig Jahren noch immer eine wirkliche Schwierigkeit bei der Umsetzung der Liturgiereform eingesteht, deren Reichtum es erst noch zu entdecken gelte. Dies ist ein Refrain, den man seit jeher hört, sobald dieses Thema zur Sprache kommt, und den auch der Text von Kardinal Roche nicht ausspart. Doch anstatt sich ehrlich über die inneren Mängel der neuen Messe und damit über das generelle Scheitern dieser Reform Gedanken zu machen; anstatt der Tatsache ins Auge zu sehen, dass sich die Kirchen leeren und die Berufungen zurückgehen; anstatt sich zu fragen, warum der tridentinische Ritus weiterhin so viele Seelen anzieht, sieht Kardinal Roche als einzige Lösung lediglich eine dringende vorherige Ausbildung der Gläubigen und der Seminaristen.

Ohne es zu bemerken, gerät er damit in einen Teufelskreis: Denn die Liturgie selbst ist dazu bestimmt, die Seelen zu formen. Fast zwei Jahrtausende lang sind die Seelen, oft Analphabeten, durch die Liturgie selbst erbaut und geheiligt worden, ohne dass es irgendeiner vorherigen Ausbildung bedurft hätte. Die intrinsische Unfähigkeit des Novus Ordo, die Seelen zu erbauen, nicht anzuerkennen und stattdessen eine noch bessere Ausbildung zu fordern, erscheint mir als Zeichen einer unheilbaren Blindheit. So gelangt man zu erschütternden Paradoxien: Die Reform wurde gewollt, um die Teilnahme der Gläubigen zu fördern, nun aber haben diese die Kirche in Scharen verlassen, weil diese fade Liturgie sie nicht zu nähren vermochte. Und das soll nichts mit der Reform selbst zu tun haben!

FSSPX. Aktuell: Heute profitieren in vielen Ländern Gruppen außerhalb der Bruderschaft weiterhin vom Gebrauch des Messbuches von 1962. Solche Möglichkeiten bestanden 1988 kaum. Wäre dies nicht vorerst eine ausreichende Alternative, die neue Bischofsweihen verfrüht erscheinen ließe?

Die Frage, die wir uns stellen müssen, lautet: Entsprechen diese Möglichkeiten dem, was die Kirche und die Seelen brauchen? Sind sie eine ausreichende Antwort auf die Not der Seelen?

Es ist unbestreitbar, dass überall dort, wo die traditionelle Messe gefeiert wird, der wahre Ritus der Kirche ausstrahlt – mit jenem tiefen Sinn für das Sakrale, der im neuen Ritus nicht zu finden ist. Doch man kann von dem Rahmen, in dem diese Messfeiern stattfinden, nicht abstrahieren. Unabhängig vom guten Willen der einen oder der anderen scheint der Rahmen klar zu sein, insbesondere seit Traditionis custodes, bestätigt durch Kardinal Roche: Es handelt sich um den Rahmen einer Kirche, in der der einzige offizielle „normale“ Ritus derjenige Pauls VI. ist. Die Feier des Ritus aller Zeiten unterliegt folglich einer Ausnahmeregelung: Den Anhängern dieses Ritus werden aus reinem Wohlwollen Ausnahmegenehmigungen gewährt, die ihnen seine Feier erlauben. Diese fügen sich jedoch in eine Logik ein, die der neuen Ekklesiologie entspricht. Sie setzen daher voraus, dass die neue Liturgie weiterhin das Kriterium der Frömmigkeit der Gläubigen und der authentische Ausdruck des kirchlichen Lebens bleibt.

FSSPX. Aktuell: Warum sagen Sie, dass man von diesem Ausnahmerahmen nicht abstrahieren kann? Wird nicht dennoch Gutes gewirkt? Welche konkreten Folgen wären zu beklagen?

Aus dieser Situation ergeben sich mindestens drei unheilvolle Konsequenzen. Die unmittelbarste ist eine tiefe strukturelle Instabilität. Priester und Gläubige, denen durch gewisse Privilegien der Gebrauch der tridentinischen Liturgie erlaubt ist, leben in der Angst vor dem folgenden Tag: Ein Privileg ist kein Recht. Solange die Autorität sie duldet, können sie ihre religiöse Praxis ohne Behelligung ausüben. Sobald jedoch die Autorität bestimmte Anforderungen stellt, Bedingungen auferlegt oder aus dem einen oder anderen Grund plötzlich die erteilten Erlaubnisse widerruft, finden sich Priester und Gläubige in einer Konfliktsituation wieder, ohne irgendein Mittel, sich zu verteidigen, um wirksam die traditionellen Heilsmittel sicherzustellen, auf die die Seelen ein Recht haben. Wie lassen sich solche Gewissenskonflikte auf Dauer vermeiden, wenn von zwei unvereinbaren Auffassungen vom kirchlichen Leben, verkörpert in zwei unvereinbaren Liturgien, die eine volle Anerkennung genießt, während die andere lediglich geduldet wird?

Zweitens – und das ist zweifellos schwerwiegender – wird der eigentliche Grund für die Verbundenheit dieser Gruppen mit der tridentinischen Liturgie nicht mehr verstanden, was die öffentlichen Rechte der Tradition der Kirche und damit das Wohl der Seelen ernsthaft gefährdet. Wenn nämlich die Messe aller Zeiten akzeptieren kann, dass die moderne Messe in der ganzen Kirche gefeiert wird, und wenn sie für sich selbst lediglich ein besonderes Privileg beansprucht, das an eine Vorliebe oder an ein eigenes Charisma gebunden ist – wie soll man dann noch verstehen, dass die Messe aller Zeiten der neuen Messe unversöhnlich gegenübersteht, dass sie die einzige wahre Liturgie der ganzen Kirche bleibt und dass niemand daran gehindert werden darf, sie zu feiern? Wie kann man erkennen, dass die Messe Pauls VI. nicht angenommen werden kann, weil sie eine erhebliche Abweichung von der katholischen Theologie der heiligen Messe darstellt, und dass niemand gezwungen werden kann, sie zu feiern? Und wie sollen die Seelen wirksam von dieser vergifteten Liturgie weggeführt werden, um aus den reinen Quellen der katholischen Liturgie zu schöpfen?

„Die Bruderschaft ist schlicht und einfach – unter Umständen, die sie nicht gewählt hat – ein bevorzugtes Mittel, der Kirche treu zu bleiben.“

Schließlich ergibt sich als weitergehende Folge aus den beiden vorhergehenden die Notwendigkeit, eine fragile Stabilität nicht durch als störend empfundenes Verhalten zu gefährden, was viele Hirten zu einem erzwungenen Schweigen verurteilt, wenn sie eigentlich gegen diese oder jene skandalöse Lehre aufstehen müssten, die Glauben oder Moral verdirbt. Die notwendige Anprangerung der die Kirche zerstörenden Irrtümer – sie ist zum Wohl der von dieser vergifteten Nahrung bedrohten Seelen geboten – wird so gelähmt. Man klärt den einen oder anderen im Privaten auf, sofern man die Schädlichkeit dieses oder jenes Irrtums überhaupt noch zu erkennen vermag, doch es bleibt ein zaghaftes Flüstern, in dem die Wahrheit kaum noch mit der erforderlichen Freiheit zum Ausdruck kommt – vor allem, wenn es den Kampf gegen Prinzipien geht, die man stillschweigend akzeptiert hat. Auch hier sind es wieder die Seelen, die nicht mehr erleuchtet werden und denen das Brot der Lehre entzogen wird, nach dem sie doch hungern. Mit der Zeit verändert dies allmählich die Mentalität und führt nach und nach zur allgemeinen und unbewussten Annahme der verschiedenen Reformen, die das kirchliche Leben betreffen. Auch gegenüber diesen Seelen empfindet die Bruderschaft die Verantwortung, sie zu erleuchten und nicht im Stich zu lassen.

Es geht nicht darum, jemandem Vorwürfe zu machen oder über irgendwen zu urteilen, sondern darum, die Augen zu öffnen und die Tatsachen festzustellen. Nun aber müssen wir anerkennen, dass die Gruppen, die in den Genuss der traditionellen Liturgie kommen, keine angemessene Antwort auf die tiefgreifenden Nöte der Kirche und der Seelen darstellen können, solange deren Gebrauch an die zumindest implizite Akzeptanz der Konzilsreformen gebunden bleibt. Umgekehrt muss man – um einen bereits geäußerten Gedanken aufzugreifen – den Katholiken unserer Zeit eine Wahrheit ohne Abstriche anbieten können, dargeboten ohne Vorbehalte und mit den Mitteln, sie vollständig zu leben, zum Heil der Seelen und zum Dienst an der ganzen Kirche.

FSSPX. Aktuell: Glauben Sie dennoch, dass Rom sich in Zukunft gegenüber der traditionellen Messe großzügiger zeigen könnte?

Es ist nicht ausgeschlossen, dass Rom in Zukunft eine offenere Haltung einnehmen könnte, wie dies bereits 1988 unter ähnlichen Umständen geschah, als das alte Messbuch bestimmten Gruppen gewährt wurde, um die Gläubigen von der Bruderschaft abzuziehen. Sollte dies erneut geschehen, wäre es sehr politisch und sehr wenig der Lehre entsprechend: Das tridentinische Messbuch ist ausschließlich dazu bestimmt, die göttliche Majestät anzubeten und den Glauben zu nähren; es darf nicht als Instrument pastoraler Feinjustierung oder als Ventil zur Beschwichtigung instrumentalisiert werden.

