„Legalistischer Islamismus“ – die neue Gefahr

Verfassungsschützer warnen

Jahrelang dominierten Salafisten und der IS das Bild radikalisierter Muslime. In Deutschland halten Verfassungsschützer jedoch „legalistische Islamisten“ langfristig für die größere Gefahr.

Von E. Beres, SWR und J. Röhmel, BR

Ein Gewerbegebiet im Norden Hamburgs: Hier hat die „Furkan-Gemeinschaft“ ihren Sitz. Verfassungsschützer rechnen den Verein dem „legalistischen Islamismus“ zu – einem Spektrum, das gewaltfrei daran arbeite, auf dem Koran fußende Regelungen über den privaten Bereich hinaus in der deutschen Gesellschaft zu etablieren.

Als Islamist will Furkan-Sprecher Cenk Göncü nicht gelten. Doch im Interview mit dem Podcast SWR2 Wissen und dem BR-Magazin Kontrovers sagt er ganz klar: „Wir möchten das Richtige und das Falsche gemäß des Korans darlegen. Uns schwebt die Zivilisation des Propheten vor.“

Wegen solcher Äußerungen wird die Furkan-Gemeinschaft von Sicherheitsbehörden beobachtet. 350 Anhänger werden dem Verein im aktuellen Verfassungsschutzbericht des Bundes zugerechnet – 60 mehr als im Vorjahr. Sie hat Ableger in mehreren Städten, etwa in Hamburg, Dortmund oder München.

Fragwürdige Haltung zu drakonischen Körperstrafen

Furkan-Sprecher Göncü sagt, sein Verein wolle keine Gewalt ausüben. Eine pluralistische Demokratie schwebt ihm aber auch nicht vor. Islam und Säkularismus seien „nicht miteinander kompatibel“, sagt er. Als die Sprache auf vorzeitliche, im Koran verbriefte Strafen wie das Handabhacken bei Diebstahl kommt, fällt es Göncü erkennbar schwer, sich davon zu distanzieren: „Im Islam ist das so, dass einige Gesetze wie zum Beispiel das Abschneiden der Hand, hart sind, weil es bestimmte Gesetze gibt, die dem Einzelnen schaden, um das Allgemeinwohl nicht zu gefährden.“

Für den Islamwissenschaftler Professor Matthias Rohe von der Universität Erlangen Nürnberg sind solche Positionen auch theologisch heute kaum noch vertretbar: „Die meisten islamisch geprägten Länder haben diese drakonischen Körperstrafen abgeschafft. Und das lässt sich durchaus auf der Basis von Scharia Argumentationen begründen, wenn man das islamische Recht als eine dynamische Materie liest. Es gibt eine Mainstream-Meinung, die sagt: Das Recht ist abhängig von den Zeiten und von den Umständen der Lebensverhältnisse.“

Umfrage unter Verfassungsschutzämtern

Offen radikale Auftritte der Islamisten werden zunehmend durch Internetaktivitäten abgelöst.

Laut einer Umfrage von SWR und BR unter allen Verfassungsschutzämtern in Deutschland hat der „legalistische Islamismus“ mehr als 13.000 Anhänger. In fast allen Bundesländern gibt es demnach Moscheegemeinden mit Bezügen in das legalistische Islamismus-Milieu.

Andere Aktivisten sind eher im Internet aktiv, etwa die aus Sicht der Verfassungsschützer demokratiefeindliche Gruppe „Realität Islam“ aus dem Rhein-Main-Gebiet. Eine von ihr initiierte bundesweite Online-Petition gegen ein mögliches Kopftuchverbot unterzeichneten mehr als 160.000 Menschen. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen spricht in seinem aktuellen Jahresbericht davon, „Realität Islam“ schüre „Ängste und Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat“, fördere eine Abwendung von demokratischen Werten. Ein Interview zu diesen Vorwürfen knüpfte „Realität Islam“ an die Bedingung, die sie betreffenden Passagen vor Veröffentlichung überprüfen zu wollen – eine Forderung, auf die SWR und BR nicht eingingen.

