Die Dauerkrise eines päpstlichen Protegés

Papst Franziskus fügte der Kirche – laut eigenem Anspruch – „irreversiblen“ Schaden zu. Der personifizierte Ausdruck dieses Erbes ist Glaubenspräfekt Victor Manuel „Tucho“ Fernández.

Da im Advent in den USA alljährlich The Sound of Music ausgestrahlt wird, erinnert sich Charles Collins, ehemaliger Mitarbeiter von Radio Vatikan und heute verantwortlicher Redakteur des US-amerikanischen katholischen Nachrichtenportals Crux, daran, wie die Nonnen dort ratlos über Maria singen: „How do you solve a problem like Maria?“ Gemeint ist eine junge Novizin namens Maria. Genau diese Zeile fällt Collins ein in Bezug auf Kardinal Víctor Manuel Fernández, jenen argentinischen Intimus nun schon zweier Pontifikate, der seit seiner Ernennung 2023 an die Spitze des Dikasteriums für die Glaubenslehre mehr Unruhe stiftet, als dieses Amt verträgt. Und tatsächlich wirkt der Präfekt für viele wie eine Figur, die stets „verwirrt und unberechenbar“ erscheint – nur geht es in diesem Fall nicht um eine Musical-Komödie, sondern um die Schaltzentrale des kirchlichen Lehramtes.

Ein Präfekt im Dauerstolpern

Victor Manuel Fernández, genannt „Tucho“, seit Jahrzehnten eng mit Jorge Mario Bergoglio verbunden, genoß unter Papst Franziskus eine auffällige Immunität gegenüber Kritik und eine bemerkenswerte Freiheit, Theologisches in eine eigenwillige Pastoralprosa umzugießen. Diese bergoglianische Protektion, die zumindest bis in das Jahr 1997 zurückreichte und sich nicht wirklich erklärt, schwemmte Fernández von hohen zu immer höheren Positionen – jede um einige Schuhnummern zu groß für ihn, wie Kritiker meinten, die ihn näher kennen.

Seine früheren Publikationen, darunter die notorisch zitierten Büchlein über „Küssen“ und „Orgasmus“ wären als jugendliche Unbedarftheiten zu entschuldigen, wäre er zum Zeitpunkt ihrer Abfassung nicht schon gegen 40 und seit vielen Jahren zum Priester geweiht gewesen. Aber selbst da hätte man wohl noch zwei Augen zudrücken können, hätte er später als Ghostwriter und Souffleur Bergoglios spätestens nach dessen Wahl zum Papst eine klare Linie, intellektuelle Tiefe oder wenigstens kirchenpolitisches Fingerspitzengefühl gezeigt. Doch von alldem ist erstaunlich wenig zu sehen. Stattdessen reiht sich seit seinem Amtsantritt in Rom Zwischenfall an Zwischenfall wie Perlen an einer Kette – nur daß diese Perlen jedes Mal die Fassade Roms ein Stück weiter zerkratzen.

War das gar die Absicht, der letzte bergoglianische „Streich“, um das in manchen Kreisen zutiefst verhaßte Heilige Offizium, die Glaubenskongregation (von Franziskus nicht zufällig in Glaubensdikasterium umbenannt), restlos zu demontieren?

Der Eklat um Fiducia supplicans war ein Paradebeispiel für diese destruktive Dramaturgie. Mit der Zulassung zu Segnungen für Paare in irregulären Verbindungen, explizit auch für Homo-Paare, trieb Fernández einen Keil in die Weltkirche, wie ihn kein päpstliches Dokument der jüngeren Zeit hervorgerufen hat. Am 11. September 2023 trat Fernández sein römisches Amt als Glaubenspräfekt an, bereits am 18. Dezember legte er Franziskus Fiducia supplicans zur Unterschrift vor, die dieser ohne Zögern leistete. Das Tempo ist zu schnell, als daß nicht angenommen werden müßte, daß Protegé und Mentor nicht schon längst Vorarbeit geleistet hatten.