Doch ein größeres oder geringeres Entgegenkommen würde nichts an der Schädlichkeit des oben beschriebenen Rahmens ändern und somit die Situation nicht wesentlich verändern.

Darüber hinaus ist das Szenario in Wirklichkeit komplexer: In Rom haben Papst Franziskus und Kardinal Roche sehr wohl erkannt, dass eine Ausweitung des Gebrauchs des Messbuches des heiligen Pius V. zwangsläufig eine Infragestellung der Liturgiereform und des Konzils auslöst, und zwar in einem unerquicklichen und vor allem unkontrollierbaren Ausmaß. Es ist daher schwer vorherzusehen, was geschehen wird, doch die Gefahr einer Verstrickung in Logiken, die eher politisch als lehrmäßig sind, ist real.

FSSPX. Aktuell: Was möchten Sie den Gläubigen und den Mitgliedern der Bruderschaft besonders sagen?

Ich möchte ihnen sagen, dass die gegenwärtige Stunde vor allem eine Zeit des Gebetes ist, der Vorbereitung der Herzen, der Seelen und auch der Geister, um uns der Gnade zu öffnen, die diese Weihen für die ganze Kirche darstellen. Dies alles in Sammlung, in Frieden und im Vertrauen auf die Vorsehung, die die Bruderschaft niemals verlassen hat und sie auch jetzt nicht verlassen wird.

FSSPX. Aktuell: Hoffen Sie weiterhin, dem Papst begegnen zu können?

Ja, gewiss. Es erscheint mir äußerst wichtig, mich mit dem Heiligen Vater unterhalten zu können, und es gibt vieles, was ich ihm gern mitteilen würde, ihm aber nicht schreiben konnte. Leider sieht die von Kardinal Fernández erhaltene Antwort keine Audienz beim Papst vor. Stattdessen stellt sie die Androhung neuer Sanktionen in den Raum.

FSSPX. Aktuell: Was wird die Bruderschaft tun, wenn der Heilige Stuhl beschließt, sie zu verurteilen?

Zunächst sei daran erinnert, dass etwaige kanonische Strafen unter solchen Umständen keinerlei reale Wirkung hätten.

Sollten sie dennoch verhängt werden, ist es gewiss, dass die Bruderschaft dieses neue Leiden ohne Bitterkeit annehmen würde, wie sie die vergangenen Leiden angenommen hat, und es aufrichtig für das Wohl der Kirche aufopfern würde. Die Bruderschaft arbeitet für die Kirche. Und sie zweifelt nicht daran, dass eine solche Situation, sollte sie eintreten, nur vorübergehend sein kann; denn die Kirche ist göttlich und unser Herr verlässt sie nicht.

Die Bruderschaft wird daher weiterhin nach Kräften in Treue zur katholischen Tradition wirken und der Kirche demütig dienen, indem sie auf die Not der Seelen antwortet. Und sie wird weiterhin kindlich für den Papst beten, wie sie es immer getan hat – in der Erwartung, eines Tages von diesen möglichen ungerechten Sanktionen befreit zu werden, wie dies 2009 der Fall war. Wir sind überzeugt, dass die römischen Autoritäten eines Tages dankbar anerkennen werden, dass diese Bischofsweihen providentiell dazu beigetragen haben werden, den Glauben zu bewahren, zur größeren Ehre Gottes und zum Heil der Seelen.

Interview, gegeben in Flavigny-sur-Ozerain am 2. Februar 2026, dem Fest Mariä Lichtmess

Quelle: FSSPX / FSSPX. AKTUELL

Gott, Glaube, Geld: Kardinal Schönborn verlässt die Vatikanbank

Kardinal Christoph Schönborn während eines Dankgottesdienstes © APA/HOCHMUTH (Screenshot)

Am Hauptsitz des Pontifex im Vatikan, in unmittelbarer Nähe zum Apostolischen Palast, befindet sich das „Istituto per le Opere di Religione“ (IOR), gemeinhin bekannt als Vatikanbank. Das „Institut für religiöse Werke“ ist die einzige Einrichtung des Vatikans, die zur Erbringung professioneller Finanzdienstleistungen befugt ist. Nach Eigenangaben verwaltet sie Vermögenswerte im Einklang mit der katholischen Lehre und betreut mehr als 12.000 Kunden aus über 110 Ländern. Zuletzt erwirtschaftete die Vatikanbank einen jährlichen Gewinn von mehr als 30 Millionen Euro, der an den Heiligen Stuhl ausgeschüttet wird.

Bis diese Woche leitete der österreichische Kardinal Christoph Schönborn die Kardinalskommission, das oberste Aufsichtsgremium der IOR, das den Aufsichtsrat bestellt und den Generaldirektor der Bank bestätigen muss. Zwölf Jahre lang prägte Schönborn damit die Geschicke des vatikanischen Geldinstituts maßgeblich mit.

Skandalbank

Schönborns Bestellung in die Kardinalskommission kam nicht von ungefähr – er sollte Reformen vorantreiben. Denn seit Jahrzehnten sieht sich der Vatikan mit Skandalen rund um seine Bank konfrontiert, die oft für Schlagzeilen sorgten. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ bezeichnete das Institut einst als vatikanisches „Offshoreparadies für dunkle Finanzgeschäfte“.

In den 1980er Jahren war die IOR in ein mutmaßliches Mafiageschäft mit dem Mailänder Bankier Roberto Calvi verwickelt. Nachdem dessen Banco Ambrosiano Pleite ging, wurde Calvi unter einer Londoner Brücke an einem Strick hängend aufgefunden.

2009 veröffentlichte der italienische Investigativjournalist Gianluigi Nuzzi Recherchen, die scheinheilige Geschäfte der Vatikanbank belegen sollten: intransparente Bilanzen, anonyme Nummernkonten sowie mutmaßliche Verbindungen zur Geldwäsche für die Mafia.

Die Vatikanbank bemühte sich zeitgleich um Reformen, trotzdem rissen die Vorwürfe nicht ab. 2010 beschlagnahmte die italienische Finanzpolizei 23 Millionen Euro und leitete Ermittlungen wegen des Verdachts der Geldwäsche gegen ranghohe Funktionäre der Einrichtung ein. „Es lag wirklich sehr viel im Argen. Man kann durchaus von Korruption sprechen, und zwar auch in den eigenen Reihen“, sagte Schönborn gegenüber der Nachrichtenagentur „Kathpress“ am Dienstag. Bereits Papst Benedikt XVI. habe laut Kirchenbeobachtern versucht, das Institut zu reformieren, letztlich aber nicht die innerkirchliche Unterstützung dafür aufgebracht.

Reformbank

Die Bilanz des scheidenden Präsidenten fällt entsprechend positiv aus. Als Schönborn 2014 von Papst Franziskus in die Kardinalskommission berufen wurde, stand der vatikanische Zahlungsverkehr vor erheblichen Problemen. Die italienische Zentralbank hatte ein Jahr zuvor begonnen, Kartenzahlungen und Bargeldbehebungen in Vatikanstadt zeitweise auszusetzen, da geltende Anti-Geldwäsche-Vorschriften nicht ausreichend umgesetzt wurden. Keine einzige italienische Bank habe damals mit der IOR zusammenarbeiten wollen, schildert Schönborn rückblickend die damalige Lage.

Ob der Vatikan überhaupt eine eigene Bank benötigt, habe sich auch Papst Franziskus zu Beginn seiner Amtszeit gefragt, so Schönborn. Letztlich sei man jedoch zu der Einsicht gelangt, dass ein eigenes Finanzinstitut für die vielfältigen Aufgaben des Vatikans sinnvoll sei. Die Vatikanbank sei zwar klein, „aber sie liegt halt im Vatikan – und daher ist die Aufmerksamkeit besonders groß“.

Auf Christoph Schönborn folgt der italienische Kardinal Giuseppe Petrocchi als neuer Präsident der Kommission. Als neues Mitglied des Gremiums berief Papst Leo XIV. zu Jahresanfang den spanischen Kardinal Ángel Fernández Artime. 

Quelle: msn

Papst Leo XIV. zur Abtreibung

Papst Leo XIV. (Screenshot)

Die Menschheit führt „Krieg gegen sich selbst“

Papst Leo XIV. forderte ein Ende des Krieges, den die Menschheit gegen sich selbst führe. Nur wer sich um die Kleinsten kümmere, könne wirklich Großes leisten.

Papst Leo XIV. hat Abtreibung als „größten Zerstörer des Friedens“ bezeichnet. Bei einer Audienz am Samstag im Vatikan zitierte das Oberhaupt der katholischen Kirche diese Worte der heiliggesprochenen Mutter Teresa (1910 – 1997) vor jungen Politikern.

Die Stimme der Friedensnobelpreisträgerin sei heute noch prophetisch, so der Papst. „Keine Politik kann sich in den Dienst der Völker stellen, wenn sie diejenigen, die zur Welt kommen wollen, vom Leben ausschließt, wenn sie denen nicht hilft, die in materieller und spiritueller Not sind.“

„Bischofsweihen aus Treue zur Kirche und zu den Seelen“

Pater Davide Pagliarani (Screenshot)

Predigt von Pater Davide Pagliarani, dem Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., vom 2. Februar 2026
im Seminar St.-Curé-d’Ars

Liebe Mitbrüder, liebe Seminaristen, liebe Schwestern und liebe Gläubige,

was für eine Freude, die Soutanen von zweiundzwanzig neuen Seminaristen segnen zu dürfen – an diesem gesegneten Tag, an dem unser Herr zum ersten Mal zum Tempel, zu seinem Altar geht, um äußerlich die Hingabe seiner selbst, seines Lebens zu bekunden: „Hier bin ich, um deinen Willen zu tun. Das ist der Grund, warum ich Mensch geworden bin und heute offenbare ich mich.“

So weit wie möglich müssen diese vollkommenen Gesinnungen Unseres Herrn auch die Gesinnungen eines jungen Mannes sein, der sein Leben Unserem Herrn weihen möchte, um eines Tages zum Altar emporzusteigen.