Streitfall „Deutsche Muslimische Gemeinschaft“ (DMG)

Von Verfassungsschützern immer wieder als Anlaufstelle der islamistischen Muslimbruderschaft genannt, ist die „Deutsche Muslimische Gemeinschaft“ (DMG). Sie sucht bewusst den Dialog mit Kirche und Politik und weist den Vorwurf des Verfassungsschutzes schriftlich zurück: „[Die DMG] ist ausdrücklich kein Teil der Muslimbruderschaft und weist jeden Versuch einer Zuordnung zu dieser Organisation zurück.“

Recherchen weisen allerdings auf entsprechende Bezüge hin. So wurde vor einigen Jahren ein Vertreter des DMG-Vorgängervereins nach dessen Tod von der palästinensischen Hamas geehrt – und die gilt als Ableger der Muslimbruderschaft und ist als Terrororganisation eingestuft. Die DMG sagt dazu, der Mann habe lange Zeit keinerlei Funktion innegehabt, sei allerdings ein geachtetes Mitglied in ihrer Gemeinschaft gewesen. Inzwischen geht die DMG gegen die Bundesregierung vor und will erreichen, dass ihr Name nicht mehr in den jährlichen Verfassungsschutzberichten erwähnt wird.

„Legalistische Islamisten“: Gefährlicher als Salafisten und Dschihadisten?

NRW-Verfassungsschutzchef Freier sieht im legalistischen Islamismus eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft. Bild: dpa

Diese Vorgehensweise ruft Verfassungsschützer auf den Plan: „Wir gehen davon aus, dass dieser legalistische Islamismus gefährlicher als Salafismus oder gewaltbereiter Extremismus ist“, sagt Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen. Legalistische Islamisten versuchten in die Gesellschaft einzusickern und Politik und Gesellschaft für sich zu vereinnahmen und zu beeinflussen: „Und dadurch können sie langfristig unsere Demokratie nicht nur tangieren, sondern auch schwer beschädigen.“

Quelle: tagesschau Bilder: tagesschau (Screenshot)

GEBETSAUFRUF

Diese Stunden entscheiden, so dessen Familie, über Leben und Tod von Kardinal Raymond Burke.

„Die nächsten 48 Stunden entscheiden über Leben und Tod von Kardinal Burke“

(Washington) Der Gesundheitszustand von Kardinal Raymond Burke ist sehr kritisch, wie seine Familie bekräftigte.

Am 10. August wurde von seinem Sekretariat über Twitter bekanntgegeben, daß der Kardinal positiv auf Covid-19 getestet worden war. Am 14. August folgte seine Hospitalisierung. Seither wird seine Atmung unterstützt.

Die Familie des Kardinals steht mit den zuständigen Ärzten des Krankenhauses in Rochester in seinem Heimatstaat Wisconsin in ständigem Kontakt und wird von diesen laufend informiert.

Der Gesundheitszustand von Kardinal Burke ist „ernst“, so die Familie. Er hängt weiterhin an einem Beatmungsgerät. Bisher spricht die ärztliche Behandlung der aufgetretenen Lungenentzündung nicht an. „Die nächsten 48 Stunden werden über Leben oder Tod entscheiden.“ 

Inzwischen wird ihm ein neues Medikament gereicht, doch seien die Aussichten, daß der Kardinal überlebt, „nicht optimistisch“, so Orbis Catholic Travel unter Berufung auf die Familie. Diese dankte allen für ihr Gebet.