Afrikanische Bischofskonferenzen verweigerten die Umsetzung, die ukrainische griechisch-katholische Kirche, die Bischöfe Ungarns, der Niederlande, von Astana und andere mehr erklärten öffentlich, man werde das Papier ignorieren, und die koptisch-orthodoxe Kirche brach den Dialog mit Rom ab.

Wochenlang mußten vatikanische Stellen beschwichtigend nacharbeiten, Tucho selbst tat es mit der ihm offenbar eigenen Peinlichkeit (die Homo-Segnungen dürften nur maximal 15 Sekunden dauern); bis schließlich Papst Franziskus selbst zur Beruhigung intervenieren mußte und im Duo mit Fernández akrobatische „Einschränkungen“ improvisierte. Was Franziskus nicht ohne die für ihn typischen Seitenhiebe tat und Kritiker als Heuchler und Ideologen beschimpfte.

Auf die eigentliche Kritik, daß Fiducia supplicans die Wahrheit verdunkelt, gingen die Bergoglianer nicht ein. Insgesamt ist Fiducia supplicans nur im Kontext jener von Franziskus betriebenen Kapitulation in Sachen Homosexualität zu verstehen. Selbst wer Bergoglio gewogen ist, konnte sich dem Eindruck nicht entziehen, daß mit Tucho Fernández an der Spitze des Glaubensdikasteriums diese zentrale kirchliche Autorität in Brand gesetzt wurde, die er eigentlich schützen sollte.

Zu dieser Linie paßt neben weiteren Pannen und Pleiten auch die Episode um die lehrmäßige Note Mater populi fidelis, jenes Dokument, das den seit Jahrzehnten gebräuchlichen Begriff Corredemptrix, auf deutsch Miterlöserin, für Maria praktisch untersagt – und das alles, ohne eine auch nur annähernd überzeugende theologische Begründung vorzulegen. Daß Fernández anschließend in einem Interview erneut nachlegte und erklärte, privat könne man den Titel schon verwenden, nur eben nicht offiziell, und die Entscheidung sei keine Verurteilung früherer Verwendungen durch viele Heilige und Päpste, sondern gelte „immer“, aber im Sinne von „ab jetzt“, war kaum geeignet, die Verwirrung zu mildern. Auch Collins fragt sich, warum ein Glaubenspräfekt Themen aufwärmt, die kein Konfliktfeld sind, und sie dann mit der denkbar geringsten Sensibilität für kirchliche Tradition und Frömmigkeit abräumt.

Ähnlich unglücklich wirkt die jüngste lehrmäßige Note Una caro, die angeblich die Problematik der Polygamie in Afrika im Blick hat, faktisch aber fast ausschließlich auf europäische Sexualtheologen der Mitte des 20. Jahrhunderts zurückgreift. Keine anthropologischen Realitäten, keine konkreten sozialen Verwerfungen, kein Blick auf die Kinder und Frauen, die unter polygamen Verhältnissen leiden. Man gewinnt den Eindruck, daß Porno-Präfekt Fernández, Spezialist für das Küssen, an dem Thema Sexualität hängt und weniger die Kirche adressiert als irgendein akademisches (?) Auditorium, das nur zufällig in Rom sitzt.

Ein System der Protektion und seine Folgen

Jorge Mario Bergoglio, Tuchos Entdecker und großer Mentor, ist am 21. April 2025 verstorben. Daß sich Fernández und seine Linie trotz fortgesetzter Fehlleistungen über dessen Tod hinaus auch im neuen Pontifikat halten können, hat weniger mit theologischer Brillanz als mit einem Geflecht persönlicher Loyalitäten zu tun, das über Jahre in Argentinien gewachsen ist und sich im Vatikan als erstaunlich widerstandsfähig erweist.