Welch schönes Beispiel! Es ist das Vorbild, dem wir unser ganzes Leben lang folgen sollen. Und dies geschieht in Einheit: in Einheit mit Unserer Lieben Frau und in Einheit mit Unserem Herrn. Unsere Liebe Frau, die Unbefleckte, die allzeit reine Jungfrau, unterwirft sich dem Ritus der Reinigung gemäß dem Gesetz des Moses. Niemals war oder wird ein Geschöpf so rein sein wie die allerseligste Jungfrau, doch aus Demut unterwirft sie sich diesem Ritus. Und man bringt zwei Tauben als Opfergabe, eine für das Brandopfer und eine für das Sündopfer; und sie wird gereinigt. Dies war die Opfergabe der Armen.

Unser Herr selbst wird losgekauft, weil er als Erstgeborener Gott gehörte, und er wird durch die Zahlung einer kleinen Summe von fünf Schekel, fünf Münzen, losgekauft. Er, der selbst der Erlöser und der Preis für unsere Erlösung war, akzeptiert es, durch einige Münzen losgekauft zu werden. Welche Demut! Er war streng genommen nicht verpflichtet, für diesen Ritus nach Jerusalem zu gehen. Juden, die weit entfernt wohnten, konnten dies durch einen Bevollmächtigten tun lassen. Aber die Heilige Familie will das Gesetz aus Gehorsam erfüllen.

Was für ein großartiges Beispiel! Schon jetzt zeigt sich Unser Herr als gehorsam; gehorsam bis zum Tode. Wir kennen die Vollkommenheit seiner inneren Haltung. Er ist schon bereit, alles für unsere Erlösung hinzugeben um den Gehorsam gegenüber seinem Vater zu erfüllen, um dessen Willen zu erfüllen. In diesem Kontext der bereits vollkommenen Aufopferung haben wir ein Vorspiel des Kreuzes, des Leidens.

Unser Herr kann uns nicht gleichgültig lassen

In dieser Szene, die so einfach und scheinbar so gewöhnlich ist, aber in den Augen Gottes so einzigartig, weil dort die Erlösung bereits begonnen hat – in dieser Szene erscheint Simeon. Der alte Mann ergreift das Wort und seine Rede besteht aus zwei gegensätzlichen Teilen. Zunächst die Freude – die Freude, Unseren Herrn zu sehen, ihn in die Arme zu schließen. Eine Freude, die dem Verlangen entspricht, das er bis zu diesem Tag gehabt hat. „Ich habe ihn gesehen, endlich habe ich den Retter gesehen, die Erlösung Israels, ich habe ihn gesehen!“

In der Ewigkeit werden wir nichts anderes tun, als das zu betrachten, was Simeon während diesen Augenblicken in seinen Armen betrachtete: das Heil, den Erlöser, der seit jeher von der göttlichen Vorsehung bereitet war. Die Menschwerdung war, wenn man so sagen darf, im Geiste Gottes für alle Völker bestimmt – ante faciem omnium populorum, lumen ad revelationem gentium

Er ist der einzige Retter

Er ist der einzige Retter, der allen Völkern und allen Rassen ohne Unterschied geschenkt und angeboten wird. Welche Freude! Welche Freude in den Augen und Worten dieses Greises: dieses Licht, um die Wahrheit zu lehren, den einzigen Weg des Heils.

Nun, diese Freude Simeons, dieses Licht, wird plötzlich unterbrochen durch eine Ankündigung an die Muttergottes und den Heiligen Josef. Er wendet sich ihnen zu, segnet sie und sagt ihnen in ganz anderem Tonfall etwas, das natürlich mit dem Vorhergehenden zusammenhängt. Was sagt er ihnen konkret? Er sagt ihnen, dass die Erlösung der Menschheit durch dieses Kind geschehen wird – unter Leiden, am Kreuz und durch die Passion. Dieses Kind wird ein Zeichen des Widerspruchs sein. Das ist eine sehr schöne Definition Unseres Herrn. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs.

Was bedeutet das in einer etwas moderneren Sprache? Es bedeutet, dass Unser Herr nichts verbirgt. Er ist ein Zeichen des Widerspruchs. Unser Herr bekräftigt die Wahrheit. Er offenbart sie durch sein Wort und bestätigt sie durch seine Wunder. Er bietet sie an und sagt klar und deutlich, dass dies der einzige Weg zum Heil ist. Es gibt keinen anderen. Warum sagt er das? Weil er die Seelen nicht täuschen kann. Er ist nicht in diese Welt gekommen, um die Seelen zu täuschen. Er ist gekommen, um sie zu retten. Er offenbart die Wahrheit. Er wird verfolgt werden. Und auch diejenigen, die ihm folgen, werden ein Zeichen des Widerspruchs sein. Man muss sich entscheiden. Man kann Unserem Herrn gegenüber nicht gleichgültig bleiben. Man kann der Erlösung gegenüber nicht gleichgültig bleiben. 

Wer gleichgültig bleibt, hat Unseren Herrn abgelehnt

Wer gleichgültig bleibt, hat sich bereits für eine Seite entschieden. 

Simeon sagt das ganz klar. Was sagt er in seiner Prophezeiung? Er sagt: All dies, diese Offenbarungen Unseres Herrn in seiner Erlösung, all dies wird geschehen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Was bedeutet das? In welchem Sinne werden die Gedanken der Herzen der Menschen offenbar werden? – In dem Sinne, dass niemand gegenüber Unserem Herrn wirklich gleichgültig bleiben kann. Man muss sich entscheiden. Das ist ein Zeichen des Widerspruchs. Und Unser Herr selbst wird eines Tages sagen: „Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich. Und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“

Und diese Offenbarung des Geheimnisses der Erlösung, die durch die Leiden Unseres Herrn erfolgen wird, wird von einem weiteren Leiden begleitet sein. Gott wollte, dass die Muttergottes an diesem Werk beteiligt ist. Und dass die Rolle der Muttergottes an der Seite Unseres Herrn gleichzeitig mit der Rolle Unseres Herrn den Menschen offenbart wird. Simon wendet sich Maria mit den Worten zu: „Ein Schwert des Schmerzes wird dein Herz durchbohren. Deine Seele wird von einem Schwert durchdrungen werden.“ Welch ein Geheimnis verbirgt sich hinter diesen Worten! Ein Geheimnis, das wir ergründen können, ein Geheimnis, das der Kirche sehr am Herzen liegt. Es ist das Geheimnis der Miterlösung, der Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk Unseres Herrn.

Die Verbindung Unserer Lieben Frau mit dem Werk der Erlösung

Hier versteht man gut, warum der Engel die Zustimmung der allerseligsten Jungfrau, ihr „Fiat“, erbeten hat. Maria verstand sehr wohl, dass Mutter Gottes zu werden bedeutet, Mutter eines leidenden Gottes, eines erlösenden Gottes, eines leidenden Messias zu werden, wie er im Alten Testament beschrieben worden war. Und sie sagte: „Ja, ich nehme es an. Wenn es Gottes Wille ist, stimme ich zu.“ Gott wird zu einem ganz bestimmten Zweck Mensch. Und Unsere Liebe Frau wusste das. Vor allem dies akzeptiert sie. Aber warum? Warum wollte Gott in seiner göttlichen Weisheit Unsere Liebe Frau auf diese Weise mit dem Leiden Unseres Herrn verbinden? Warum? 

Weil Unser Herr die Seelen rettet, aber von jeder Seele ihre eigene Mitarbeit verlangt. Er verlangt von jedem seine Zustimmung zum Glauben, seinen Anteil am Leiden. Und Unsere Liebe Frau, die schon vor ihrer Empfängnis vor der Erbsünde bewahrt worden war, war in gewisser Weise die am vollkommensten Erlöste – einzigartig, niemals von der Sünde berührt. Und folgerichtig hat Gott von Unserer Lieben Frau eine Mitwirkung am Werk der Erlösung verlangt, die ihrer Heiligkeit entsprach. Was für ein Geheimnis! Das ist eine zutiefst christliche, zutiefst katholische Sichtweise der allerseligsten Jungfrau Maria. Gott will die Mitwirkung seines Geschöpfes und hat Unsere Liebe Frau zum Prototyp dieser Mitwirkung gemacht.

Davon sieht man nichts im Protestantismus, der jede Mitwirkung verneint: Es ist allein Gott, der die Vorherbestimmten rettet. Das ist die Theologie Luthers. Und was suchen die Protestanten folglich? Da diese Mitwirkung nicht notwendig ist, was suchen die Protestanten logischerweise? Sie lehnen das religiöse Leben, die Kasteiungen, die Messe ab, weil die Heilige Messe nach protestantischer Auffassung eine Anstrengung, eine menschliche Mitarbeit an einem Werk ist, das nur göttlich ist. Sie lehnen die Verehrung der Heiligen ab, weil man keinen Fürsprecher, keinen Vermittler braucht. Und vor allem lehnen sie die Verehrung der Muttergottes ab. Das ist schrecklich. Das bedeutet, in gewisser Weise die Erlösung zu zerstören, wie Gott sie gewollt hat. Aber es ist logisch.