Kardinal Raymond Burke, Jahrgang 1948, ein exzellenter Kirchenrechtler, war 1994 von Papst Johannes Paul II. zum Bischof von La Crosse im Staat Wisconsin ernannt worden. 2003 erfolgte seine Beförderung zum Erzbischof von St. Louis im Staat Missouri. Papst Benedikt XVI. berief ihn 2008 als Präfekten der Apostolischen Signatur an die Römische Kurie. Also solcher war er der höchste Richter der Kirche nach dem Papst. 2010 kreierte ihn Benedikt XVI. zum Kardinal. Als er während der ersten Familiensynode von 2014 als Wortführer der Synodalen auftrat, die der päpstlichen Agenda kritisch gegenüberstanden, entfernte ihn Papst Franziskus aus dem Vatikan, indem er ihn zum Kardinalpatron des Souveränen Malteserordens ernannte. 2017, als Franziskus den damaligen Großmeister des Malteserordens absetzte, wurde Kardinal Burke vom Kirchenoberhaupt zwar die Würde des Kardinalpatrons belassen, aber alle damit verbundenen Aufgaben eines päpstlichen Delegaten entzogen.

Zuletzt trat Kardinal Burke am 22. Juli, wenige Tage nach dessen Veröffentlichung, mit einer Stellungnahme zum Motu proprio Traditionis custodes an die Öffentlichkeit. Darin schreibt er als Antwort auf bestimmte Behauptungen von Papst Franziskus, mit denen dieser seinen radikalen Angriff gegen den überlieferten Ritus und die Vertreter der Tradition begründete:

„Ein schismatischer Geist oder ein tatsächliches Schisma sind immer von großem Übel, aber es gibt nichts an dem UA [Usus Antiquior, überlieferten Ritus], das ein Schisma fördert.“

Als Kernaussage der Stellungnahme zu Traditionis custodes, einem Dokument, dessen „Strenge natürlich eine tiefe Verzweiflung und sogar ein Gefühl der Verwirrung und Verlassenheit erzeugt“, formulierte Kardinal Burke:

„Aber kann der Papst den UA rechtlich abrogieren? Die Fülle der Macht (plenitudo potestatis) des Römischen Papstes ist die Macht, die notwendig ist, um die Lehre und Disziplin der Kirche zu verteidigen und zu fördern. Es ist nicht die „absolute Macht“, die die Macht einschließen würde, die Lehre zu ändern oder eine liturgische Disziplin auszurotten, die in der Kirche seit der Zeit Papst Gregors des Großen und sogar noch früher lebendig ist. […] Unser Herr, der das wunderbare Geschenk des UA gemacht hat, wird nicht zulassen, daß es aus dem Leben der Kirche getilgt wird.“

Quelle: katholisches, G. N. Bild: Cardinalburke.com (Screenshot)

Pater Daniel-Ange zu Traditionis Custodes

Pater Daniel-Ange ist „fassungslos“ über das Motu proprio Traditionis custodes.

„Heiliger Vater, haben Sie den Mut und die Demut, eine so unversöhnliche Entscheidung rückgängig zu machen“

(Paris) Am Tag seines 40. Priesterjubiläums, dem 23. Juli, brachte der bekannte Priester Daniel-Ange Gedanken zu dem wenige Tage zuvor von Papst Franziskus erlassenen Motu proprio Traditionis custodes zu Papier. Daniel-Ange de Maupeou d’Ableiges ist der Gründer der geistlichen Bewegung Jeunesse-Lumière, einer „internationalen katholischen Schule des Gebets und der Evangelisation“, die der Charismatischen Erneuerung zugeordnet wird.  Der heute 88 Jahre alte Daniel-Ange unterhält langjährige Kontakte zu Gemeinschaften der Tradition und zelebrierte selbst bereits im überlieferten Ritus, ohne ihn sich ständig zu eigen zu machen. „Umso bedeutender ist sein Zeugnis“, so die französische Nachrichtenseite Le Salon Beige, die den vollständigen Wortlaut der Stellungnahme vor wenigen Tagen veröffentlichte.