Die Beförderungen im Umfeld ehemaliger argentinischer Mitarbeiter sind dafür ein sprechendes Indiz. Ein Beispiel ist Daniel Pellizzon, an den Caminante Wanderer erinnert. Pellizzon ordnete 2011/2012 das persönliche Archiv Bergoglios, arbeitete dann mit Tucho Fernández an der Päpstlichen Katholischen Universität von Argentinien, wurde 2018 zum Priester geweiht, stieg 2023 zum persönlichen Sekretär von Papst Franziskus auf und wurde nach dessen Tod wieder nach Buenos Aires zurückgeschickt: Wenn jemand, der einst aus dem Seminar entfernt wurde und später „aus Barmherzigkeit“ (und Intervention) gerade noch zur Priesterweihe gelangte, heute eine der attraktivsten Pfarreien von Buenos Aires übernehmen darf, dann ist das kein Zufall, sondern Ausdruck eines Systems, das nicht fachliche Eignung belohnt, sondern Zugehörigkeit zu einem Kreis. 

Wer dazugehört, wird befördert und auch geschützt; wer nicht dazugehört, verschwindet aus den Sichtachsen und wird trotz aller Fähigkeiten nichts. Und in diesem System, aufgebaut und gefördert von Jorge Mario Bergoglio, bewegt sich Fernández wie ein Fisch im Wasser.

All dies führt zurück zu jener Leitfrage, die Collins etwas humorvoll verpackt, aber nicht zufällig und durchaus ernst aufwirft: Wie löst man ein Problem wie Tucho Fernández? Während im Film die rebellische Novizin namens Maria einfach in ein neues Umfeld versetzt wird und dort aufblüht, verfügt der Vatikan über keine vergleichbare Option. Wohin sollte ein Präfekt der Glaubenslehre „wegbefördert“ werden, ohne daß das Amt selbst Schaden nimmt? Das ist jedoch die falsche Frage. Und wenn in entscheidenden Momenten falsche Fragen gestellt werden, sollte man sich auch fragen, warum dies geschieht.

Der Schaden ist bereits angerichtet. Und man muß hinzufügen, daß dieser von Franziskus, der eine sehr akzentuierte und zielgerichtete Personalpolitik betrieb, auch genau so gewollt war. Schwerwiegender erscheint, warum Leo XIV. seine Unterschrift unter die bergoglianischen Tucho-Dokumente setzt. Nichts und niemand kann ihn dazu zwingen. Überhaupt erstaunt das leoninische Pontifikat durch die ungewöhnliche Vielzahl von Dokumenten, die von Franziskus gewollt und und unter diesem vorbereitet wurden, aber jetzt erst veröffentlicht werden. Warum sieht sich Leo XIV. in lehramtlichen Fragen an seinen Vorgänger gebunden, während er in verwaltungstechnischen Angelegenheiten keine Probleme hat, Franziskus-Entscheidungen aufzuheben, zurückzunehmen und abzuschaffen. Über Hintergründe mag man spekulieren, Fakt ist jedoch, daß ein Papst, der ein Dokument unterzeichnet, dafür die Verantwortung trägt und zwangläufig angenommen werden muß, daß es genau seine Überzeugung widerspiegelt.

Dieser Makel lastet auf dem aktuellen Pontifikat und Tucho Fernández ist die Bleikugel am Bein des neuen Papstes.

Sie zieht durch widersprüchliche Dokumente, schlecht abgewogene Interventionen und ideologische Experimente im Kurzschlußmodus nicht nur Leo XIV. in die Tiefe, sondern die Autorität der Glaubenskongregation (Glaubensdikasterium) und der kirchlichen Lehrautorität überhaupt.

Wie lange kann sich dieses Pontifikat, wie lange kann sich die Kirche einen Glaubenspräfekten Tucho Fernández und das bergoglianische Protektionssystem noch leisten? Der hochbetagte Kardinal Joseph Zen gab bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung von Fiducia supplicans die Antwort: Kardinal Victor Manuel Fernández sollte zurücktreten.

Quelle: katholisches / G. Nardi, Bild: 0221 (Screenshot)

Islamisten verüben Massaker im Kongo

Katholische Kirche wurde niedergebrannt © Open Doors (Screenshot)

Islamistischer Terror – Katholische Kirche niedergebrannt

Mindestens 25 Menschen wurden in Nord-Kivu im östlichen Kongo bei einer Reihe von Angriffen ermordet, die den dschihadistschen Rebellen der ADF zugeschrieben werden.