Und man muss sagen: Der Modernismus hat auf einer anderen Ebene, auf eine andere Weise dasselbe getan. Ohne es zu leugnen, entstellt der Modernismus all dies. Hinter dem unangebrachten Schutzschild eines falsch verstandenen Christozentrismus, d. h. der falschen Angst, Unserem Herrn seine zentrale Stellung zu nehmen, schmälert auch der Modernismus all dies, schmälert die menschliche Mitwirkung, die Anstrengungen, die Abtötungen. Das religiöse Leben wird nicht mehr verstanden, die Messe wird ganz anders verstanden, und Unsere Liebe Frau auch. Sie wird gewissermaßen beiseitegeschoben, mitsamt dieser Rolle, die sie beim Erlösungswerk innehat, dieser zentralen Rolle. Das ist erschütternd!

Wenn man ein wunderschönes Gemälde hat: Was tut man, um es zur Geltung zu bringen? – Man versucht, einen Rahmen zu finden, der diesem Gemälde würdig ist. Und genau das hat Gott mit der allerseligsten Jungfrau gemacht. Das wunderschöne Gemälde der Erlösung wird von der Miterlösung, von der Muttergottes selbst eingerahmt. Was für eine Weisheit! Und jetzt sagt man uns, man müsse diesen Rahmen entfernen, um die Schönheit des Gemäldes nicht zu verlieren, sondern besser würdigen zu können.

Die Muttergottes begleitet Unseren Herrn in seinem Leiden

Dreimal begleitet die allerseligste Jungfrau Unseren Herrn nach Jerusalem. Heute, am Fest der Darstellung im Tempel, der Reinigung Mariens, wird die erste Reise der Jungfrau mit Jesus nach Jerusalem begangen. Bei zwei weiteren Gelegenheiten begleitet die Muttergottes ihn, und diese drei Episoden sind miteinander verbunden, sie liegen auf derselben Achse. Sie haben einen gemeinsamen Nenner.

Heute, bei seiner Darstellung im Tempel, bietet Jesus dem Vater seine ganze Existenz an. Mit zwölf Jahren wird er, erneut begleitet von der allerseligsten Jungfrau, dem Vater seine Weisheit anbieten. Das dritte Mal wird auf Golgatha sein: Jesus wird dann von seiner Mutter begleitet, um dem Vater erneut sein eigenes Leben, seinen Leib und sein Blut darzubringen.

Was haben diese drei so unterschiedlichen Episoden gemeinsam und warum ist die allerseligste Jungfrau immer dabei? Sie begleitet Unseren Herrn dreimal in Schmerz und Leid. 

Das erste Mal am heutigen 2. Februar: Die Ankündigung Simeons: „Ein Schwert wird dein Herz durchdringen.“ Mit zwölf Jahren begleitet sie ihn erneut zum Tempel. Und wieder ein tiefer Schmerz: den Herrn verloren zu haben; das ist die unvorstellbarste Prüfung für Maria. Das dritte Mal begleitet sie ihn erneut in seinen Schmerzen; im Leiden auf Golgatha.

Aber warum muss sie es jedes Mal in Schmerzen tun, wenn sie ihn begleitet? – Weil sie Miterlöserin ist, weil sie systematisch an der Passion Unseres Herrn teilnimmt. Sie bereitet diese mit Unserem Herrn vor: Die Passion Unseres Herrn ist auch ihre Passion. Das ist offensichtlich.

Und was ist die Folge dieser Wahrheit, die im Evangelium steht (es ist keine Erfindung)? Was ist die Konsequenz daraus? 

Es ist diese: Genauso wie Maria während des gesamten Lebens Unseres Herrn gegenwärtig ist und ihm in seinem Leiden folgt – in allem, was sein Leiden vorbereitete und sich darauf bezog –, so ist Maria konsequenterweise auch weiterhin die Gefährtin Unseres Herrn. Sie spendet die Gnaden, die die Frucht der Passion sind, die auch die ihre war und an der sie seit heute, seit der Verkündigung Simeons, teilhat.

Welch großes Geheimnis verbirgt sich in diesem Schwert!

Eine letzte Überlegung. Wie konnte Unsere Liebe Frau ihren Sohn – und einen solchen Sohn – opfern? Man kann verstehen, dass sie sich selbst, ihre Existenz, ihre Jungfräulichkeit Gott darbrachte. Aber einen solchen Sohn? Wie konnte sie ihn opfern? Diesen Sohn, jungfräulich empfangen, jungfräulich geboren, dessen einzige Mutter sie war? Die menschliche Natur Unseres Herrn stammt vollständig von Maria. Aus ihrem unbefleckten Fleisch und Blut wurde die Menschheit Unseres Herrn gebildet. Logischerweise ist er der vollkommene Sohn, den sie anbetet. Wie konnte sie ihn opfern? Wie konnte sie „Ja” sagen? Nicht nur „Ich sage Ja und bleibe in Nazareth“, sondern „Ich sage Ja und begleite ihn, ich sage Ja aus Überzeugung.“ Wie konnte sie das tun? Wie lässt sich das erklären? 

Die Antwort ist ganz einfach: Maria tat es aus Liebe zu uns 

Das ist keine Fabelei! Das ist das Evangelium. Werden wir diese Lehre aufgeben? Werden wir dieses Schwert vergessen, welches das Herz Unserer Lieben Frau durchbohrt? Werden wir vergessen, was es bedeutet? Werden wir vergessen, was Unsere Liebe Frau am Fuße des Kreuzes getan hat? Werden wir die Miterlösung vergessen? 

Auf keinen Fall – das ist unser Glaube. Das ist der Kern unseres Glaubens. Das ist das Kostbarste, was wir haben. 

Am Tag des Gerichts wird Unser Herr uns seine Wunden zeigen und jeden Menschen fragen: 

„Was hast du mit meinen Wunden gemacht, was hast du mit meinem Leiden gemacht? Hast du Zuflucht in meiner Seite gesucht oder hast du die Welt vorgezogen? Was hast du mit meinem am Kreuz vergossenen Blut gemacht? Was hast du mit der heiligen Eucharistie gemacht? Was hast du mit meiner Gnade gemacht?“

Und Er wird uns auch eine letzte Frage stellen: 

„Was hast du mit meiner Mutter gemacht? 

Ich hatte nichts mehr, ich war aller Dinge beraubt, von allen verlassen, ich hatte keinen Tropfen Blut mehr in meinem Leib. Ich hatte nur noch meine Mutter bei mir – und nicht irgendeine Mutter, sondern eine Mutter, die ich vorbereitet hatte, eine unbefleckte Mutter, eine Mutter voller Gnade, die Mutter Gottes. Ich hatte sie für mich vorbereitet, um Mensch zu werden, um in diese Welt zu kommen. Eine Mutter, die mich von der Darstellung im Tempel bis zum Kreuz begleitet hat. In meinem Handeln hat sie mich nie verlassen. Ich hatte nur noch sie. Und ich habe sie dir geschenkt, damit sie in deiner Seele weiterhin etwas von meinen Zügen formen kann, etwas, was mir auf die eine oder andere Weise ähnlich ist. Ich habe dir meine Mutter geschenkt. Was hast du mit meiner Mutter gemacht? Sie hat dich in mir in der Krippe ohne Schmerzen geboren, umgeben von himmlischen Gesängen, in Armut, aber ohne Schmerzen; sie hat dich am Fuße des Kreuzes geboren. Was hast du mit ihr gemacht? Wann hast du sie gefeiert und geehrt? Hast du sie wirklich wie eine Mutter behandelt?“ 

Wir können uns dem nicht entziehen. Das ist die Frage, die unser Herr uns stellen wird. Können wir auf diese so schöne und tiefgründige Lehre verzichten, die uns die Liebe Unseres Herrn in überreichem Maße offenbart? 

Haben wir etwa Angst, dass die Muttergottes, wenn wir sie als Miterlöserin behandeln, wie sie es verdient, uns vom Geheimnis der Erlösung entfernt, in das sie selbst ganz und gar eingetaucht ist? 

Kann ein Christ diese Angst haben? Nein, das ist unzulässig! 
Kann man die Seelen auf diese Weise täuschen? Das ist unzulässig!

Kann man die Seelen von der Muttergottes entfernen, obwohl ihre Rolle nicht nur darin besteht, uns zu Unserem Herrn zu führen, sondern darüber hinaus Unseren Herrn in unseren Seelen zu formen? Das ist unzulässig!

Bischofsweihen aus Treue zur Kirche und zu den Seelen

Wir glauben, dass es an der Zeit ist, über die Zukunft der Priesterbruderschaft St. Pius X. nachzudenken, über die Zukunft aller Seelen, die wir nicht vergessen dürfen, die wir nicht verlassen dürfen, und vor allem über das Gute, das wir für die Kirche tun können. Und das wirft eine Frage auf, die wir uns schon seit langem stellen und auf die wir heute vielleicht eine Antwort geben müssen. 

Sollen wir noch warten, bevor wir daran denken, Bischöfe zu weihen? Wir haben gewartet, gebetet, die Entwicklung der Dinge in der Kirche beobachtet, wir haben um Rat gefragt. Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben, um ihm in aller Einfachheit die Situation der Bruderschaft darzulegen, ihre Bedürfnisse zu erklären und gleichzeitig dem Heiligen Vater unseren einzigen Daseinsgrund zu bestätigen: das Wohl der Seelen.

Wir haben dem Heiligen Vater geschrieben: Heiliger Vater, wir haben nur eine einzige Absicht, nämlich alle Seelen, die sich an uns wenden, zu wahren Söhnen der römisch-katholischen Kirche zu machen. Wir werden niemals eine andere Absicht haben und wir werden immer an dieser Absicht festhalten. Und das Wohl der Seelen entspricht dem Wohl der Kirche. 