Daniel-Ange ist unter seinen Vornamen bekannt, wobei sein zweiter Vorname Ange, „Engel“, nicht selten für seinen Familiennamen gehalten wird. Den Namen seiner katholischen Familie kennt hingegen kaum jemand, da der 1932 in Brüssel geborene Priester, Eremit und Missionar bescheiden auf ihn verzichtet. Seine Mutter Hedwige d’Ursel (1902–1987) war die Tochter des Herzogs von Ursel und Hoboken, einer ursprünglich aus Thüringen stammenden belgischen Adelsfamilie, die seit dem späten 15. Jahrhundert in den Habsburgischen (Österreichischen) Niederlanden eine bedeutende Rolle spielte. Sein Vater Gaston de Maupeou d‘Ableiges, Marquis de Monbail (1896–1988), war ein französischer Konteradmiral, Offizier der französischen Ehrenlegion und Geheimkämmerer von Papst Pius XII. Der Familie väterlicherseits wie mütterlicherseits entstammten zahlreiche Staatsmänner, Militärs und Bischöfe. Beiden Eltern war es im hohen Alter vergönnt, 1981 in Lourdes der Priesterweihe ihres Sohnes beiwohnen zu können. 

Daniel-Ange war 1950, nachdem er kriegsbedingt seine Schulausbildung in der Schweiz, dann in England genossen hatte, in die Benediktinerabtei Clerf in Luxemburg eingetreten. Es folgte das Studium der Philosophie und der Theologie in Frankreich und in der Schweiz, das zunächst durch den Militärdienst als Sanitäter in Belgien, eine Zeit bei den Kleinen Brüdern Jesu von Charles de Foucauld, die Mitgründung der monastischen Fraternité de la Vierge des Pauvres (Bruderschaft der Jungfrau der Armen), für die er dreizehn Jahre als Missionar in Ostafrika wirkte, und dann die Zurückgezogenheit in die Weltabgeschiedenheit eines Eremiten unterbrochen war. Inmitten seiner Jahre als Einsiedler in den Westalpen, in denen er die ersten Bücher schrieb, wurde er 1981 in Lourdes, kurz vor seinem 49. Geburtstag, von Kardinal Bernardin Gantin zum Priester geweiht. In diesen acht Jahren erfolgte sein Wechsel vom monastischen zum apostolischen Leben. Er gehörte der theologischen Untersuchungskommission zu den Marienerscheinungen von Kibeho in Ruanda an, die 2000 von der Kirche anerkannt wurden.

„Ich bin fassungslos und erschüttert“

Seine Stellungnahme zu Traditionis custodes beginnt Daniel-Ange mit den Worten:

„Ich bin fassungslos.“

Er sei „erschüttert“ über dieses Motu proprio, von dem man nur sagen könne, daß es einen „k. o.“ hinterlasse. 

„Ich teile die Tränen so vieler meiner Freunde und Verwandten. Ich bete, daß sie nicht zu Verbitterung, wenn nicht gar zu Aufruhr und Verzweiflung verleitet werden.“

„Warum diese Härte, ohne einen Funken Gnade oder Mitgefühl? Wie können wir nicht verblüfft und erschüttert sein?“

„Um nur von Frankreich zu sprechen: Weiß der Papst, daß es wunderbar strahlende Gruppen und Gemeinschaften gibt, die viele junge Leute, junge Paare und Familien anziehen? Sie werden vom Sinn für das Heilige, die liturgische Schönheit, die kontemplative Dimension, die schöne lateinische Sprache, die Folgsamkeit gegenüber dem Stuhl Petri, die eucharistische Inbrunst, die häufige Beichte, die Treue zum Rosenkranz, die Leidenschaft für die Seelen, die gerettet werden sollen, und viele andere Elemente angezogen, die sie — leider! — in vielen unserer Gemeinden nicht finden können.

Sind nicht alle diese Elemente prophetisch?“

Und weiter:

„In ihren Versammlungen dominieren junge Leute und Familien, deren Sonntagspraxis fast 100 Prozent beträgt. Und sagen wir nicht, daß sie nostalgisch nach der Vergangenheit streben, daß sie anachronistisch sind. Das Gegenteil ist der Fall: Latein, die Messe ad orientem, Gregorianik, Soutane: Das ist für sie ganz neu. Es hat den ganzen Reiz der Neuheit.“

Daniel-Ange stellt darauf die rhetorische Frage, ob es wirklich erstaunen könne, daß die Ordensgemeinschaften, die das Stundengebet auf Latein und die Eucharistie nach dem Missale Romanum von Johannes XXIII. zelebrieren, „gedeihen und viele junge Menschen anziehen“.