Wie Oberst Alain Kiwewa, Militärverwalter des Gebiets Lubero, mitteilte, „haben die ADF seit der Nacht des 24. Januar die Bevölkerung des Dorfes Musenge im Gebiet Lubero in Angst und Schrecken versetzt, wo sie mehrere Häuser (fast das gesamte Dorf), ein Gesundheitszentrum und eine katholische Kirche niedergebrannt haben“.

Er erklärt weiter: „Ein Großteil der lokalen Bevölkerung ist auf der Flucht in die mindestens 30 Kilometer entfernte Stadt Butembo. Die aktuelle Opferzahl ist nur vorläufig. Wir warten auf weitere Informationen der Sicherheitskräfte, die in der Region im Einsatz sind, um eine vollständige Bilanz zu erhalten.“

Das Dorf Musenge gehört zur Region Mwenye, wo die ständigen Angriffe der ADF-Islamisten zu einer Situation großer Unsicherheit geführt haben. Frühere Angriffe in diesem Gebiet bereits über 25 Todesopfer gefordert und 63 Häuser in Brand gesetzt.
 
Die ADF greift auch weiter in der benachbarten Provinz Ituri an, wo in der Nacht vom 24. Januar mindestens drei Zivilisten bei einem doppelten Angriff auf die Dörfer Ahombo und Mangwalo im Gebiet Irumu ermordet wurden. Laut lokalen Quellen wird auch das Verschwinden einer unbekannten Anzahl von Einwohnern der beiden angegriffenen Dörfer gemeldet.

Bischof Bulus beklagt ständigen Terror

Bischof Bulus Dauwa Yohanna von der katholischen Diözese Kontagora in Nigeria sorgt sich um die verschlechterte Sicherheitslage. Die Menschen in den Verwaltungsbezirken Agwara und Borgu lebten in ständiger Todesangst, sagte er zur Eskalation der Banditenaktivitäten in diesen beiden Verwaltungsbezirken des Bundesstaats Niger. „Banditentum und gewalttätige Überfälle lähmen das Bildungswesen, die Landwirtschaft und das Gemeinschaftsleben.“ Der Oberhirte zeichnete ein düsteres Bild vom täglichen Leben in der Region.„Derzeit funktioniert die Rechtsstaatlichkeit in Nord-Borgu nicht mehr. Banditen treiben sich Tag und Nacht ungehindert herum, ohne dass ihnen jemand etwas entgegensetzt.“

Zudem warnte Bischof Bulus vor wirtschaftlichen und ernährungssicherheitstechnischen Folgen, wenn die Unsicherheit nicht dringend angegangen werde.

Der Bischof appellierte an die Bundes- und Landesregierungen, in Agwara eine voll ausgestattete Militärbasis sowie Polizeistationen und Kontrollpunkte einzurichten.

„Die Militärbasis sollte über eine vollständig mobile und gepanzerte Einheit verfügen, die in der Lage ist, die Banditen zu verfolgen und festzusetzen, sobald sie ihre Verstecke verlassen, um die Bevölkerung zu terrorisieren.“

Kardinal Joseph Zen über das Konsistorium in Rom

Kardinal Joseph Zen, Papst Leo XIV., P. Carlos Cheun (Sekretär des Kardinals) © Vatican Media

Bericht des 94-jährigen chinesischen Kardinals Joseph Kardinal Zen Ze-kiun SDB über das Konsistorium in Rom (07. – 09.01.2026).

Liebe Brüder und Schwestern,

ich bin seit einer Woche wieder in Hongkong, nachdem ich aus Rom zurückgekehrt bin. Ihr habt euch sicher gefragt, warum ich euch noch nicht online berichtet habe, wie ich die letzten zwei Wochen verbracht habe. Ihr habt geduldig gewartet; bitte verzeiht mir.