Die Kirche existiert nicht in den Wolken – Die Kirche existiert in den Seelen

Es sind die Seelen, welche die Kirche bilden. Und wenn man die Kirche liebt, dann liebt man die Seelen; man will ihr Heil und man will alles tun, um ihnen die Mittel zu ihrem Heil anzubieten. Deshalb haben wir den Heiligen Vater gebeten, diese ganz besondere Situation der Priesterbruderschaft zu verstehen und ihr die Mittel zu geben, dieses Werk in einer Situation fortzusetzen, die außergewöhnlich ist – das erkennen wir an. 

Aber dieses Werk hat – noch einmal – kein anderes Ziel, als die Tradition zum Wohl der Seelen zu bewahren.

Nun, diese Gründe scheinen leider nicht zu interessieren, nicht überzeugend zu sein. Sagen wir es so: Diese Gründe haben beim Heiligen Stuhl momentan keine offene Tür gefunden. Wir bedauern das sehr. Aber was sollen wir nun tun? Sollen wir die Seelen im Stich lassen? Sollen wir ihnen sagen, es sei letztlich nicht notwendig, dass die Bruderschaft ihr Werk fortsetzt? Es sei letztendlich alles mehr oder weniger in Ordnung – mit anderen Worten: es gebe in der Kirche keinen Notstand mehr, der unser Apostolat, unsere Existenz rechtfertigen würde, um der Kirche zu helfen (nicht um sie herauszufordern, niemals!)? 

Wir sind hier, um der Kirche zu dienen. Und wir dienen der Kirche, indem wir den Glauben verkünden und den Seelen die Wahrheit sagen – und nicht, indem wir den Seelen Fabeleien erzählen.

Können wir den Seelen sagen, dass trotz allem alles gut ist? Nein! Das würde bedeuten, die Seelen zu verraten. Und die Seelen zu verraten, hieße, die Kirche zu verraten. Das können wir nicht tun. 

Der 1. Juli,  das Fest des Kostbaren Blutes Unseres Herrn

Wir denken, dass der 1. Juli ein gutes, ja ideales Datum sein könnte, denn es ist das Fest der Erlösung. Nichts anderes interessiert uns. Das Kostbarste, was wir haben, ist das Blut Unseres Herrn, das am Kreuz, am Kreuzesholz aus seinen Füßen fließt. Es wurde zuerst von der Muttergottes zu Füßen des Kreuzes angebetet, und wir beten es weiterhin zu Füßen des Altars an. Das ist das Einzige, was uns interessiert, das Einzige, was wir den Seelen geben wollen. 

Die Seelen haben ein Recht darauf, es ist kein Privileg, die Seelen haben ein Recht darauf. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen.

In den nächsten Tagen werden wir Ihnen natürlich weitere Informationen und Erklärungen zukommen lassen. Man muss gut verstehen, warum. Man muss die Tragweite gut verstehen, das ist von entscheidender Bedeutung. Aber gleichzeitig muss man dies im Gebet verstehen. Es reicht nicht aus, den Verstand vorzubereiten. Ich würde sagen, ein bloß apologetischer Ansatz reicht dafür nicht aus. Wir müssen unsere Herzen vorbereiten, das ist eine Gnade. Es ist eine Gnade, und wir müssen an dieser Gnade festhalten. Wir müssen dem Lieben Gott danken, wir müssen uns vorbereiten. Bischofsweihen, ja! Bischofskonsekrationen – noch einmal! Nicht um der Kirche zu trotzen, es ist kein Trotz. 

Ich füge noch eine letzte Überlegung hinzu: 

Ich übernehme die volle Verantwortung für diese Entscheidung. Ich übernehme sie zunächst vor Gott, ich übernehme sie vor der allerseligsten Jungfrau, vor dem Heiligen Pius X., ich übernehme sie vor dem Papst. Ich würde gerne vor dem 1. Juli den Papst treffen. Ich würde ihm gerne unsere wahren, tiefen Absichten erklären, unsere Verbundenheit mit der Kirche, damit er es weiß, damit er es versteht. Und ich übernehme diese Verantwortung natürlich vor der Kirche. Und vor der Bruderschaft, allen Mitgliedern der Bruderschaft und – ich wiederhole es noch einmal – vor allen Seelen, die sich auf die eine oder andere Weise an uns wenden, uns jetzt oder in Zukunft um Hilfe bitten – all diesen Seelen, all diesen Berufungen, die uns die Vorsehung gesandt hat und weiterhin sendet. Ich übernehme diese Verantwortung auch vor diesen Seelen – vor jeder einzelnen, denn eine Seele hat einen unendlichen Wert.

In der Kirche ist das Heil der Seelen

Und in der Kirche ist – vergessen Sie das niemals – das Heil der Seelen, das Gesetz der Gesetze, das Gesetz, das über allen anderen steht.

Nicht das Geschwätz ist das Gesetz, nicht die Synode, nicht die Ökumene, nicht die liturgischen Experimente, nicht die neuen Ideen, nicht die neuen Evangelisierungen, sondern das Heil der Seelen. Das ist das Gesetz aller Gesetze. Und wir haben – jeder an seinem Platz – die Pflicht, dieses Gesetz zu befolgen und uns ganz dafür einzusetzen. 

Warum?  Und damit komme ich zum Schluss: Heute lehren uns nämlich Unsere Liebe Frau und Unser Herr, dass sie während ihres Erdendaseins keine andere Idee, kein anderes Ziel hatten, als die Seelen zu retten. 

Und wie gesagt, auf die eine oder andere Weise muss jeder von uns entsprechend seinen Talenten und seiner Stellung alles tun, was er kann, muss seinen Beitrag leisten, um seine eigene Seele und die der anderen zu retten. Amen.

Quelle: FSSPX Distrikt Deutschland

Die katholische überlieferte hl. Messe bedarf keiner „Sonderregelung“

Pater Louis-Marie de Blignières hat den Kardinälen am Vorabend des Konsistoriums vom 7. und 8. Januar 2026 einen Brief geschickt, in dem er ihnen einen „Weg“ für den traditionellen Ritus vorschlägt.

Erzbischof Marcel Lefebvre brachte eine grundlegende Überzeugung zum Ausdruck: Der Schutz der Liturgie ist untrennbar mit der Wahrheit des Glaubens verbunden. Dreißig Jahre später zeigt sich die Frucht dieser kompromisslosen Haltung in der anhaltenden Vitalität der traditionellen hl. Messe, in einem lebendigen und wachsendem Glaubensleben der Gemeinden dort, wo sie treu bewahrt wurde.

Ein Kompromiss bleibt stets ein Kompromiss: Er mag kurzfristig scheinbaren Schutz bieten, kann aber auf Dauer nicht bestehen. Die katholische überlieferte hl. Messe bedarf keiner „Sonderregelung“, sondern der uneingeschränkten Anerkennung dessen, was sie ist. 

Angst ist kein guter Ratgeber

Hinter den höflichen Formulierungen über „Dialog“ und „stabilen pastoralen Rahmen“ verbirgt sich eine viel härtere Realität. Es geht darum, Rom um die Einrichtung einer Sondergerichtsbarkeit für die sogenannte tridentinische Messe zu bitten, die sich am Modell der Militärordinariate orientiert. Mit anderen Worten: eine persönliche, nicht territoriale Struktur unter der direkten Autorität des Heiligen Stuhls, in der Priester und Gläubige, die dem alten Ritus verbunden sind, zusammengefasst würden.

Der Werdegang von Pater de Blignières, dem Gründer der Bruderschaft Saint-Vincent-Ferrier, verdeutlicht diesen Ansatz. Nach den Weihen von Écône durch Marcel Lefebvre gehörte er 1988 zu denen, die den Dialog mit Rom suchten und zur Einrichtung der Kommission Ecclesia Dei beitrugen. Ziel und Prinzip waren klar. Ein vermeintliches „Schisma“ sollte vermieden werden, im Gegenzug für eine vorläufige Erlaubnis, weiterhin nach den vor der Reform Pauls VI. geltenden liturgischen Büchern zu feiern. Dies jedoch unter der Bedingung, die Legitimität des neuen liturgischen Ordo und des Zweiten Vatikanischen Konzils uneingeschränkt anzuerkennen. Diese Forderung nach der Erlaubnis beruhte auf der Angst vor einem Schisma und dem Streben nach institutioneller Anerkennung.

Ein Modell nach dem Vorbild der Militärordinariate

Der aktuelle Vorschlag steht genau in dieser Kontinuität. Pater Matthieu Raffray (Institut du Bon Pasteur), der mit der Erläuterung seiner Tragweite beauftragt ist, betont in einem Interview mit Diane Montagna, dass es sich weder um eine an Papst Leo XIV. gerichtete Bitte noch um eine Forderung handelt, sondern lediglich um eine den Kardinälen vorgelegte „Arbeitshypothese“.

Das herangezogene Modell ist das der Militärordinariate. Ein Ordinariat ist eine persönliche Gerichtsbarkeit, die dazu dient, einem spezifischen und besonderen pastoralen Bedarf gerecht zu werden. 

Die Anwendung dieses Modells auf die traditionelle Liturgie läuft implizit darauf hinaus, sie als besonderen, marginalen Bedarf und nicht als katholische Norm zu qualifizieren. Die vorgeschlagene Gerichtsbarkeit würde sich den Diözesen überlagern, ohne sie zu ersetzen, und „in Abstimmung“ mit den örtlichen Bischöfen arbeiten. Im Klartext: Der traditionelle Ritus würde in einen parallelen Raum verbannt und toleriert, solange er die bestehende Ordnung nicht stört.