Er denke insbesondere an die Gemeinschaften, „die ich persönlich kennen darf und die ich schätze und bewundere, wie die von Le Barroux und Notre-Dame de la Garde sowie die Missionare der Barmherzigkeit von Toulon. (…) Ganz zu schweigen von der Pfingstwallfahrt nach Chartres, die immer mehr zunimmt.“

Zusammen mit den Pfadfindern und der Gemeinschaft Sankt Martin schenke die kirchliche Bewegung der Tradition der Kirche die meisten Priesterberufungen.

„Ich bezeuge den großen Eifer des Wigratzbader Priesterseminars in Bayern, gegründet von einem gewissen Kardinal … Ratzinger.“

„In einer Welt, die so hart ist, in der der Kampf um die Treue zu Jesus und seinem Evangelium ein Heldentum ist, in der sie in ihren Schulen und sogar in ihren Familien bereits ausgegrenzt, verachtet und verspottet werden, in der alle ihre Werte verachtet, wenn nicht gar prostituiert werden, in der sie sich schrecklich allein und isoliert fühlen, verunsichert, manchmal am Rande der Verzweiflung: Warum aber, warum, verweigert man ihnen diese wenigen Festungen, die ihnen die Kraft, den Mut, die Kühnheit geben, Widerstand zu leisten und durchzuhalten? Wir befinden uns inmitten einer turbulenten Zeit für die Kirche, inmitten des Zusammenbruchs des Glaubens in der Welt. Der Krieg gegen Christus und seine Kirche ist entfesselt, wir befinden uns inmitten eines mörderischen Duells:  Junge Menschen haben mehr denn je ein Recht darauf, unterstützt, gestärkt, bewaffnet, einfach bestärkt zu werden. Wir sollten ihnen nicht einige unserer schönsten Refugien verschließen, wie eine Hochgebirgshütte inmitten tödlicher Gletscherspalten.“

Und weiter:

„Wie kann man nach all dem verstehen, daß der Papst anscheinend nur auf ihre Auslöschung, Auflösung, ihr vollständige Liquidation abzielt? Indem einfach die jetzt auferlegten Normen Anwendung finden? Das zeigt sich daran, daß ihre Priester aus ihren Gemeinden herausgerissen werden und ihnen verboten wird, neue Gemeinden zu gründen. Ist das nicht eine Art Sterilisationsspritze?“

„Das Schlimmste“ sei jedoch, daß „man erklärt, daß das Meßbuch des hl. Johannes XXIII. nicht mehr zum römischen Ritus gehört, da dessen ‚einziger Ausdruck‘ jetzt das Meßbuch von Paul VI. ist. Jener Ritus wird daher ipso facto der Vergangenheit angehören, ist überholt, unzeitgemäß und befindet sich schwerelos in einem Vakuum …“

„Ist das nicht ein Dolchstoß in den Rücken oder vielmehr ins Herz unseres lieben Benedikt XVI.? Sein Geniestreich war, diesen Ritus zu retten, indem er ihn einfach zur zweiten Variante oder Form des einen römischen Ritus machte. Welchen Mut brauchte er! Und das geschah keineswegs nur aus Diplomatie oder Kirchenpolitik, wie das Motu proprio andeutet. Wie oft hat er doch bekräftigt, daß dieser Ritus, der das christliche Volk geheiligt, die ganze Kirche bewässert, so viele Jahrhunderte lang so viele Früchte der Heiligkeit gebracht hat, heute das volle Bürgerrecht hat und ein wesentlicher Bestandteil der lateinischen und römischen Liturgie ist.

Es war ein Skandal, daß man vor 60 Jahren versucht hat, ihn zu entfernen. Und plötzlich, brutal, mit einem Federstrich, wurde er von einem Papst außer Kraft gesetzt, der in seiner Seele sicherlich weniger liturgisch gesinnt ist als dieser Benedikt XVI. mit einer ganz benediktinischen Seele.