Die Woche in Rom war wirklich wunderbar.

Da mein Verhalten bei meinen beiden vorherigen Auslandsreisen als zufriedenstellend eingestuft wurde, verlangte die Polizei diesmal weder einen Bürgen noch eine Kaution. Sie stellten mir meinen Pass direkt aus. Welch ein Segen! Ich reiste am Abend des 04.01. problemlos ab und kam am Mittag des 05.01. wohlbehalten in Rom an. Dort wurde ich von Pater Carlos Cheung begleitet. Ich wohnte in der Päpstlichen Salesianer-Universität, und die Gastfreundschaft des Rektors war in jeder Hinsicht vorbildlich.

Am Morgen des 06.01., dem Hochfest der Erscheinung des Herrn, zelebrierte ich die Messe in meiner Titelkirche, der Kirche Santa Maria Madre del Redentore. Dies gab mir das Gefühl, wirklich ein Pfarrer im Bistum des Papstes zu sein. Am Morgen des 07.01. feierte ich die Messe im Petersdom und bat den Herrn um seinen Segen für das Treffen der Kardinäle, das am Nachmittag beginnen sollte.

Wenig später gewährte mir der Papst eine Privataudienz. Er war sehr herzlich und sprach eine halbe Stunde mit mir. Ich sprach viel, er hörte aufmerksam zu. Er ist wahrlich eine Leitungspersönlichkeit, die zuhören kann!

Das Konsistorium begann am Nachmittag des 07.01.2026

Ursprünglich waren vier Themen vorgesehen:

  1. Evangelii Gaudium (das erste Apostolische Schreiben von Papst Franziskus)
  2. „Synodalität“
  3. Die Reform der Römischen Kurie (siehe Praedicate Evangelium)
  4. Die Tridentinische Messe und die Messe nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

In letzter Minute wurde aus Zeitmangel beschlossen, dass alle nur zwei Themen zur Diskussion auswählen und darüber abstimmen sollten. Schließlich wurden die Themen 1 und 2 gewählt. (Meiner Meinung nach wurde damit ein ganzer Nachmittag verschwendet).

08.01.2026

  • Vormittag: Konzelebration der Messe mit dem Papst
  • Diskussion über Thema 1
  • Mittagessen mit dem Papst
  • Nachmittag: Diskussion über Thema 2

Aus einem geplanten zweitägigen Treffen wurde eine eintägige Veranstaltung. Noch schlimmer: Der Ablauf des Treffens ähnelte der noch nicht lange zurückliegenden „Synode“. 

Alle saßen an runden Tischen und unterhielten sich. Die Diskussionszeit in der Plenarversammlung war sehr begrenzt – nur zwei Sitzungen à 45 Minuten, und jeweils hatten nur fünfzehn Personen die Gelegenheit, zu sprechen.

Obendrein hielt vor Beginn der Sitzung jener „Prediger“ der Synode den Kardinälen eine Homilie. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre verteilte ebenfalls ein Dokument. Auch der Generalsekretär des Synodensekretariats ergriff das Wort. Obwohl Thema 4 diesmal nicht zur Debatte stand, verteilte der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst dennoch ein Dokument. Offenbar betrachteten einige Leute dieses Konsistorium als eine Fortsetzung der „Synode über die Synodalität“.

Ich neige zu „Verschwörungstheorien“ und vermute, dass dieses Treffen von Papst Franziskus’ „Gefolgsleuten“ unterwandert wurde. Sie taten ihr Möglichstes, um die Kardinäle an der Meinungsäußerung zu hindern.

Doch ist das nicht genau das Gegenteil dessen, wofür Papst Leo das Konsistorium einberufen hat?

Nach dem Treffen bemerkten auch einige Kardinäle, dass es ernsthafte Probleme mit der Organisation gegeben habe. Anders als ich neigten sie jedoch nicht zu „Verschwörungstheorien“. Manche meinten, es läge vielleicht einfach daran, dass es zum Ende des Heiligen Jahres zu viele Veranstaltungen gab und Papst Leo daher die Vorbereitung des Konsistoriums nicht persönlich überwachen konnte.