Man kann nicht zwei Herren dienen

Die Berufung auf den liturgischen Pluralismus

Dieses Konstrukt beruht auf einer sorgfältig gepflegten doktrinären Verwirrung. Pater de Blignières und seine Anhänger schlagen vor, dass die Lösung in der Anerkennung „zweier unterschiedlicher lateinischer Riten“ bestehen würde: eines alten und eines reformierten Ritus. Diese Idee ist jedoch sowohl Summorum pontificum als auch Traditionis custodes fremd. Benedikt XVI. hat nie zwei römische Riten anerkannt, sondern „zwei Gebräuche eines einzigen römischen Ritus“ (duo usus unici ritus romani). Diese Unterscheidung ist von entscheidender Bedeutung. Es handelte sich keineswegs um einen Pluralismus der Riten, wie er legitimerweise zwischen dem römischen Ritus, dem ambrosianischen Ritus oder dem dominikanischen Ritus besteht, sondern um eine außergewöhnliche pastorale Toleranz, die gewährt wurde, um die „kirchliche Gemeinschaft“ der Gläubigen, die durch die Reform Pauls VI. beunruhigt waren, zu erleichtern.

Diese Kontinuität erklärt übrigens, warum Franziskus diesen außerordentlichen Brauch ohne innere Inkohärenz des Systems einschränken und dann marginalisieren konnte. Sobald man zugesteht, dass das Messbuch von Paul VI. der normale, gewöhnliche und normative Ausdruck des einzigen römischen Ritus ist, kann das traditionelle Messbuch nur noch als Zugeständnis bestehen bleiben, das von Natur aus widerrufbar ist. Die Institute Ecclesia Dei haben diesen Grundsatz von Anfang an akzeptiert: Um die Erlaubnis zu behalten, mussten sie jede grundlegende Kritik am Novus Ordo Missae zurückweisen und leugnen, dass dieser einen anderen Ritus oder eine andere Theologie der Messe zum Ausdruck bringe. Daraus ergibt sich eine konstitutive Unsicherheit, die weder durch Indulte noch durch Summorum pontificum noch heute durch eine besondere Jurisdiktion wirklich gelöst werden kann.

Es brauchte zu allen Zeiten Mut um Glauben und Seelen zu retten

Genau hier unterscheidet sich die Position der Bruderschaft St. Pius X. radikal. Die Bruderschaft betrachtet das sogenannte Messbuch des heiligen Pius V. – in seiner letzten Ausgabe von 1962 – als den einzigen legitimen Ausdruck des römisch-katholischen Ritus. Sie sieht im Messbuch von Paul VI. keine homogene Reform, sondern einen schwerwiegenden Bruch, der durch eine Protestantisierung der lex orandi gekennzeichnet ist und im Widerspruch zur dogmatischen Definition des Messopfers durch das Konzil von Trient steht. Daher ist die Verweigerung des Gehorsams keine disziplinäre Laune, sondern ein angemessener Widerstand gegen eine große Gefahr für den Glauben und das Seelenheil.

Die Notwendigkeit einer Entscheidung

Der von Pater de Blignières erträumte liturgische Pluralismus stellt also niemanden zufrieden. Für das heutige konziliare Rom ist er unmöglich, da die Verwendung des tridentinischen Messbuchs niemals zum gewöhnlichen Gebrauch eines eigenständigen Ritus werden kann. Es wird bestenfalls immer ein tolerierter außerordentlicher Gebrauch bleiben. Für die Bruderschaft St. Pius X. ist er unzureichend und inakzeptabel, da er darauf hinausläuft, eine mangelhafte Liturgie als normativ anzuerkennen und gleichzeitig die wahrhaft katholische Liturgie in einen Ausnahmezustand zu verbannen. Zwischen dem juristischen „Notbehelf“ und der „Überlebensoperation“ der Tradition ist die Wahl klar.

Der Sommer 1988 war ein entscheidender Moment. Erzbischof Marcel Lefebvre entschied sich damals, die Messe zu retten, um den Glauben zu retten, auch wenn dies eine institutionelle Marginalisierung bedeutete. Dreißig Jahre später zeigt die traditionelle Messe eine schöne Vitalität, sicherlich auch in der Bewegung Ecclesia Dei, aber vor allem dank eines Episkopats, das von der modernistischen Ansteckung verschont geblieben ist und in der Lage ist, die Dauerhaftigkeit, Kohärenz und vollständige Weitergabe des Glaubens zu gewährleisten.

Fazit: Treue kennt keine Kompromisse

Die von Rom abhängigen Gemeinschaften hingegen sind derzeit vom guten Willen der konziliaren Autoritäten abhängig, gezwungen, ständig ihre Existenz zu rechtfertigen und zu akzeptieren, dass die Messe als tolerierte Option behandelt wird.

Daher ist die Frage nicht nur strategischer, sondern auch moralischer Natur. Wie weit kann man institutionelle Kompromisse akzeptieren, ohne die Wahrheit zu verraten? Eine liturgische „Reserve“, so wohlwollend sie auch präsentiert werden mag, bleibt eine Reserve: ein Ort, an dem man das, was eigentlich stört, ablegt. Die katholische Messe braucht keinen Sonderstatus, um zu überleben – sie muss als das anerkannt werden, was sie ist. 

Zwischen einem bedingten Überleben und einer kompromisslosen Treue hat das nun abgeschlossene Konsistorium – durch seine Ausgrenzung der traditionellen Messe – deutlich gezeigt, welcher Weg für die Kirche wirklich fruchtbar und realistisch ist und welcher nicht. 
 

Quellen: FSSPX Distrikt Deutschland / InfoVaticana / Catholic Herald / Diane Montagna / Courrier de Rome/FSSPX Actualités) Illustration: Paris – Louis-Marie de Blignières — Photo par Peter Potrowl, via Wikimedia Commons, licence Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).

Die Dauerkrise eines päpstlichen Protegés

Papst Franziskus fügte der Kirche – laut eigenem Anspruch – „irreversiblen“ Schaden zu. Der personifizierte Ausdruck dieses Erbes ist Glaubenspräfekt Victor Manuel „Tucho“ Fernández.

Da im Advent in den USA alljährlich The Sound of Music ausgestrahlt wird, erinnert sich Charles Collins, ehemaliger Mitarbeiter von Radio Vatikan und heute verantwortlicher Redakteur des US-amerikanischen katholischen Nachrichtenportals Crux, daran, wie die Nonnen dort ratlos über Maria singen: „How do you solve a problem like Maria?“ Gemeint ist eine junge Novizin namens Maria. Genau diese Zeile fällt Collins ein in Bezug auf Kardinal Víctor Manuel Fernández, jenen argentinischen Intimus nun schon zweier Pontifikate, der seit seiner Ernennung 2023 an die Spitze des Dikasteriums für die Glaubenslehre mehr Unruhe stiftet, als dieses Amt verträgt. Und tatsächlich wirkt der Präfekt für viele wie eine Figur, die stets „verwirrt und unberechenbar“ erscheint – nur geht es in diesem Fall nicht um eine Musical-Komödie, sondern um die Schaltzentrale des kirchlichen Lehramtes.

Ein Präfekt im Dauerstolpern

Victor Manuel Fernández, genannt „Tucho“, seit Jahrzehnten eng mit Jorge Mario Bergoglio verbunden, genoß unter Papst Franziskus eine auffällige Immunität gegenüber Kritik und eine bemerkenswerte Freiheit, Theologisches in eine eigenwillige Pastoralprosa umzugießen. Diese bergoglianische Protektion, die zumindest bis in das Jahr 1997 zurückreichte und sich nicht wirklich erklärt, schwemmte Fernández von hohen zu immer höheren Positionen – jede um einige Schuhnummern zu groß für ihn, wie Kritiker meinten, die ihn näher kennen.

Seine früheren Publikationen, darunter die notorisch zitierten Büchlein über „Küssen“ und „Orgasmus“ wären als jugendliche Unbedarftheiten zu entschuldigen, wäre er zum Zeitpunkt ihrer Abfassung nicht schon gegen 40 und seit vielen Jahren zum Priester geweiht gewesen. Aber selbst da hätte man wohl noch zwei Augen zudrücken können, hätte er später als Ghostwriter und Souffleur Bergoglios spätestens nach dessen Wahl zum Papst eine klare Linie, intellektuelle Tiefe oder wenigstens kirchenpolitisches Fingerspitzengefühl gezeigt. Doch von alldem ist erstaunlich wenig zu sehen. Stattdessen reiht sich seit seinem Amtsantritt in Rom Zwischenfall an Zwischenfall wie Perlen an einer Kette – nur daß diese Perlen jedes Mal die Fassade Roms ein Stück weiter zerkratzen.

War das gar die Absicht, der letzte bergoglianische „Streich“, um das in manchen Kreisen zutiefst verhaßte Heilige Offizium, die Glaubenskongregation (von Franziskus nicht zufällig in Glaubensdikasterium umbenannt), restlos zu demontieren?

Der Eklat um Fiducia supplicans war ein Paradebeispiel für diese destruktive Dramaturgie. Mit der Zulassung zu Segnungen für Paare in irregulären Verbindungen, explizit auch für Homo-Paare, trieb Fernández einen Keil in die Weltkirche, wie ihn kein päpstliches Dokument der jüngeren Zeit hervorgerufen hat. Am 11. September 2023 trat Fernández sein römisches Amt als Glaubenspräfekt an, bereits am 18. Dezember legte er Franziskus Fiducia supplicans zur Unterschrift vor, die dieser ohne Zögern leistete. Das Tempo ist zu schnell, als daß nicht angenommen werden müßte, daß Protegé und Mentor nicht schon längst Vorarbeit geleistet hatten.