Wird Benedikt XVI. in seiner klösterlichen Zurückgezogenheit seinen Nachfolger um Erlaubnis bitten müssen, diesen Ritus, den er so sehr liebte und den er meisterhaft retten konnte, noch einmal zelebrieren zu dürfen?

Werde Papst Franziskus „die Schreie und Tränen seiner Kinder hören?“

  • Daniel-Ange fragt zudem, ob Franziskus die Auswirkungen, „wenn nicht das Erdbeben“, bemessen habe, die „eine solche Unnachgiebigkeit in der Kirche und sogar außerhalb der Kirche zu provozieren droht“, wenn selbst ein Atheist wie Michel Onfray sich „bestürzt“ zeigt über Traditionis custodes.
  • Habe Franziskus „den Schock“ bemessen, „den unsere Brüder in den heiligen orthodoxen Kirchen erleben werden? Das Motu proprio [Summorum Pontificum] des von ihnen als großen Theologen hochgeschätzten Benedikt XVI. beruhigte sie, daß die lateinische Kirche den jahrhundertealten liturgischen Ritus bewahrt und schützt.“
  • Habe Franziskus das „Erdbeben“ bemessen, unter „so vielen jungen Leuten, jungen Paaren, ganzen Familien, die dem römischen Lehramt treu“ sind, aber nun den „bitteren Eindruck“ gewännen, „betrogen, wenn nicht verraten worden zu sein“.

„Wie kann man nicht mit ihnen weinen?“

Daniel-Ange formuliert zum Abschluß eine Bitte an die Bischöfe:

„Möge es zumindest eine große Welle des Mitleids in der Taufe, der brüderlichen und väterlichen Zuneigung auf Seiten unserer Bischöfe geben, sie von inständigen Gebeten zu umgeben, sie zu trösten, aufzurichten, zu unterstützen, zu ermutigen und willkommen zu heißen. Inständig, großzügig, das heißt, liebevoll.

Das letzte Wort aber gilt Papst Franziskus:

„Lieber Heiliger Vater – den ich auch liebe, schätze und bewundere – im Namen vieler meiner Freunde, jung und alt, wage ich in kindlicher Einfachheit, Ihnen meine tiefe Trauer mitzuteilen. Von närrischer Zuversicht angetrieben, wage ich zu hoffen, daß Sie wegen so vieler Tränen auf den Wangen Ihrer eigenen Kinder den Mut und die Demut haben werden, eine so unversöhnliche Entscheidung rückgängig zu machen.

Wider alle Hoffnung hoffe ich!“

Quelle: katholisches, G. N. Bild: Youtube/KTO (Screenshot)

Jetzt droht Terror!

©Reuters

STEINIGUNGEN UND HÄNDE-ABHACKEN

Vor 25 Jahren kamen die Taliban erstmals an die Macht.  

Damals regierte der Terror. Afghanistan. Den Worten des Taliban-Sprechers Mohammad Naim – „Wir wollen Frieden mit allen“ – schenkt kaum wer Glauben. Die Erinnerung an die frühere Schreckensherrschaft der Taliban zeigt, wozu sie fähig sind: Von 1996 bis zum Einmarsch der Amerikaner 2001 – nach dem Anschlag auf das World Trade Center in New York – regierten die Fundamentalisten mit eiserner Hand. Ihre Herrschaft basierte auf einer extremen Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts. Musik, Tanz und Fernsehen sind demnach verboten. Sogar Drachen steigen lassen dürfen Kinder nicht.

Unterdrückung. Frauen wurden massiv unterdrückt und ganz aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die Menschen erinnern sich an eine Reihe öffentlicher Hinrichtungen, wie etwa im Ghazi-Stadion in Kabul. Sie fürchten nun, dass die Steinigungen, Amputationen, Auspeitschungen usw. von Andersdenkenden wieder auf der Tagesordnung stehen werden. 

Quelle: oe24