Ich hatte einen Text vorbereitet, um zur Diskussion über Thema 1 beizutragen. Da jedoch jede Rede auf drei Minuten begrenzt war, konnte ich ihn nicht vollständig vorlesen und nur die Kernpunkte präsentieren. Anschließend gab ich den vollständigen Text mehreren Kardinälen, und er gelangte schnell in die Hände von Journalisten.

Der Papst ermutigte alle, offen zu sprechen. Ich kritisierte die „Synode“ und ihre sogenannten Maßnahmen zur „Umsetzungsphase“ mit recht scharfen Worten.

Ich weiß, dass in den vergangenen Monaten einige Kardinäle ähnliche Ansichten wie ich geäußert hatten. Doch in der Sitzung sprachen nur sehr wenige, und selbst diejenigen, die sprachen, taten dies sehr „höflich“. Leider wurde ich damit zum einzigen „Schwarzen Schaf“ (the only „bad child“).

Nach meinem Beitrag schien es, als würden mich einige Leute missbilligend ansehen. Doch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Sitzung brachten viele Brüder und Schwestern des „traditionellen Lagers“ ihre Anerkennung zum Ausdruck.

Ich habe nicht auf die Reaktion des Papstes geachtet. Aber ich weiß und glaube fest daran, dass er eine Leitungspersönlichkeit ist, der zuhören kann.

Was ist also mein Gesamteindruck von diesem Treffen? Tiefe Dankbarkeit.

Die Entscheidung des Papstes, ein Konsistorium einzuberufen, ist ein sehr willkommener „Durchbruch“. Unmittelbar danach kündigte er an, dass Ende Juni ein weiteres Konsistorium stattfinden wird; und dass von nun an jährlich eines abgehalten werden soll und es über einen längeren Zeitraum dauern soll. Die Prozeduren werden sicherlich verbessert, damit der Papst den loyalen Meinungen seiner Mitbrüder ausführlich Gehör schenken kann.

Der Herr segne Papst Leo XIV.


Warum habe ich nach meiner Rückkehr nach Hongkong bis heute gewartet, um Ihnen all dies mitzuteilen? Womit war ich so beschäftigt?

Abgesehen von der Erholung habe ich viele „Geburtstagsessen“ genossen. Viele Menschen haben mich aus Liebe eingeladen; und ich habe die Einladungen angenommen – halb widerwillig, halb zustimmend.

Ich war ein Jahr lang krank gewesen und habe zehn Kilogramm abgenommen. Nach und nach habe ich sieben Kilogramm wieder zugenommen, aber aus irgendeinem Grund stagniert mein Gewicht nun. Der Arzt möchte, dass ich weitere drei Kilogramm zunehme. Er sagte: „Schränken Sie Ihre Ernährung nicht ein – nehmen Sie erst einmal zu.“ Auf den Arzt zu hören, kann ja nicht so falsch sein, oder?

An dieser Stelle möchte ich allen Brüdern und Schwestern, die für mich gebetet haben, meinen tief empfundenen Dank aussprechen. (Gott sei Dank für die Gnaden, die Er mir in diesen 94 Jahren geschenkt hat. Möge der Herr mir meine Sünden und Fehler vergeben. Und die Tage, die er mir noch schenkt, werde ich nicht ablehnen.)

Quelle: gloria.tv, kath.net, fsspx.de

Zukunft der lateinisch-tridentinischen Messe

Cardinal Raymond Burke (Screenshot)

Kardinal Burke spricht mit Papst Leo über Zukunft der traditionellen lateinischen Messe

Kardinal Raymond Burke hat öffentlich bestätigt, dass er bereits mit Papst Leo XIV. über die Zukunft der traditionellen lateinischen Messe gesprochen hat. Der US-amerikanische Kardinal sagte, er hoffe, dass der neue Pontifex die Beschränkungen für diese Gottesdienstform aufheben wird.