Afrikanische Bischofskonferenzen verweigerten die Umsetzung, die ukrainische griechisch-katholische Kirche, die Bischöfe Ungarns, der Niederlande, von Astana und andere mehr erklärten öffentlich, man werde das Papier ignorieren, und die koptisch-orthodoxe Kirche brach den Dialog mit Rom ab.

Wochenlang mußten vatikanische Stellen beschwichtigend nacharbeiten, Tucho selbst tat es mit der ihm offenbar eigenen Peinlichkeit (die Homo-Segnungen dürften nur maximal 15 Sekunden dauern); bis schließlich Papst Franziskus selbst zur Beruhigung intervenieren mußte und im Duo mit Fernández akrobatische „Einschränkungen“ improvisierte. Was Franziskus nicht ohne die für ihn typischen Seitenhiebe tat und Kritiker als Heuchler und Ideologen beschimpfte.

Auf die eigentliche Kritik, daß Fiducia supplicans die Wahrheit verdunkelt, gingen die Bergoglianer nicht ein. Insgesamt ist Fiducia supplicans nur im Kontext jener von Franziskus betriebenen Kapitulation in Sachen Homosexualität zu verstehen. Selbst wer Bergoglio gewogen ist, konnte sich dem Eindruck nicht entziehen, daß mit Tucho Fernández an der Spitze des Glaubensdikasteriums diese zentrale kirchliche Autorität in Brand gesetzt wurde, die er eigentlich schützen sollte.

Zu dieser Linie paßt neben weiteren Pannen und Pleiten auch die Episode um die lehrmäßige Note Mater populi fidelis, jenes Dokument, das den seit Jahrzehnten gebräuchlichen Begriff Corredemptrix, auf deutsch Miterlöserin, für Maria praktisch untersagt – und das alles, ohne eine auch nur annähernd überzeugende theologische Begründung vorzulegen. Daß Fernández anschließend in einem Interview erneut nachlegte und erklärte, privat könne man den Titel schon verwenden, nur eben nicht offiziell, und die Entscheidung sei keine Verurteilung früherer Verwendungen durch viele Heilige und Päpste, sondern gelte „immer“, aber im Sinne von „ab jetzt“, war kaum geeignet, die Verwirrung zu mildern. Auch Collins fragt sich, warum ein Glaubenspräfekt Themen aufwärmt, die kein Konfliktfeld sind, und sie dann mit der denkbar geringsten Sensibilität für kirchliche Tradition und Frömmigkeit abräumt.

Ähnlich unglücklich wirkt die jüngste lehrmäßige Note Una caro, die angeblich die Problematik der Polygamie in Afrika im Blick hat, faktisch aber fast ausschließlich auf europäische Sexualtheologen der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückgreift. Keine anthropologischen Realitäten, keine konkreten sozialen Verwerfungen, kein Blick auf die Kinder und Frauen, die unter polygamen Verhältnissen leiden. Man gewinnt den Eindruck, daß Porno-Präfekt Fernández, Spezialist für das Küssen, an dem Thema Sexualität hängt und weniger die Kirche adressiert als irgendein akademisches (?) Auditorium, das nur zufällig in Rom sitzt.

Ein System der Protektion und seine Folgen

Jorge Mario Bergoglio, Tuchos Entdecker und großer Mentor, ist am 21. April 2025 verstorben. Daß sich Fernández und seine Linie trotz fortgesetzter Fehlleistungen über dessen Tod hinaus auch im neuen Pontifikat halten können, hat weniger mit theologischer Brillanz als mit einem Geflecht persönlicher Loyalitäten zu tun, das über Jahre in Argentinien gewachsen ist und sich im Vatikan als erstaunlich widerstandsfähig erweist.

Die Beförderungen im Umfeld ehemaliger argentinischer Mitarbeiter sind dafür ein sprechendes Indiz. Ein Beispiel ist Daniel Pellizzon, an den Caminante Wanderer erinnert. Pellizzon ordnete 2011/2012 das persönliche Archiv Bergoglios, arbeitete dann mit Tucho Fernández an der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien, wurde 2018 zum Priester geweiht, stieg 2023 zum persönlichen Sekretär von Papst Franziskus auf und wurde nach dessen Tod wieder nach Buenos Aires zurückgeschickt: Wenn jemand, der einst aus dem Seminar entfernt wurde und später „aus Barmherzigkeit“ (und Intervention) gerade noch zur Priesterweihe gelangte, heute eine der attraktivsten Pfarreien von Buenos Aires übernehmen darf, dann ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das nicht fachliche Eignung belohnt, sondern Zugehörigkeit zu einem Kreis. 

Wer dazugehört, wird befördert und auch geschützt; wer nicht dazugehört, verschwindet aus den Sichtachsen und wird trotz aller Fähigkeiten nichts. Und in diesem System, aufgebaut und gefördert von Jorge Mario Bergoglio, bewegt sich Fernández wie ein Fisch im Wasser.

All dies führt zurück zu jener Leitfrage, die Collins etwas humorvoll verpackt, aber nicht zufällig und durchaus ernst aufwirft: Wie löst man ein Problem wie Tucho Fernández? Während im Film die rebellische Novizin namens Maria einfach in ein neues Umfeld versetzt wird und dort aufblüht, verfügt der Vatikan über keine vergleichbare Option. Wohin sollte ein Präfekt der Glaubenslehre „wegbefördert“ werden, ohne daß das Amt selbst Schaden nimmt? Das ist jedoch die falsche Frage. Und wenn in entscheidenden Momenten falsche Fragen gestellt werden, sollte man sich auch fragen, warum dies geschieht.

Der Schaden ist bereits angerichtet. Und man muß hinzufügen, daß dieser von Franziskus, der eine sehr akzentuierte und zielgerichtete Personalpolitik betrieb, auch genau so gewollt war. Schwerwiegender erscheint, warum Leo XIV. seine Unterschrift unter die bergoglianischen Tucho-Dokumente setzt. Nichts und niemand kann ihn dazu zwingen. Überhaupt erstaunt das leoninische Pontifikat durch die ungewöhnliche Vielzahl von Dokumenten, die von Franziskus gewollt und unter diesem vorbereitet wurden, aber jetzt erst veröffentlicht werden. Warum sieht sich Leo XIV. in lehramtlichen Fragen an seinen Vorgänger gebunden, während er in verwaltungstechnischen Angelegenheiten keine Probleme hat, Franziskus-Entscheidungen aufzuheben, zurückzunehmen und abzuschaffen. Über Hintergründe mag man spekulieren, Fakt ist jedoch, daß ein Papst, der ein Dokument unterzeichnet, dafür die Verantwortung trägt und zwangläufig angenommen werden muß, daß es genau seine Überzeugung widerspiegelt.

Dieser Makel lastet auf dem aktuellen Pontifikat und Tucho Fernández ist die Bleikugel am Bein des neuen Papstes.

Sie zieht durch widersprüchliche Dokumente, schlecht abgewogene Interventionen und ideologische Experimente im Kurzschlußmodus nicht nur Leo XIV. in die Tiefe, sondern die Autorität der Glaubenskongregation (Glaubensdikasterium) und der kirchlichen Lehrautorität überhaupt.

Wie lange kann sich dieses Pontifikat, wie lange kann sich die Kirche einen Glaubenspräfekten Tucho Fernández und das bergoglianische Protektionssystem noch leisten? Der hochbetagte Kardinal Joseph Zen gab bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Fiducia supplicans die Antwort: Kardinal Victor Manuel Fernández sollte zurücktreten.

Quelle: katholisches / G. Nardi, Bild: 0221 (Screenshot)

Islamisten verüben Massaker im Kongo

Katholische Kirche wurde niedergebrannt © Open Doors (Screenshot)

Islamistischer Terror – Katholische Kirche niedergebrannt

Mindestens 25 Menschen wurden in Nord-Kivu im östlichen Kongo bei einer Reihe von Angriffen ermordet, die den dschihadistschen Rebellen der ADF zugeschrieben werden.

Wie Oberst Alain Kiwewa, Militärverwalter des Gebiets Lubero, mitteilte, „haben die ADF seit der Nacht des 24. Januar die Bevölkerung des Dorfes Musenge im Gebiet Lubero in Angst und Schrecken versetzt, wo sie mehrere Häuser (fast das gesamte Dorf), ein Gesundheitszentrum und eine katholische Kirche niedergebrannt haben“.

Er erklärt weiter: „Ein Großteil der lokalen Bevölkerung ist auf der Flucht in die mindestens 30 Kilometer entfernte Stadt Butembo. Die aktuelle Opferzahl ist nur vorläufig. Wir warten auf weitere Informationen der Sicherheitskräfte, die in der Region im Einsatz sind, um eine vollständige Bilanz zu erhalten.“

Das Dorf Musenge gehört zur Region Mwenye, wo die ständigen Angriffe der ADF-Islamisten zu einer Situation großer Unsicherheit geführt haben. Frühere Angriffe in diesem Gebiet bereits über 25 Todesopfer gefordert und 63 Häuser in Brand gesetzt.
 
Die ADF greift auch weiter in der benachbarten Provinz Ituri an, wo in der Nacht vom 24. Januar mindestens drei Zivilisten bei einem doppelten Angriff auf die Dörfer Ahombo und Mangwalo im Gebiet Irumu ermordet wurden. Laut lokalen Quellen wird auch das Verschwinden einer unbekannten Anzahl von Einwohnern der beiden angegriffenen Dörfer gemeldet.

Bischof Bulus beklagt ständigen Terror

Bischof Bulus Dauwa Yohanna von der katholischen Diözese Kontagora in Nigeria sorgt sich um die verschlechterte Sicherheitslage. Die Menschen in den Verwaltungsbezirken Agwara und Borgu lebten in ständiger Todesangst, sagte er zur Eskalation der Banditenaktivitäten in diesen beiden Verwaltungsbezirken des Bundesstaats Niger. „Banditentum und gewalttätige Überfälle lähmen das Bildungswesen, die Landwirtschaft und das Gemeinschaftsleben.“ Der Oberhirte zeichnete ein düsteres Bild vom täglichen Leben in der Region.„Derzeit funktioniert die Rechtsstaatlichkeit in Nord-Borgu nicht mehr. Banditen treiben sich Tag und Nacht ungehindert herum, ohne dass ihnen jemand etwas entgegensetzt.“

Zudem warnte Bischof Bulus vor wirtschaftlichen und ernährungssicherheitstechnischen Folgen, wenn die Unsicherheit nicht dringend angegangen werde.

Der Bischof appellierte an die Bundes- und Landesregierungen, in Agwara eine voll ausgestattete Militärbasis sowie Polizeistationen und Kontrollpunkte einzurichten.

„Die Militärbasis sollte über eine vollständig mobile und gepanzerte Einheit verfügen, die in der Lage ist, die Banditen zu verfolgen und festzusetzen, sobald sie ihre Verstecke verlassen, um die Bevölkerung zu terrorisieren.“

Kardinal Joseph Zen über das Konsistorium in Rom

Kardinal Joseph Zen, Papst Leo XIV., P. Carlos Cheun (Sekretär des Kardinals) © Vatican Media

Bericht des 94-jährigen chinesischen Kardinals Joseph Kardinal Zen Ze-kiun SDB über das Konsistorium in Rom (07. – 09.01.2026).

Liebe Brüder und Schwestern,

ich bin seit einer Woche wieder in Hongkong, nachdem ich aus Rom zurückgekehrt bin. Ihr habt euch sicher gefragt, warum ich euch noch nicht online berichtet habe, wie ich die letzten zwei Wochen verbracht habe. Ihr habt geduldig gewartet; bitte verzeiht mir.

Die Woche in Rom war wirklich wunderbar.

Da mein Verhalten bei meinen beiden vorherigen Auslandsreisen als zufriedenstellend eingestuft wurde, verlangte die Polizei diesmal weder einen Bürgen noch eine Kaution. Sie stellten mir meinen Pass direkt aus. Welch ein Segen! Ich reiste am Abend des 04.01. problemlos ab und kam am Mittag des 05.01. wohlbehalten in Rom an. Dort wurde ich von Pater Carlos Cheung begleitet. Ich wohnte in der Päpstlichen Salesianer-Universität, und die Gastfreundschaft des Rektors war in jeder Hinsicht vorbildlich.

Am Morgen des 06.01., dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, zelebrierte ich die Messe in meiner Titelkirche, der Kirche Santa Maria Madre del Redentore. Dies gab mir das Gefühl, wirklich ein Pfarrer im Bistum des Papstes zu sein. Am Morgen des 07.01. feierte ich die Messe im Petersdom und bat den Herrn um seinen Segen für das Treffen der Kardinäle, das am Nachmittag beginnen sollte.

Wenig später gewährte mir der Papst eine Privataudienz. Er war sehr herzlich und sprach eine halbe Stunde mit mir. Ich sprach viel, er hörte aufmerksam zu. Er ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!

Das Konsistorium begann am Nachmittag des 07.01.2026

Ursprünglich waren vier Themen vorgesehen:

  1. Evangelii Gaudium (das erste Apostolische Schreiben von Papst Franziskus)
  2. „Synodalität“
  3. Die Reform der Römischen Kurie (siehe Praedicate Evangelium)
  4. Die Tridentinische Messe und die Messe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

In letzter Minute wurde aus Zeitmangel beschlossen, dass alle nur zwei Themen zur Diskussion auswählen und darüber abstimmen sollten. Schließlich wurden die Themen 1 und 2 gewählt. (Meiner Meinung nach wurde damit ein ganzer Nachmittag verschwendet).

08.01.2026

  • Vormittag: Konzelebration der Messe mit dem Papst
  • Diskussion über Thema 1
  • Mittagessen mit dem Papst
  • Nachmittag: Diskussion über Thema 2

Aus einem geplanten zweitägigen Treffen wurde eine eintägige Veranstaltung. Noch schlimmer: Der Ablauf des Treffens ähnelte der noch nicht lange zurückliegenden „Synode“. 

Alle saßen an runden Tischen und unterhielten sich. Die Diskussionszeit in der Plenarversammlung war sehr begrenzt – nur zwei Sitzungen à 45 Minuten, und jeweils hatten nur fünfzehn Personen die Gelegenheit, zu sprechen.

Obendrein hielt vor Beginn der Sitzung jener „Prediger“ der Synode den Kardinälen eine Homilie. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre verteilte ebenfalls ein Dokument. Auch der Generalsekretär des Synodensekretariats ergriff das Wort. Obwohl Thema 4 diesmal nicht zur Debatte stand, verteilte der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst dennoch ein Dokument. Offenbar betrachteten einige Leute dieses Konsistorium als eine Fortsetzung der „Synode über die Synodalität“.

Ich neige zu „Verschwörungstheorien“ und vermute, dass dieses Treffen von Papst Franziskus’ „Gefolgsleuten“ unterwandert wurde. Sie taten ihr Möglichstes, um die Kardinäle an der Meinungsäußerung zu hindern.

Doch ist das nicht genau das Gegenteil dessen, wofür Papst Leo das Konsistorium einberufen hat?

Nach dem Treffen bemerkten auch einige Kardinäle, dass es ernsthafte Probleme mit der Organisation gegeben habe. Anders als ich neigten sie jedoch nicht zu „Verschwörungstheorien“. Manche meinten, es läge vielleicht einfach daran, dass es zum Ende des Heiligen Jahres zu viele Veranstaltungen gab und Papst Leo daher die Vorbereitung des Konsistoriums nicht persönlich überwachen konnte.

Ich hatte einen Text vorbereitet, um zur Diskussion über Thema 1 beizutragen. Da jedoch jede Rede auf drei Minuten begrenzt war, konnte ich ihn nicht vollständig vorlesen und nur die Kernpunkte präsentieren. Anschließend gab ich den vollständigen Text mehreren Kardinälen, und er gelangte schnell in die Hände von Journalisten.

Der Papst ermutigte alle, offen zu sprechen. Ich kritisierte die „Synode“ und ihre sogenannten Maßnahmen zur „Umsetzungsphase“ mit recht scharfen Worten.

Ich weiß, dass in den vergangenen Monaten einige Kardinäle ähnliche Ansichten wie ich geäußert hatten. Doch in der Sitzung sprachen nur sehr wenige, und selbst diejenigen, die sprachen, taten dies sehr „höflich“. Leider wurde ich damit zum einzigen „Schwarzen Schaf“ (the only „bad child“).

Nach meinem Beitrag schien es, als würden mich einige Leute missbilligend ansehen. Doch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Sitzung brachten viele Brüder und Schwestern des „traditionellen Lagers“ ihre Anerkennung zum Ausdruck.

Ich habe nicht auf die Reaktion des Papstes geachtet. Aber ich weiß und glaube fest daran, dass er eine Leitungspersönlichkeit ist, der zuhören kann.

Was ist also mein Gesamteindruck von diesem Treffen? Tiefe Dankbarkeit.

Die Entscheidung des Papstes, ein Konsistorium einzuberufen, ist ein sehr willkommener „Durchbruch“. Unmittelbar danach kündigte er an, dass Ende Juni ein weiteres Konsistorium stattfinden wird; und dass von nun an jährlich eines abgehalten werden soll und es über einen längeren Zeitraum dauern soll. Die Prozeduren werden sicherlich verbessert, damit der Papst den loyalen Meinungen seiner Mitbrüder ausführlich Gehör schenken kann.

Der Herr segne Papst Leo XIV.


Warum habe ich nach meiner Rückkehr nach Hongkong bis heute gewartet, um Ihnen all dies mitzuteilen? Womit war ich so beschäftigt?

Abgesehen von der Erholung habe ich viele „Geburtstagsessen“ genossen. Viele Menschen haben mich aus Liebe eingeladen; und ich habe die Einladungen angenommen – halb widerwillig, halb zustimmend.

Ich war ein Jahr lang krank gewesen und habe zehn Kilogramm abgenommen. Nach und nach habe ich sieben Kilogramm wieder zugenommen, aber aus irgendeinem Grund stagniert mein Gewicht nun. Der Arzt möchte, dass ich weitere drei Kilogramm zunehme. Er sagte: „Schränken Sie Ihre Ernährung nicht ein – nehmen Sie erst einmal zu.“ Auf den Arzt zu hören, kann ja nicht so falsch sein, oder?

An dieser Stelle möchte ich allen Brüdern und Schwestern, die für mich gebetet haben, meinen tief empfundenen Dank aussprechen. (Gott sei Dank für die Gnaden, die Er mir in diesen 94 Jahren geschenkt hat. Möge der Herr mir meine Sünden und Fehler vergeben. Und die Tage, die er mir noch schenkt, werde ich nicht ablehnen.)

Quelle: gloria.tv, kath.net, fsspx.de