Burke äußerte sich laut der englischen Partneragentur CNA bei einer Konferenz der Latin Mass Society of England and Wales am 14. Juni in London und bezeichnete die derzeitigen Maßnahmen als “Verfolgung” der traditionsverbundenen Gläubigen in der Kirche.

Bei der Londoner Konferenz erklärte Burke: “Ich hatte tatsächlich bereits Gelegenheit, dies dem Heiligen Vater mitzuteilen.” Der frühere Präfekt der Apostolischen Signatur und ehemalige Kardinalpatron des Malteserordens betonte seine Hoffnung, dass Leo XIV. “sich so bald wie möglich mit dieser Frage befasst”.

Burke verwendete den lateinischen Begriff usus antiquior – “der ältere Gebrauch” – für die traditionelle lateinische Messe. Dieser bezeichnet die gesamte öffentliche Gebetspraxis der Kirche vor den Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, also die Messe, das Stundengebet und die anderweitige Sakramentenspendung.

Hintergrund der liturgischen Spannungen

Die Kontroverse um die traditionelle lateinische Messe, auch Tridentinische Messe oder außerordentliche Form des römischen Ritus bezeichnet, wurzelt in den liturgischen Änderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. 1970 führte Papst Paul VI. die neue Messordnung (“Novus Ordo Missae”) ein, die die jahrtausendealte lateinische Liturgie weitgehend ersetzte.

Papst Benedikt XVI. hatte 2007 mit seinem Apostolischen Schreiben “Summorum Pontificum” die Beschränkungen für die traditionelle lateinische Messe gelockert und erklärt, dass diese nie rechtlich abgeschafft worden sei. Das Dokument gewährte Priestern größere Freiheit bei der Feier der lateinischen Messe und bezeichnete sie als “außerordentliche Form” des römischen Ritus.

Restriktive Maßnahmen von Papst Franziskus

Dies wurde jedoch 2021 durch Papst Franziskus mit dem Motuproprio “Traditionis Custodes” rückgängig gemacht. Das Dokument vom 16. Juli 2021 schränkte die Feier der traditionellen lateinischen Messe erheblich ein und übertrug den Diözesanbischöfen die ausschließliche Befugnis, ihre Verwendung zu genehmigen.

Franziskus begründete die Maßnahmen mit einer Notwendigkeit, die kirchliche Einheit zu fördern und Spaltungen zu verhindern. In seinem Begleitschreiben an die Bischöfe warf er Anhängern der traditionellen Messe vor, diese zu nutzen, um Widerstand gegen das Zweite Vatikanische Konzil zu säen.

Burkes Kritik an “Traditionis Custodes”

Kardinal Burke gehört zu den schärfsten Kritikern von “Traditionis Custodes”. In einer 19-Punkte-Erklärung vom Juli 2021 bezeichnete er die Maßnahmen als “hart und revolutionär” und stellte die Frage, ob der Papst überhaupt die Autorität besitze, die traditionelle lateinische Messe zu verbieten.

Burke argumentierte, dass die “Fülle der päpstlichen Macht” nicht bedeute, dass ein Papst “eine liturgische Disziplin vernichten kann, die in der Kirche seit der Zeit von Papst Gregor dem Großen und sogar noch früher lebendig ist”. Er warf Franziskus vor, die Gläubigen der traditionellen Messe als problematisch zu betrachten und ihre Teilnahme als spalterisch zu bewerten.

Burke äußerte bei der Londoner Konferenz den Wunsch, dass Leo XIV. nicht nur “Traditionis Custodes” aufhebe, sondern auch “Summorum Pontificum” wiederherstelle und sogar weiterentwickle: “Ich hoffe dass [Leo] sogar noch weiter ausbauen wird, was Papst Benedikt XVI. so weise und liebevoll für die Kirche erlassen hat.”

Quelle: katholisch informiert

© CFM.SCJ Pater Andreas Endl CFM.SCJ, zelebriert lateinisch-tridentinische Messe im Petersdom (Vatikan)